NSKK / DDAC - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Württ. Nachtorientierungs- u. Gleichmässigkeitsfahrt 1934 "
Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette aus dem Jahr 1934 dokumentiert die Teilnahme an der Württembergischen Nachtorientierungs- und Gleichmäßigkeitsfahrt, einer sportlichen Veranstaltung, die unter der Schirmherrschaft des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) und des Deutschen Automobil-Clubs (DDAC) durchgeführt wurde.
Das NSKK wurde im April 1930 als Unterorganisation der SA gegründet und entwickelte sich nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 zu einer paramilitärischen Massenorganisation. Das Korps hatte die Aufgabe, die deutsche Bevölkerung kraftfahrtechnisch zu schulen und auf eine mögliche militärische Verwendung vorzubereiten. Der DDAC, gegründet 1903 als einer der ältesten Automobilklubs Deutschlands, wurde 1933 gleichgeschaltet und mit dem NSKK eng verbunden, wobei er seine sportlichen und organisatorischen Funktionen behielt.
Die Orientierungs- und Gleichmäßigkeitsfahrten waren in den 1930er Jahren beliebte motorsportliche Veranstaltungen, die besondere Anforderungen an Fahrer und Fahrzeuge stellten. Bei einer Gleichmäßigkeitsfahrt ging es nicht um Höchstgeschwindigkeit, sondern um das präzise Einhalten vorgegebener Durchschnittsgeschwindigkeiten über bestimmte Streckenabschnitte. Die Nachtorientierungsfahrt als zusätzliche Herausforderung verlangte navigationstechnisches Geschick unter erschwerten Bedingungen bei Dunkelheit.
Das Jahr 1934 markiert eine wichtige Phase in der Konsolidierung der nationalsozialistischen Herrschaft. Das NSKK hatte zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen, ein umfassendes Programm von motorsportlichen Veranstaltungen zu etablieren, das sowohl propagandistische als auch praktische Ausbildungszwecke verfolgte. Diese Veranstaltungen dienten der Förderung des Kraftfahrwesens, der vormilitärischen Ausbildung und der ideologischen Indoktrination.
Die Plakette wurde von der renommierten Firma Mayer & Wilhelm aus Stuttgart hergestellt, einem bekannten Hersteller von Abzeichen, Orden und Ehrenzeichen. Das Unternehmen war in der Zeit zwischen den Weltkriegen und während des Nationalsozialismus einer der führenden Produzenten militärischer und ziviler Auszeichnungen in Süddeutschland. Die Fertigung aus Buntmetall mit emailliertem Zentrum entspricht den handwerklichen Standards dieser Zeit und zeugt von der Qualität deutscher Metallverarbeitung.
Mit ihren Maßen von 59 x 77 mm handelt es sich um eine substanzielle Plakette, die typischerweise nicht am Körper getragen, sondern als Erinnerungsstück aufbewahrt oder ausgestellt wurde. Solche nichttragbaren Plaketten wurden oft an Teilnehmer von sportlichen Veranstaltungen ausgegeben und dokumentieren die Teilnahme an spezifischen Ereignissen.
Die regionale Bezeichnung "Württemberg" verweist auf die territoriale Organisation des NSKK und DDAC, die in verschiedene Motorgruppen und Gaue unterteilt waren. Württemberg mit seiner Hauptstadt Stuttgart war ein wichtiges Zentrum der deutschen Automobilindustrie und des Motorsports. Firmen wie Daimler-Benz und Porsche hatten hier ihre Wurzeln, was die Region zu einem natürlichen Zentrum für kraftfahrtechnische Aktivitäten machte.
Solche Teilnehmerplaketten sind heute wichtige zeithistorische Dokumente, die Einblick in die Alltagskultur und die Freizeitgestaltung während der NS-Zeit geben. Sie zeigen, wie das Regime versuchte, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu durchdringen und für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Motorsportliche Veranstaltungen dienten dabei mehreren Zielen: der Förderung technischer Fähigkeiten, der Schaffung einer "Volksgemeinschaft" durch gemeinsame Aktivitäten und der Vorbereitung auf militärische Erfordernisse.
Aus sammlerischer und musealer Perspektive dokumentieren solche Objekte die Sozial- und Kulturgeschichte der 1930er Jahre. Sie sind Zeugnisse einer Zeit, in der Sport und Technik zunehmend politisiert und militarisiert wurden. Die Erhaltung und wissenschaftliche Dokumentation solcher Objekte ist wichtig für das historische Verständnis dieser Epoche.