III. Reich - Kreistag Braunschweig Stadt 1939

Kunststoffabzeichen, an Nadel, mit RZM-Hersteller M9/25 Richard Sieper & Söhne Lüdenscheid, Zustand 2.
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45,00

III. Reich - Kreistag Braunschweig Stadt 1939

Das Kreistag-Abzeichen Braunschweig Stadt 1939 stellt ein bemerkenswertes Beispiel für die politisch-administrative Abzeichenkultur des nationalsozialistischen Deutschland dar. Diese Auszeichnung wurde für Teilnehmer am Kreistag der Stadt Braunschweig im Jahr 1939 hergestellt, einer Veranstaltung, die im Rahmen der nationalsozialistischen Parteiorganisation und kommunalen Verwaltungsstruktur stattfand.

Die Stadt Braunschweig hatte eine besondere Bedeutung in der frühen Geschichte der NSDAP. Sie war die erste Stadt, in der die Partei 1930 Regierungsverantwortung übernahm, als die NSDAP in einer Koalitionsregierung im Freistaat Braunschweig die Mehrheit erlangte. Diese politische Machtübernahme ermöglichte es Adolf Hitler, der bis dahin staatenlos war, 1932 die deutsche Staatsbürgerschaft durch seine Ernennung zum braunschweigischen Regierungsrat zu erhalten. Diese historische Verbindung verlieh der Stadt eine besondere Rolle im nationalsozialistischen Herrschaftssystem.

Das vorliegende Abzeichen wurde aus Kunststoff gefertigt, einem Material, das in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre zunehmend für die Herstellung von Parteiabzeichen verwendet wurde. Dies stand im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Autarkiepolitik und dem Vierjahresplan, der den Ersatz von knappen Metallen durch synthetische Materialien vorsah. Kunststoffabzeichen waren kostengünstiger in der Produktion und schonten kriegswichtige Rohstoffe, die für die Aufrüstung benötigt wurden.

Die Herstellermarkierung RZM M9/25 weist auf die streng regulierte Produktion hin. Das Reichszeugmeisterei-System (RZM) wurde 1929 von der NSDAP eingeführt, um die Herstellung und den Vertrieb von Parteiabzeichen, Uniformen und Ausrüstung zu kontrollieren. Die RZM vergab Lizenznummern an genehmigte Hersteller und garantierte damit Qualitätsstandards und verhinderte unerlaubte Produktion. Die Kennzeichnung M9 bezeichnete die Kategorie für bestimmte Abzeichentypen, während die Nummer 25 den spezifischen Hersteller identifizierte.

Der Hersteller Richard Sieper & Söhne aus Lüdenscheid war einer der bedeutendsten Produzenten von Parteiabzeichen während der NS-Zeit. Lüdenscheid im Sauerland hatte sich bereits im 19. Jahrhundert zu einem Zentrum der deutschen Metallindustrie und Abzeichenherstellung entwickelt. Die Firma Sieper gehörte zu den zahlreichen Unternehmen der Region, die von der enormen Nachfrage nach NS-Abzeichen, Orden und Ausrüstung profitierten. Das Unternehmen stellte eine breite Palette von Parteiabzeichen, Veranstaltungsabzeichen und Auszeichnungen her.

Kreistage waren wichtige Veranstaltungen im System der nationalsozialistischen Herrschaft auf lokaler Ebene. Sie dienten der Mobilisierung der Bevölkerung, der Demonstration von Macht und Einheit sowie der Vermittlung der Parteipropaganda. Solche Veranstaltungen kombinierten politische Reden, Massenaufmärsche und kulturelle Darbietungen. Die Teilnehmer erhielten häufig Erinnerungsabzeichen, die sowohl als Andenken als auch als Ausweis der politischen Loyalität dienten.

Das Jahr 1939 markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der deutschen Geschichte. Im September begann mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Die Monate vor Kriegsausbruch waren geprägt von zunehmender internationaler Spannung, verstärkter Propaganda und der Vorbereitung der Bevölkerung auf den kommenden Konflikt. Veranstaltungen wie der Kreistag Braunschweig dienten auch dazu, die Bevölkerung hinter dem Regime zu vereinen und auf die kommenden Herausforderungen einzuschwören.

Die Herstellung solcher Abzeichen erfolgte in großen Stückzahlen, um alle Teilnehmer der Veranstaltungen ausstatten zu können. Die Abzeichen wurden typischerweise mit einer Nadelkonstruktion auf der Rückseite versehen, die das Tragen an der Kleidung ermöglichte. Die Vorderseite zeigte üblicherweise symbolische Darstellungen, Hoheitszeichen, Orts- oder Datumsangaben.

Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige zeithistorische Quellen. Sie dokumentieren die allgegenwärtige Präsenz nationalsozialistischer Symbolik im Alltag, die Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche durch die Partei und die materielle Kultur des Dritten Reiches. Für Historiker und Sammler bieten sie Einblicke in Produktionstechniken, Organisationsstrukturen und die lokale Geschichte der NS-Zeit.

Die Erhaltung und wissenschaftliche Dokumentation solcher Objekte erfolgt heute unter strenger Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen. In Deutschland ist der Umgang mit NS-Symbolik durch das Strafgesetzbuch geregelt, wobei Ausnahmen für historische, wissenschaftliche und aufklärende Zwecke bestehen. Museen und Forschungseinrichtungen bewahren solche Objekte als Zeugnisse einer dunklen Periode der deutschen Geschichte auf.

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