Preußen Tellermütze für Mannschaften der Landgendarmerie, Leib-Gendarmerie und Stabsordonanzen

Eigentumsstück um 1900. Flache Tellermütze, dunkelgrünes Tuch mit hellblauem Besatzstreifen und roten Vorstößen, beide Kokarden in großer Ausführung. Innen mit braunem Lederschweißband braunem Futter, der Hersteller im Futter nur noch schwach lesbar "H. Deubler ...". Größe ca. 52. Wenige, kleine Mottenlöcher, Zustand 2-.
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420,00

Preußen Tellermütze für Mannschaften der Landgendarmerie, Leib-Gendarmerie und Stabsordonanzen

Die preußische Tellermütze für Mannschaften der Landgendarmerie, Leib-Gendarmerie und Stabsordonanzen stellt ein bemerkenswertes Beispiel der militärischen Kopfbedeckungen des Deutschen Kaiserreichs um 1900 dar. Diese spezielle Uniformmütze verkörpert nicht nur die sorgfältige Distinktion verschiedener militärischer Funktionen innerhalb der preußischen Armee, sondern auch die hohe handwerkliche Qualität der damaligen Uniformherstellung.

Die Tellermütze, auch als Schirmmütze bekannt, entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zur standardmäßigen Kopfbedeckung für verschiedene militärische Einheiten. Im Gegensatz zur Pickelhaube, die als Paradekopfbedeckung diente, war die Tellermütze für den täglichen Dienst und repräsentative Anlässe außerhalb des Paradebetriebs vorgesehen. Die flache Form dieser Mütze war charakteristisch für die Zeit um 1900 und unterschied sich deutlich von den höheren Formen späterer Epochen.

Die Landgendarmerie bildete eine wichtige Institution im preußischen Staat. Diese militärisch organisierte Polizeitruppe war für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in ländlichen Gebieten zuständig. Die Gendarmen unterstanden dem Kriegsministerium und waren überwiegend erfahrene Unteroffiziere, die nach ihrer aktiven Dienstzeit in diese Funktion übernommen wurden. Sie genossen hohes Ansehen und repräsentierten die staatliche Autorität in den Provinzen.

Die Leib-Gendarmerie hingegen stellte eine Eliteeinheit dar, die direkt dem königlichen Hof zugeordnet war. Ihre Aufgaben umfassten den Schutz der königlichen Familie und die Aufrechterhaltung der Ordnung im unmittelbaren Umfeld der Residenzen. Die Angehörigen dieser Einheit wurden besonders sorgfältig ausgewählt und trugen Uniformen, die ihre privilegierte Stellung zum Ausdruck brachten.

Die Stabsordonanzen dienten als Kuriere und Verbindungsoffiziere in militärischen Stäben. Sie waren für die schnelle und zuverlässige Übermittlung von Befehlen und Nachrichten verantwortlich und mussten daher sowohl reiterlich als auch in der militärischen Etikette hervorragend ausgebildet sein.

Die Farbgebung dieser Tellermütze ist von besonderer Bedeutung: Das dunkelgrüne Tuch war charakteristisch für gendarmeristische Einheiten und unterschied sie deutlich von der preußischen Infanterie mit ihrem dunkelblauen Tuch. Der hellblaue Besatzstreifen und die roten Vorstöße dienten der weiteren Differenzierung und entsprachen den genauen Vorschriften der preußischen Uniformordnung. Diese Farbkombinationen waren nicht willkürlich gewählt, sondern folgten einem komplexen System von Waffengattungs- und Funktionsfarben, das im gesamten preußischen Heer Anwendung fand.

Die beiden Kokarden in großer Ausführung repräsentierten die doppelte Loyalität der preußischen Soldaten: Die schwarz-weiße Kokarde stand für das Königreich Preußen, während die schwarz-weiß-rote Kokarde das Deutsche Kaiserreich symbolisierte. Diese Doppelkokarde wurde nach der Reichsgründung 1871 zur Standardausstattung und zeigte die föderale Struktur des Deutschen Reiches, in dem Preußen die dominierende Macht darstellte.

Der Hersteller H. Deubler gehörte zu den zahlreichen Militäreffektenfabrikanten, die um 1900 in Deutschland tätig waren. Die Herstellung von Uniformen und Ausrüstungsgegenständen war ein bedeutender Wirtschaftszweig, und die Qualität der Produkte wurde streng überwacht. Die Verwendung von braunem Leder für das Schweißband und braunem Futter entsprach den zeitgenössischen Standards und gewährleistete Tragekomfort und Haltbarkeit.

Die Größenangabe von etwa 52 entspricht den damaligen Kopfweiten und zeigt, dass diese Mütze für einen durchschnittlich großen Mann gefertigt wurde. Die handwerkliche Verarbeitung dieser Zeit war außerordentlich hochwertig, was erklärt, warum viele dieser Objekte über ein Jahrhundert überdauert haben.

Die Zeit um 1900 markierte den Höhepunkt des wilhelminischen Militarismus. Kaiser Wilhelm II. legte großen Wert auf prachtvolle Uniformen und militärisches Zeremoniell. Die preußische Armee galt als eine der modernsten und diszipliniertesten Streitkräfte der Welt, und ihre Uniformen waren Ausdruck von Ordnung, Hierarchie und nationaler Identität.

Solche Tellermützen wurden gemäß den Bekleidungsvorschriften ausgegeben und waren Teil der persönlichen Ausrüstung des Soldaten. Sie mussten in einwandfreiem Zustand gehalten werden, da Unordnung in der Uniform streng geahndet wurde. Die Mütze war nicht nur funktionaler Schutz, sondern auch Symbol der militärischen Disziplin und Zugehörigkeit.

Heute sind solche Objekte wichtige Zeugnisse einer vergangenen Epoche. Sie dokumentieren nicht nur militärhistorische Entwicklungen, sondern auch handwerkliche Traditionen, textile Techniken und die soziale Bedeutung von Uniformen in der Gesellschaft des Kaiserreichs. Das vorliegende Exemplar mit seiner charakteristischen Farbgebung und den beiden Kokarden ist ein authentisches Zeitzeugnis aus der Ära vor dem Ersten Weltkrieg, jener Zeit, in der das Deutsche Kaiserreich auf dem Höhepunkt seiner Macht stand.

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