Orden "Azad Hind" der Provisorischen Regierung Freies Indien 1942 - 1945
Der Azad Hind-Orden (übersetzt: “Orden des Freien Indien”) stellt eines der faszinierendsten und historisch komplexesten Kapitel der Auszeichnungen des Zweiten Weltkriegs dar. Diese Dekoration wurde von der Provisorischen Regierung des Freien Indien (Arzi Hukumat-e-Azad Hind) unter der Führung von Subhas Chandra Bose zwischen 1943 und 1945 gestiftet.
Historischer Hintergrund: Subhas Chandra Bose, ein prominenter indischer Nationalist und ehemaliger Präsident des Indischen Nationalkongresses, floh 1941 aus britischer Internierung und gelangte über Afghanistan und die Sowjetunion nach Deutschland. In Berlin arbeitete er mit den Achsenmächten zusammen, um die britische Herrschaft in Indien zu bekämpfen. Am 21. Oktober 1943 proklamierte Bose in Singapur die Provisorische Regierung des Freien Indien und übernahm gleichzeitig das Oberkommando über die Indische Nationalarmee (Indian National Army, INA), die hauptsächlich aus indischen Kriegsgefangenen und Überläufern bestand.
Der Azad Hind-Orden wurde in mehreren Klassen gestiftet, nach dem Vorbild europäischer Ordensysteme. Die 3. Klasse, bekannt als Vir-e-Hind (Held von Indien), war für bedeutende militärische und zivile Verdienste vorgesehen. Das hierarchische System umfasste höhere Klassen wie den Sardar-e-Jang (Kriegsführer) und den Vir-e-Hind der 1. und 2. Klasse.
Herstellung und Design: Die Auszeichnungen wurden von der renommierten Wiener Firma Rudolf Souval hergestellt, einem der bekanntesten Hersteller militärischer Orden und Ehrenzeichen während der NS-Zeit. Die Werkstatt in Wien VII produzierte zahlreiche deutsche und verbündete Auszeichnungen in höchster handwerklicher Qualität. Das Design des Sterns zeigt typischerweise einen mehrspitzigen Stern mit vergoldetem Zentrum, das häufig den springenden Tiger der INA oder nationale indische Symbole darstellte. Die Kombination aus versilbertem Korpus und vergoldetem Zentrum war charakteristisch für diese Ordensklasse.
Die Indische Nationalarmee: Die INA, unter Boses Führung als “Netaji” (verehrter Führer) bekannt, umfasste auf ihrem Höhepunkt etwa 43.000 Soldaten. Sie kämpfte an der Seite der japanischen Streitkräfte in Burma und nahm an der Imphal-Operation (1944) teil, einem gescheiterten Versuch, nach Indien einzudringen. Die Armee bestand aus drei Brigaden und umfasste auch das berühmte Rani of Jhansi Regiment, eine Fraueneinheit unter Führung von Captain Lakshmi Sahgal.
Verleihungspraxis: Die Azad Hind-Orden wurden an Offiziere und Soldaten der INA sowie an zivile Unterstützer der Bewegung verliehen. Die Verleihungen erfolgten in feierlichen Zeremonien, oft in Anwesenheit von Bose selbst. Die Auszeichnungen sollten die Legitimität der provisorischen Regierung unterstreichen und den Kampfgeist der Truppen stärken. Aufgrund der kurzen Existenz der Regierung und der militärischen Niederlagen ab 1944 wurden insgesamt relativ wenige Exemplare verliehen.
Historische Bedeutung: Der Azad Hind-Orden bleibt ein kontroverses historisches Artefakt. In Indien wird Subhas Chandra Bose weithin als Freiheitskämpfer verehrt, während seine Zusammenarbeit mit den Achsenmächten international kritisch betrachtet wird. Die Auszeichnungen dokumentieren einen wenig bekannten Aspekt des Zweiten Weltkriegs im asiatisch-pazifischen Raum und die komplexen politischen Allianzen jener Zeit.
Nach der japanischen Kapitulation im August 1945 wurde die Provisorische Regierung aufgelöst. Bose kam vermutlich am 18. August 1945 bei einem Flugzeugabsturz in Taiwan ums Leben, obwohl die genauen Umstände bis heute Gegenstand von Spekulationen bleiben. Die überlebenden INA-Soldaten wurden von den Briten gefangen genommen, und die berühmten Red Fort Trials in Delhi 1945-46 machten die INA-Offiziere zu Volkshelden und trugen zur indischen Unabhängigkeitsbewegung bei.
Sammlerwert und Authentizität: Originale Azad Hind-Orden mit Herstellermarkierung von Rudolf Souval sind heute seltene und gesuchte Sammlerstücke. Die Markierung auf der Rückseite bestätigt die Authentizität und Herkunft. Exemplare im Originaletui mit Pappkarton sind besonders wertvoll, da viele Verleihungsetuis im Laufe der Jahrzehnte verloren gingen.