Der Deutsche Orden zählt zu den seltensten und bedeutsamsten Auszeichnungen des nationalsozialistischen Deutschlands. Als höchste Auszeichnung der NSDAP von Adolf Hitler persönlich gestiftet, stellte er das Äquivalent eines Hausordens dar, den Hitler als sein persönlichstes Dekorationsinstrument betrachtete. Die Geschichte dieses Ordens ist untrennbar mit der Ideologie des Regimes, seinen symbolischen Rückgriffen auf das mittelalterliche Rittertum und der bemerkenswerten Tatsache verknüpft, dass die überwältigende Mehrheit seiner Träger den Orden posthum erhielt.
Stiftung und Konzeption
Der Deutsche Orden wurde am 6. November 1936 von Adolf Hitler als höchste Auszeichnung der Partei ins Leben gerufen, wobei die erste tatsächliche Verleihung erst am 12. Februar 1942 erfolgte. Die Gestaltung übernahm Benno von Arent, und als alleiniger Hersteller fungierte die Firma Wilhelm Deumer in Lüdenscheid. Bemerkenswert ist, dass der Orden niemals offiziell mit formalen Statuten promulgiert wurde. Hitler nutzte die posthume Verleihung an Fritz Todt, um den Orden ohne formelle Zeremonie einzuführen.
Die symbolische Inspiration des Ordens speiste sich aus dem mittelalterlichen Deutschen Orden (Ordo Teutonicus), jenem Ritterorden, der im kollektiven Gedächtnis für germanisches Rittertum und östliche Eroberungen stand. Diese bewusste historische Anknüpfung sollte dem Orden eine Aura jahrhundertealter Tradition verleihen und ihn über die gewöhnlichen Parteiauszeichnungen hinausheben.
Physische Beschreibung und Ausführung
Das vorliegende Stück ist ein Halskreuz (Halsorden) aus Bronze, feuervergoldet, mit einer Gesamtgröße von 96 × 48 mm einschließlich Bandring. Das Kreuz ist beidseitig fein emailliert in schwarzem opakem Email. Im Zentrum der Vorderseite befindet sich das Goldene Ehrenzeichen der NSDAP, auf der Rückseite die Faksimile-Unterschrift “Adolf Hitler”. In den Winkeln zwischen den Kreuzarmen sind vier Adler mit halbgefalteten Schwingen angebracht, die Eichenlaubkränze mit Hakenkreuzen in ihren Fängen halten. Auf den Kreuzarmen ist beidseitig ein aufgelegtes Eichenlaubband zu sehen.
Die Aufhängung der 1. Klasse mit Schwertern unterscheidet sich von den übrigen Klassen durch den Hoheitsadler über dem Lorbeerkranz mit gekreuzten Schwertern. Das Ordensband weist eine Breite von 45 mm auf und folgt dem Muster des Blutordens: schwarzer Randstreifen von 2 mm, weißer Streifen von 2 mm und ein ziegelrotes Mittelfeld von 37 mm. Das originale Verleihungsetui besteht aus rotem Leder mit cremefarbenem Seidenfutter und heller Samteinlage.
Verleihungskriterien und Klasseneinteilung
Der Deutsche Orden war für “Verdienste höchster Ordnung um Staat und Partei” vorgesehen. Hitler betrachtete ihn als seine persönliche Dekoration, die nur jenen zuteilwerden sollte, deren Verdienste um Staat, Partei und Volk er für würdig erachtete. Der Zusatz “mit Schwertern” kennzeichnete dabei militärischen Kriegsdienst oder den Tod im Dienst.
Ursprünglich war der Orden in mehreren Klassen geplant: die 1. Klasse (Goldenes Kreuz mit Lorbeerkranz und Schwertern) als Halsorden, die 2. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern, die 2. Klasse als Halsorden sowie die 3. Klasse als Steckdekoration. Hitler erklärte den Orden als über allen deutschen Auszeichnungen stehend.
Die Träger der 1. Klasse mit Schwertern
Die 1. Klasse mit Schwertern wurde in der gesamten Zeit des Dritten Reiches nur zweimal verliehen, beide Male posthum:
Dr. Fritz Todt, Reichsminister für Bewaffnung und Munition sowie Erbauer der Autobahnen und Begründer der Organisation Todt, erhielt den Orden am 12. Februar 1942 posthum. Todt war am 8. Februar 1942 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Hitler verlieh ihm den Orden bei der Staatstrauerfeier im Mosaiksaal der Neuen Reichskanzlei, wo er ihn auf Todts Trauerkissen legte. Diese Verleihung markierte zugleich die erste Verleihung des Deutschen Ordens überhaupt.
SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, Stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren sowie Chef des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA), erhielt den Orden am 9. Juni 1942 posthum. Heydrich war am 27. Mai 1942 im Rahmen der Operation Anthropoid einem Attentat zum Opfer gefallen und am 4. Juni 1942 seinen Verletzungen erlegen.
Weitere Träger des Deutschen Ordens
Insgesamt wurden elf Personen mit dem Deutschen Orden in verschiedenen Klassen ausgezeichnet. Neben Todt und Heydrich zählen zu den Trägern: Adolf Hühnlein (22. Juni 1942, posthum), Viktor Lutze (7. Mai 1943, posthum), Adolf Wagner (17. April 1944, posthum), Josef Bürckel (3. Oktober 1944, posthum), Rudolf Schmundt (7. Oktober 1944, posthum), Konstantin Hierl (24. Februar 1945), Karl Hanke, Karl Holz und Artur Axmann (4. Januar 1944). Von den elf Trägern überlebten lediglich Konstantin Hierl und Artur Axmann den Krieg. Diese erschreckende Bilanz brachte dem Orden den zynischen Beinamen “Toter-Helden-Orden” ein. Planungen bestanden zudem, den Orden an Heinrich Himmler und Karl Dönitz zu verleihen, doch die Kapitulation Deutschlands kam der Verleihung zuvor.
Ein Brief von Martin Bormann vom 3. Mai 1944 belegt, dass auf schriftliche Anordnung Hitlers 20 Stück jeder Klasse hergestellt werden sollten.
Nachkriegsgeschichte und Bedeutung für Sammler
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Herstellung, öffentliches Tragen und Verbreitung des Deutschen Ordens in der Bundesrepublik Deutschland verboten. Der Orden gilt als eine der seltensten und historisch bedeutsamsten Auszeichnungen des NS-Regimes – nach dem Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft wird er als die zweitseltenste Auszeichnung des nationalsozialistischen Deutschlands betrachtet.
Die extreme Seltenheit der 1. Klasse mit Schwertern – lediglich zwei Verleihungen, beide an Personen, die 1942 verstarben – macht jedes erhaltene Exemplar zu einem außerordentlichen historischen Dokument. Der Umstand, dass dieses Stück im originalen Verleihungsetui erhalten ist, unterstreicht seine herausragende Bedeutung für die Militariaforschung und für spezialisierte Sammlungen.