III. Reich Luftschutz (LS) Gasschutzanzug 38

Aus Gummi, alle Druckknöpfe sind vorhanden. Innen ist die Jacke mit Markierung "Hohendahl Essen Nr. 0118 11, 1938, Gr.2". Hose ist Innen mit Herstellermarkierung "Continental Hannover Kenn No. RL 1-37/9, Vertrieb gemäß §8 Luftschutzgesetz genehmigt". Die Jacke und die Hose haben die Größe 2. Anbei der Kleiderbügel, mit Stempel "E. T. Peschel Berlin 36, RL 1-37 gemäss § 8 Luftschutzgesetz genehmigt, L S". Zustand 2.

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III. Reich Luftschutz (LS) Gasschutzanzug 38

Historischer Kontext: Der Luftschutz-Gasschutzanzug 38 des Dritten Reiches

Der Gasschutzanzug 38 (oft als LS-Gasschutzanzug bezeichnet) repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der deutschen Zivilschutzgeschichte während des Nationalsozialismus. Diese Schutzausrüstung wurde im Kontext des Luftschutzgesetzes entwickelt und produziert, das die zivile Bevölkerung vor den erwarteten Gefahren eines modernen Luftkrieges schützen sollte.

Das Luftschutzgesetz und seine Bedeutung

Das Reichsluftschutzgesetz vom 26. Juni 1935 bildete die rechtliche Grundlage für alle Luftschutzmaßnahmen im Deutschen Reich. Paragraph 8 dieses Gesetzes regelte spezifisch die Herstellung und den Vertrieb von Luftschutzgeräten. Nur offiziell genehmigte Hersteller durften Schutzausrüstung produzieren und vertreiben, was durch entsprechende Kennzeichnungen auf den Produkten dokumentiert wurde. Diese strenge Regulierung sollte die Qualität und Funktionsfähigkeit der lebensrettenden Ausrüstung garantieren.

Technische Entwicklung und Produktion

Der Gasschutzanzug 38 wurde aus gummiertem Material gefertigt, das undurchlässig für chemische Kampfstoffe sein sollte. Die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, in dem Gaskampfstoffe erstmals in großem Umfang eingesetzt wurden, prägten die Entwicklung solcher Schutzsysteme maßgeblich. Die deutsche Führung rechnete fest damit, dass im kommenden Konflikt erneut chemische Waffen zum Einsatz kommen würden - sowohl an der Front als auch gegen die Zivilbevölkerung durch Luftangriffe.

Mehrere bedeutende deutsche Industrieunternehmen waren an der Produktion beteiligt. Continental Hannover, bekannt für Gummiprodukte, und Hohendahl Essen gehörten zu den Hauptherstellern. Die Kennzeichnung RL 1-37 bezieht sich auf die Reichsluftfahrtministerium-Listenführung und die spezifische Typenbezeichnung innerhalb des Beschaffungssystems.

Aufbau und Verwendung

Der Schutzanzug bestand typischerweise aus einer Jacke und einer Hose, die durch ein System von Druckknöpfen verbunden wurden. Diese Konstruktion sollte einen möglichst gasdichten Abschluss gewährleisten. Die verschiedenen Größen (in diesem Fall Größe 2) ermöglichten eine bessere Anpassung an unterschiedliche Träger. Der Anzug wurde zusammen mit einer Gasmaske getragen und bot theoretisch Schutz gegen flüssige und gasförmige Kampfstoffe.

Die Lagerung auf speziellen Kleiderbügeln, die ebenfalls der Genehmigungspflicht unterlagen, sollte das empfindliche Gummimaterial schonen und die Einsatzbereitschaft gewährleisten. Hersteller wie E. T. Peschel Berlin spezialisierten sich auf solches Zubehör.

Der zivile Luftschutz im Dritten Reich

Ab Mitte der 1930er Jahre wurde der Reichsluftschutzbund (RLB) massiv ausgebaut. Millionen deutscher Zivilisten erhielten Schulungen in Luftschutzmaßnahmen. Die Verteilung von Gasschutzausrüstung an bestimmte Bevölkerungsgruppen - insbesondere Luftschutzwarte, Feuerwehren und andere Einsatzkräfte - hatte hohe Priorität. Private Zivilisten konnten solche Ausrüstung ebenfalls erwerben, allerdings waren die Kosten erheblich.

Die Produktion erreichte ihren Höhepunkt in den Jahren 1938-1939, als das Deutsche Reich sich intensiv auf den kommenden Krieg vorbereitete. Das Produktionsjahr 1938 auf dem beschriebenen Objekt fällt genau in diese Phase verstärkter Aufrüstung.

Historische Realität und Kriegseinsatz

Paradoxerweise wurden chemische Waffen im Zweiten Weltkrieg in Europa - trotz umfangreicher Vorbereitungen auf allen Seiten - nicht in großem Umfang eingesetzt. Die gegenseitige Abschreckung und die Furcht vor Vergeltung verhinderten den befürchteten Gaskrieg. Dennoch blieben Gasschutzausrüstungen während des gesamten Krieges Teil der Standardausrüstung, und die Bevölkerung musste ihre Gasmasken stets griffbereit halten.

Materialerhaltung und Zustandsbewertung

Gummiprodukte aus dieser Zeit sind heute oft stark gealtert. Das Material wird spröde, klebrig oder zersetzt sich. Ein Zustand 2 bei einem über 80 Jahre alten Gummiprodukt deutet auf eine bemerkenswert gute Erhaltung hin, möglicherweise durch sachgerechte Lagerung unter kühlen, trockenen Bedingungen. Die Vollständigkeit aller Druckknöpfe und die Lesbarkeit der Herstellermarkierungen sind weitere Qualitätsmerkmale.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Solche Objekte sind heute wichtige Zeitdokumente. Sie illustrieren die allgegenwärtige Kriegsvorbereitung der deutschen Gesellschaft vor 1939 und die technischen Bemühungen zum Schutz der Zivilbevölkerung. Für Militärhistoriker und Sammler bieten die detaillierten Herstellermarkierungen wertvolle Informationen über die industrielle Produktion und die bürokratischen Strukturen des NS-Regimes. Die erhaltenen Stempel und Kennzeichnungen dokumentieren das komplexe System staatlicher Kontrolle und Genehmigungsverfahren, das charakteristisch für die nationalsozialistische Verwaltung war.

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