Hessen Säbel für Offiziere der Infanterie, als Abschiedsgeschenk .

Leicht gekrümmte Klinge aus echtem Damaststahl, Steckrücken mit Schör, ohne erkennbares Herstellerzeichen, beidseitig geätzt, "Dem scheidenden Kammeraden Hptm. v.Westernhagen - Gießen 1900 -", "Das Offiziercorps des Inf.=Regts. Kaiser Wilhelm (2.Goßh.Hess.) Nr. 116",  Messinggefäß mit durchbrochen gearbeitetem Korb, Rochenhautgriff mit intakter Drahtwicklung, die Fingerschlaufe fehlt leider, alt schwarz nachlackierte Stahlscheide mit einem Tragering aus Messing, getragenes Stück in guter Erhaltung. Zustand 2-
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4.500,00

Hessen Säbel für Offiziere der Infanterie, als Abschiedsgeschenk .

Dieser Offizierssäbel des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großherzoglich Hessisches) Nr. 116 stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der militärischen Tradition im Deutschen Kaiserreich um die Wende zum 20. Jahrhundert dar. Das Stück wurde 1900 in Gießen als Abschiedsgeschenk an Hauptmann von Westernhagen überreicht und verkörpert die Kameradschaft und Ehrenkodizes des kaiserlichen Offizierskorps.

Das Infanterie-Regiment Nr. 116 wurde 1897 durch die Zusammenlegung des Großherzoglich Hessischen Leibgarde-Infanterie-Regiments und des 3. Großherzoglich Hessischen Infanterie-Regiments Nr. 117 gebildet. Das Regiment trug den Ehrennamen “Kaiser Wilhelm” zu Ehren des deutschen Kaisers Wilhelm I. und war in Gießen stationiert, einer bedeutenden Garnisonsstadt im Großherzogtum Hessen. Die Verleihung personalisierter Säbel als Abschiedsgeschenke war eine verbreitete Praxis im Offizierskorps und diente dazu, die enge Verbundenheit zwischen Kameraden zu demonstrieren.

Die Klinge aus Damaststahl repräsentiert die hohe handwerkliche Qualität, die bei Geschenksäbeln dieser Art üblich war. Damaststahl, charakterisiert durch seine wellenförmige Musterung, war bereits seit Jahrhunderten für seine überlegene Festigkeit und Flexibilität bekannt. Obwohl echte orientalische Damaszenerarbeit im Europa des 19. Jahrhunderts selten war, entwickelten deutsche Klingenschmiede eigene Techniken zur Herstellung von geschichtetem Stahl, der ähnliche ästhetische Qualitäten aufwies. Die beidseitige Ätzung mit Widmungsinschriften war typisch für Präsentationswaffen und hob diese von regulären Dienstwaffen ab.

Das Messinggefäß mit durchbrochen gearbeitetem Korb entspricht den Vorschriften für preußische und hessische Infanterieoffiziere der Zeit. Nach der Allerhöchsten Kabinettsorder (AKO) vom 3. Dezember 1873 und deren Nachfolgeregelungen trugen Infanterieoffiziere einen leicht gekrümmten Säbel mit Korbgefäß. Der Korb diente dem Schutz der Hand im Gefecht und war charakteristisch durchbrochen gearbeitet, was sowohl praktische als auch ästhetische Gründe hatte. Der Rochenhautgriff (Haifischleder) mit Drahtwicklung war Standard bei Offizierswaffen und bot einen sicheren Griff auch unter schwierigen Bedingungen.

Die schwarzlackierte Stahlscheide mit Messingtragering entspricht ebenfalls den Uniformvorschriften der Epoche. Infanterieoffiziere trugen ihre Säbel an schwarzen Lederkoppeln, und die Scheide musste entsprechend gestaltet sein. Der Tragering aus Messing, obwohl nur noch einer erhalten ist, ermöglichte die Befestigung an der Koppel und das sichere Tragen der Waffe.

Der historische Kontext des Jahres 1900 ist bedeutsam: Das Deutsche Reich befand sich auf dem Höhepunkt seiner militärischen und wirtschaftlichen Macht unter Kaiser Wilhelm II. Die Armee war nicht nur Verteidigungsinstrument, sondern zentraler Bestandteil der gesellschaftlichen Ordnung. Das Offizierskorps bildete eine Elite, deren Mitglieder durch strenge Ehrenkodizes und tiefe Kameradschaft verbunden waren. Abschiedsgeschenke wie dieser Säbel dokumentieren die emotionale Bindung zwischen Offizieren, die oft jahrelang gemeinsam dienten.

Hauptmann von Westernhagen gehörte wahrscheinlich dem hessischen Adel an, wie das “von” im Namen andeutet. Adelige waren im Offizierskorps stark überrepräsentiert, besonders in traditionellen Regimentern. Sein Ausscheiden aus dem Regiment 1900 könnte verschiedene Gründe gehabt haben: Versetzung zu einer anderen Einheit, Beförderung zu einem Stabsposten oder Pensionierung. Die Tatsache, dass das gesamte Offizierskorps des Regiments dieses wertvolle Geschenk stiftete, deutet auf hohes Ansehen und Beliebtheit hin.

Solche Präsentationssäbel wurden selten im Dienst getragen, sondern als Ehrenzeichen aufbewahrt. Sie dokumentieren die Militärgeschichte auf persönlicher Ebene und sind heute wichtige Sammlerstücke. Die erhaltene Zustandsform mit geringen Gebrauchsspuren, dem intakten Damaststahl und der originalen Ätzung macht dieses Exemplar zu einem wertvollen historischen Dokument der wilhelminischen Ära und der hessischen Militärtradition.

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