Reichsverband für Zucht und Prüfung Deutschen Warmbluts - 1905 - 1930 kleine goldene Plakette für 25 Jahre .

Durchmesser 55 mm, Stempelschneider "Willibald Fritsch". Im Etui, mit Markierung des Herstellers "E. Ferd Wiedmann Metallwarenfabrik Frankfurt a.M.-Süd". Zustand 2.
283017
180,00

Reichsverband für Zucht und Prüfung Deutschen Warmbluts - 1905 - 1930 kleine goldene Plakette für 25 Jahre .

Die kleine goldene Plakette des Reichsverbandes für Zucht und Prüfung Deutschen Warmbluts für 25-jährige Mitgliedschaft stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Pferdezuchtgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts dar. Diese Auszeichnung, geschaffen vom renommierten Stempelschneider Willibald Fritsch und hergestellt von der E. Ferd. Wiedmann Metallwarenfabrik in Frankfurt am Main-Süd, verkörpert die hohe Wertschätzung, die der organisierten Warmblutpferdezucht im Deutschen Reich entgegengebracht wurde.

Der Reichsverband für Zucht und Prüfung Deutschen Warmbluts wurde 1905 gegründet und entwickelte sich rasch zur zentralen Organisation für die Koordinierung und Standardisierung der deutschen Warmblutpferdezucht. In einer Zeit, in der Pferde noch unverzichtbar für militärische Zwecke, Landwirtschaft und Transport waren, kam dieser Organisation eine strategische Bedeutung zu. Die systematische Zucht und Prüfung von Warmblutpferden war nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine militärische Notwendigkeit für das Deutsche Reich.

Die Periode zwischen 1905 und 1930, die durch diese Plakette repräsentiert wird, umfasst eine der dramatischsten Epochen der deutschen Geschichte. Die Organisation erlebte die letzten Jahre des Kaiserreichs, den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik und die beginnende wirtschaftliche Krise. Während dieser gesamten Zeit behielt die Pferdezucht ihre zentrale Bedeutung, auch wenn sich die Rahmenbedingungen grundlegend wandelten.

Willibald Fritsch, der Schöpfer dieser Plakette, war ein bedeutender deutscher Medailleur und Stempelschneider seiner Zeit. Seine Arbeiten zeichnen sich durch präzise Ausführung und künstlerische Qualität aus. Die Tatsache, dass der Reichsverband einen so renommierten Künstler mit der Gestaltung der Jubiläumsplakette beauftragte, unterstreicht die Wichtigkeit, die dieser Auszeichnung beigemessen wurde.

Die Herstellerfirma E. Ferd. Wiedmann in Frankfurt am Main-Süd war eine etablierte Metallwarenfabrik, die für die Produktion hochwertiger Abzeichen, Plaketten und Ehrenzeichen bekannt war. Das mitgelieferte Etui mit Herstellermarkierung entspricht den Standards der Zeit, in der solche Auszeichnungen als wertvolle Ehrengaben betrachtet und entsprechend aufbewahrt wurden.

Mit einem Durchmesser von 55 mm gehört diese Plakette zu den größeren Ausführungen derartiger Ehrenzeichen. Die Bezeichnung als “kleine goldene Plakette” bezieht sich wahrscheinlich auf die Hierarchie der Auszeichnungen innerhalb des Verbandes, wobei vermutlich auch größere Varianten oder solche für längere Mitgliedschaften existierten.

Die 25-jährige Mitgliedschaft, die durch diese Plakette gewürdigt wurde, war im Kontext der Zeit eine bemerkenswerte Leistung. Sie bedeutete, dass das Mitglied seit der Gründung des Reichsverbandes im Jahr 1905 ununterbrochen dabei war und die Arbeit des Verbandes durch alle Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte hindurch unterstützt hatte. Dies schloss die kritischen Jahre des Ersten Weltkriegs ein, als die Pferdezucht unter extremen Bedingungen stattfand und Zuchttiere häufig für militärische Zwecke requiriert wurden.

Die deutsche Warmblutpferdezucht hatte im frühen 20. Jahrhundert mehrere regional unterschiedliche Schwerpunkte. Der Reichsverband koordinierte die verschiedenen Landeszuchtverbände und etablierte einheitliche Prüfungsstandards und Zuchtbücher. Die systematische Erfassung von Abstammungen, Leistungsprüfungen und Körungen waren zentrale Aufgaben, die zur Verbesserung der Zuchtqualität beitrugen.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste sich die deutsche Pferdezucht den veränderten Bedingungen anpassen. Die militärischen Restriktionen des Versailler Vertrags, wirtschaftliche Schwierigkeiten und die beginnende Mechanisierung stellten neue Herausforderungen dar. Dennoch blieb die Warmblutpferdezucht ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, insbesondere in der Landwirtschaft.

Die Verleihung solcher Ehrenplaketten diente mehreren Zwecken: Sie würdigte die Treue und das Engagement langjähriger Mitglieder, stärkte die Bindung an den Verband und setzte Anreize für kontinuierliche Mitgliedschaft. Darüber hinaus dokumentierten diese Auszeichnungen die Kontinuität und Stabilität der Organisation über Jahrzehnte hinweg.

Aus heutiger Sicht sind solche Plaketten nicht nur historische Artefakte, sondern auch Zeugnisse der Professionalisierung und Organisation der deutschen Tierzucht. Sie repräsentieren eine Epoche, in der die systematische Zuchtarbeit wissenschaftlicher und institutionalisierter wurde. Die Verbindung von praktischer Zuchtarbeit, wissenschaftlichen Erkenntnissen und organisatorischer Struktur, wie sie der Reichsverband verkörperte, legte Grundlagen, die bis in die moderne Pferdezucht nachwirken.