Staat Vatikanstadt, Uniformesemble

Rock: Schwarzes Tuch, alle Knöpfe vorhanden, auf der Brust Schlaufen für 2 Bandspangen und ein Steckkreuz, Ärmelaufschläge und Paspelierung aus lila Samt. Maße: Schulterbreite ca. 38 cm, Armlänge-Außen ca. 65 cm, Gesamtlänge ca. 87 cm.
Mütze: Schwarzes Tuch, mit Lila Federn, innen mit braunem Schweißband, Größe ca. 56.
Hose: Schwarzes Tuch, alle Knöpfe vorhanden, an den Hosenbeinen jeweils eine lila Rosette aus Samt. Maße ca. Hosen-Bundumfang ca. 80 cm, Gesamtlänge ca. 83 cm. Die Hose hat ein paar Flickstellen, eine kleine Naht ist lose und an der rechten Gesäßtasche ist ein Loch.
Anbei 1 Paar weiße Handschuhe, 1 Paar Sporen für Stiefel. Ein Gürtel aus Samt mit Gehänge und Mühlstein Halskrause in weiß.
386312
450,00

Staat Vatikanstadt, Uniformesemble

Die vorliegende Uniform repräsentiert ein bemerkenswertes Zeugnis der militärischen und zeremoniellen Tradition des Vatikanstaates, dessen Streitkräfte und Zeremonialeinheiten eine jahrhundertelange Geschichte aufweisen. Die charakteristische Farbkombination aus schwarzem Tuch mit violetten Samtapplikationen deutet auf eine Uniform der niederen päpstlichen Garde oder einer zeremoniellen Einheit hin, die im Dienste des Heiligen Stuhls stand.

Der Vatikanstaat unterhielt über Jahrhunderte verschiedene militärische und paramilitärische Einheiten. Nach der Gründung des modernen Vatikanstaates durch die Lateranverträge von 1929 zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Italien wurden die militärischen Formationen grundlegend reorganisiert. Die bekannteste Einheit, die Schweizergarde, besteht seit 1506 und trägt ihre charakteristische Renaissance-Uniform in den päpstlichen Farben gelb, rot und blau. Neben der Schweizergarde existierten jedoch weitere Einheiten mit unterschiedlichen Aufgaben und entsprechend verschiedenen Uniformen.

Die violette Farbe in der vorliegenden Uniform ist von besonderer Bedeutung, da Violett traditionell eine päpstliche Farbe darstellt und von verschiedenen kirchlichen Würdenträgern und päpstlichen Dienern getragen wurde. Die Kombination aus schwarzem Grundstoff mit violetten Applikationen war charakteristisch für mehrere päpstliche Einheiten, darunter möglicherweise die Guardia Palatina d'Onore (Päpstliche Palastwache) oder ähnliche zeremonielle Formationen.

Der Rock zeigt die typischen Merkmale einer militärischen Zeremonialuniform des späten 19. oder frühen 20. Jahrhunderts. Die Schlaufen für Bandspangen und ein Steckkreuz auf der Brust weisen auf ein Rangabzeichen- und Auszeichnungssystem hin, das dem militärischen Standard der Epoche entsprach. Die Ärmelaufschläge und Paspelierung aus violettem Samt dienten nicht nur der Dekoration, sondern kennzeichneten auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Einheit oder einem bestimmten Rang innerhalb der päpstlichen Streitkräfte.

Die Kopfbedeckung mit violetten Federn unterstreicht den zeremoniellen Charakter der Uniform. Federbusche waren ein weit verbreitetes Element militärischer Kopfbedeckungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert und dienten der optischen Erhöhung der Träger bei Paraden und Zeremonien. Das braune Schweißband im Inneren ist ein typisches Detail von Uniformmützen dieser Epoche.

Die Hose mit violetten Samtrosetten an den Hosenbeinen folgt der militärischen Modetradition der Zeit, wo solche dekorativen Elemente häufig an Kavallerieuniformen zu finden waren. Die vorhandenen Flickstellen und Gebrauchsspuren deuten darauf hin, dass diese Uniform tatsächlich getragen wurde und nicht nur als Zeremonialstück diente.

Das Zubehör vervollständigt das Ensemble: Die weißen Handschuhe waren obligatorischer Bestandteil bei allen zeremoniellen Anlässen. Die Sporen für Stiefel lassen auf eine berittene Einheit oder zumindest auf zeremonielle Reiterpflichten schließen. Der Samtgürtel mit Gehänge diente zur Befestigung des Zeremonialsäbels, der bei solchen Uniformen üblicherweise getragen wurde. Die weiße Halskrause, hier als “Mühlstein-Halskrause” bezeichnet, ist ein historisches Element, das an die Uniformtraditionen früherer Jahrhunderte anknüpft.

Nach der Auflösung verschiedener päpstlicher Militäreinheiten in den 1970er Jahren durch Papst Paul VI. blieben nur die Schweizergarde und die neu formierte Gendarmerie des Vatikanstaates (heute Gendarmeria Vaticana) bestehen. Die Palastwache und andere zeremonielle Einheiten wurden aufgelöst, was Uniformen wie die vorliegende zu historischen Zeugnissen einer vergangenen Epoche macht.

Diese Uniform dokumentiert die komplexe militärische und zeremonielle Organisation des Vatikanstaates und die Bedeutung, die der äußeren Repräsentation und dem protokollarischen Zeremoniell am päpstlichen Hof beigemessen wurde. Sie steht exemplarisch für die Verbindung von kirchlicher Tradition und militärischer Disziplin, die die päpstlichen Streitkräfte über Jahrhunderte charakterisierte.

r