Knötel Uniformtafel "Unterstab" 1761,

Zustand 2.
456515
15,00

Knötel Uniformtafel "Unterstab" 1761,

Die Knötel Uniformtafel aus dem Jahr 1761, die den “Unterstab” darstellt, gehört zu einem der bedeutendsten Projekte der militärhistorischen Illustration. Diese Uniformtafeln stammen aus dem monumentalen Werk des preußischen Künstlers Richard Knötel (1857-1914) und seiner Nachfolger, die über mehrere Generationen hinweg ein umfassendes visuelles Archiv europäischer Militäruniformen schufen.

Das Jahr 1761 markiert einen entscheidenden Zeitpunkt während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763), in dem Preußen unter Friedrich dem Großen gegen eine Koalition europäischer Mächte kämpfte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die preußische Armee bereits mehrere schwere Schlachten hinter sich, darunter die Schlacht bei Kunersdorf (1759) und die Schlacht bei Torgau (1760). Die Darstellung des Unterstabs aus diesem Jahr dokumentiert somit einen kritischen Moment in der preußischen Militärgeschichte.

Der Begriff “Unterstab” bezeichnet in der militärischen Hierarchie des 18. Jahrhunderts die rangniedrigeren Stabsoffiziere und Unteroffiziere, die für die praktische Umsetzung militärischer Befehle und die Organisation der Truppen verantwortlich waren. Diese Personen bildeten das Rückgrat der militärischen Verwaltung und waren unverzichtbar für die Aufrechterhaltung von Disziplin und Ordnung. Zu dieser Kategorie gehörten typischerweise Feldwebel, Wachtmeister, Fourier (Quartiermeister) und ähnliche Ränge, die zwischen den einfachen Soldaten und den Offizieren vermittelten.

Die Knötel-Sammlung entstand aus dem wissenschaftlichen Bestreben, die militärische Bekleidungsgeschichte präzise zu dokumentieren. Richard Knötel begann seine Arbeit in den 1870er Jahren und stützte sich dabei auf umfangreiche Archivstudien, zeitgenössische Quellen, erhaltene Uniformstücke und historische Dokumente. Seine Tafeln zeichnen sich durch außergewöhnliche Detailgenauigkeit aus und sind bis heute eine unverzichtbare Referenz für Militärhistoriker, Museen und Sammler.

Die Uniformen des preußischen Unterstabs im Jahr 1761 spiegelten die strenge Hierarchie und Ordnung wider, die Friedrich der Große in seiner Armee etabliert hatte. Die preußische Armee war bekannt für ihre Disziplin, ihr Drill-System und ihre charakteristische Uniformierung. Die Unterstabsoffiziere trugen üblicherweise modifizierte Versionen der Regimentsuniformen, ergänzt durch spezifische Rangabzeichen wie Portepees (Degenquasten), Stöcke oder besondere Tressen und Litzen.

Die Bedeutung solcher Uniformtafeln geht weit über die reine ästhetische Darstellung hinaus. Sie dienten als Ausbildungsmaterial, als Referenz für Schneider und Ausrüster und als Mittel zur Standardisierung der militärischen Erscheinung. Im 18. Jahrhundert war die Uniform nicht nur praktische Bekleidung, sondern auch Ausdruck nationaler Identität und militärischer Tradition. Die farbliche Gestaltung, die Anordnung der Knöpfe, die Form der Aufschläge – all diese Details waren durch königliche Kabinettsordres und Reglementsbestimmungen genau festgelegt.

Der Zustand 2 dieser Tafel deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, das möglicherweise Gebrauchsspuren aufweist, aber die wesentlichen Details noch klar erkennbar zeigt. Originale Knötel-Tafeln sind heute begehrte Sammlerstücke, da viele während der Kriegswirren des 20. Jahrhunderts verloren gingen oder beschädigt wurden.

Die Knötel-Familie widmete sich über drei Generationen dieser Arbeit: Nach Richard Knötel setzten sein Sohn Herbert Knötel (1893-1963) und später Herbert Knötel der Jüngere das Werk fort. Gemeinsam schufen sie Tausende von Uniformtafeln, die von der Antike bis ins 20. Jahrhundert reichen. Ihr Werk wurde in verschiedenen Publikationen veröffentlicht, darunter die berühmte Serie “Uniformenkunde”.

Für moderne Sammler und Historiker bieten diese Tafeln unschätzbare Einblicke in die materielle Kultur vergangener Epochen. Sie ermöglichen die Rekonstruktion historischer Uniformen für museale Zwecke, dienen als Grundlage für Reenactment-Gruppen und unterstützen die wissenschaftliche Forschung zur Militärgeschichte. Die präzise Darstellung von Details wie Knopfanordnung, Farbgebung und Ausrüstungsgegenständen macht die Knötel-Tafeln zu primären visuellen Quellen.

Diese spezielle Tafel zum Unterstab von 1761 dokumentiert somit nicht nur militärische Mode, sondern auch die soziale Struktur, administrative Organisation und kulturelle Bedeutung der preußischen Armee während eines ihrer wichtigsten Konflikte. Sie steht exemplarisch für das Bestreben des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die militärische Vergangenheit wissenschaftlich zu erfassen und für zukünftige Generationen zu bewahren.