Reichsnährstand Landesbauernschaft Weser-Ems - große nichttragbare Auszeichnungsmedaille in Silber für Tierzucht

, Feinzink, Durchmesser 60 mm, rückseitig graviert " Schweineschau Oldenburger Schweinezucht Gesellschaft e.V. 12.4.1939 ", komplett im schwarzen Verleihungsetui, Zustand 2.
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Reichsnährstand Landesbauernschaft Weser-Ems - große nichttragbare Auszeichnungsmedaille in Silber für Tierzucht

Die vorliegende Auszeichnungsmedaille des Reichsnährstands Landesbauernschaft Weser-Ems repräsentiert ein wichtiges Kapitel der nationalsozialistischen Agrarpolitik und deren Bemühungen zur Förderung der Tierzucht im Deutschen Reich. Diese große, nicht tragbare Medaille aus Feinzink mit einem Durchmesser von 60 mm dokumentiert die systematische Organisation und Kontrolle der Landwirtschaft während der NS-Zeit.

Der Reichsnährstand wurde am 13. September 1933 durch das Reichsnährstandsgesetz gegründet und stellte die zentrale Organisation der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft dar. Unter der Leitung von Richard Walther Darré, der gleichzeitig Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft war, umfasste diese Organisation alle Bereiche der Agrarproduktion vom Erzeuger bis zum Verbraucher. Die Gliederung erfolgte territorial in Landesbauernschaften, wobei die Landesbauernschaft Weser-Ems die Gebiete Oldenburg, Ostfriesland und angrenzende Regionen im Nordwesten Deutschlands umfasste.

Die Blut-und-Boden-Ideologie des Nationalsozialismus verlieh der Landwirtschaft und dem Bauernstand eine besondere ideologische Bedeutung. Der Bauer wurde als Ernährer des Volkes und Träger vermeintlich “rassischer Reinheit” glorifiziert. In diesem Kontext spielte die Tierzucht eine zentrale Rolle, da sie nicht nur der Ernährungssicherung diente, sondern auch als Parallele zur menschlichen “Rassezucht” instrumentalisiert wurde.

Die Schweinezucht hatte in Norddeutschland, besonders im Oldenburger Land, eine lange Tradition. Die Oldenburger Schweinezucht Gesellschaft e.V. war bereits vor der NS-Zeit etabliert und wurde nach 1933 in die Strukturen des Reichsnährstands eingegliedert. Schweineschauen und Zuchtausstellungen dienten der Qualitätskontrolle, der Auswahl von Zuchttieren und der Förderung züchterischer Verbesserungen. Die Veranstaltung vom 12. April 1939, für die diese Medaille verliehen wurde, fand in einer Zeit stattfand, als das Deutsche Reich bereits intensiv auf den kommenden Krieg vorbereitete und die Sicherstellung der Ernährung höchste Priorität genoss.

Solche Auszeichnungsmedaillen wurden an erfolgreiche Züchter vergeben, die durch ihre Arbeit zur Verbesserung der Tierbestände beitrugen. Sie dienten gleichzeitig als Anreiz- und Kontrollsystem innerhalb der straff organisierten landwirtschaftlichen Produktion. Die Verwendung von Feinzink als Material war typisch für die Zeit, da wertvollere Metalle wie Silber zunehmend für Rüstungszwecke benötigt wurden, obwohl die Bezeichnung “in Silber” den Rang der Auszeichnung beschreibt.

Das schwarze Verleihungsetui unterstreicht den offiziellen Charakter dieser Auszeichnung. Die Präsentation in einem speziellen Etui war üblich für staatliche und quasi-staatliche Ehrungen und sollte die Bedeutung der Leistung würdigen. Die rückseitige Gravur mit dem spezifischen Anlass und Datum macht jede dieser Medaillen zu einem einzigartigen historischen Dokument.

Die nichttragbare Ausführung unterscheidet diese Medaille von militärischen oder zivilen Orden, die am Körper getragen wurden. Stattdessen handelt es sich um ein Schaustück für das Heim oder den Betrieb des Züchters, das dessen Erfolge dokumentierte und zur Schau stellte. Der große Durchmesser von 60 mm ermöglichte detaillierte Prägungen und verlieh der Auszeichnung ein imposantes Erscheinungsbild.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Reichsnährstand wie alle NS-Organisationen aufgelöst. Viele dieser Auszeichnungen wurden vernichtet oder versteckt, da sie Symbole des untergegangenen Regimes darstellten. Heute sind sie historische Quellen, die Einblick in die Alltagsrealität der NS-Diktatur geben und zeigen, wie das Regime selbst scheinbar unpolitische Bereiche wie die Tierzucht für seine Zwecke instrumentalisierte und kontrollierte.

Die Erhaltung solcher Objekte in ihrem Originalzustand mit Etui ist von historischem Wert, da sie authentische Zeugnisse einer Zeit darstellen, in der Landwirtschaft und Züchtung in ein totalitäres System eingebunden waren. Sie erinnern an die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die NS-Ideologie und deren Kontrollmechanismen.