III. Reich - WHW - " Opferschiessen 1935/1936 "

Eisenblechabzeichen, an langer Nadel, Zustand 2.
373118
45,00

III. Reich - WHW - " Opferschiessen 1935/1936 "

Das Winterhilfswerk (WHW) des Deutschen Volkes stellte eine der bedeutendsten Wohltätigkeitsorganisationen im Dritten Reich dar. Das hier vorliegende Abzeichen “Opferschießen 1935/1936” dokumentiert eine spezielle Spendensammelaktion, die im Rahmen des WHW durchgeführt wurde und die nationalsozialistische Propaganda mit sportlichen Aktivitäten und Spendensammlung verband.

Das Winterhilfswerk wurde offiziell am 13. September 1933 gegründet und sollte angeblich bedürftigen deutschen Volksgenossen während der Wintermonate helfen. Unter der Leitung von Erich Hilgenfeldt, der dem Stab des Stellvertreters des Führers angehörte, entwickelte sich das WHW zu einer gigantischen Propagandamaschine und Spendenorganisation. Die jährlichen Sammelaktionen erstreckten sich typischerweise von Oktober bis März und mobilisierten Millionen von Helfern im gesamten Reich.

Das Opferschießen stellte eine besondere Form der Spendensammlung dar, die den traditionellen deutschen Schützensport mit der nationalsozialistischen Volksgemeinschaftsideologie verband. Bei diesen Veranstaltungen zahlten Teilnehmer einen Beitrag für das WHW und erhielten dafür die Möglichkeit, an Schießwettbewerben teilzunehmen. Als Anerkennung für ihre “Opferbereitschaft” erhielten die Teilnehmer Abzeichen wie das hier beschriebene Eisenblechabzeichen.

Die Saison 1935/1936 fiel in eine Zeit der zunehmenden Konsolidierung der NS-Herrschaft. Nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im März 1935 und der Verkündung der Nürnberger Gesetze im September 1935 intensivierte das Regime seine Bemühungen, die deutsche Bevölkerung ideologisch zu durchdringen und gleichzeitig militärische Tugenden zu fördern. Schießveranstaltungen dienten dabei einem doppelten Zweck: Sie sammelten Spenden und förderten gleichzeitig paramilitärische Fähigkeiten in der Bevölkerung.

Die materielle Beschaffenheit des Abzeichens aus Eisenblech spiegelt die wirtschaftlichen Prioritäten des Regimes wider. Während frühere Abzeichen oft aus wertvolleren Materialien gefertigt wurden, setzte man im Dritten Reich zunehmend auf kostengünstige Produktionsmethoden, um möglichst viele Abzeichen herstellen zu können. Die lange Nadel ermöglichte das Tragen an der Zivilkleidung und machte die Teilnahme an der WHW-Aktion für jedermann sichtbar.

Das WHW produzierte jährlich Millionen verschiedener Abzeichen, Plaketten und Sammelfiguren. Diese dienten nicht nur als Spendenquittung, sondern auch als Mittel des sozialen Drucks. Wer kein WHW-Abzeichen trug, machte sich verdächtig, nicht zur Volksgemeinschaft zu gehören oder die “nationale Solidarität” zu verweigern. Die Sammlungen waren theoretisch freiwillig, in der Praxis jedoch bestand erheblicher gesellschaftlicher und oft auch dienstlicher Druck zur Teilnahme.

Die Einnahmen des WHW waren beträchtlich. In der Saison 1935/36 sammelte die Organisation mehrere hundert Millionen Reichsmark. Während ein Teil dieser Gelder tatsächlich für Winterhilfsprogramme verwendet wurde, flossen erhebliche Summen auch in die allgemeine Staatskasse und dienten der Aufrüstung. Das WHW fungierte somit als verdecktes Steuersystem und Propagandainstrument zugleich.

Die Gestaltung der WHW-Abzeichen folgte bestimmten ikonographischen Mustern. Typische Motive umfassten regionale Trachten, historische Persönlichkeiten, germanische Symbolik und militärische Themen. Die Abzeichen zum Opferschießen betonten naturgemäß den wehrsportlichen Charakter der Veranstaltung und passten in das allgemeine Programm der Wehrhaftmachung der deutschen Gesellschaft.

Aus sammlungshistorischer Perspektive stellen WHW-Abzeichen heute wichtige zeitgeschichtliche Dokumente dar. Sie dokumentieren die Durchdringung des Alltags durch nationalsozialistische Organisationen und die Mechanismen sozialer Kontrolle im Dritten Reich. Der Zustand 2 des vorliegenden Exemplars deutet auf eine gute Erhaltung hin, was bei Eisenblechabzeichen, die zur Korrosion neigen, nicht selbstverständlich ist.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit WHW-Abzeichen erfordert eine kritische Kontextualisierung. Sie sind Zeugnisse eines verbrecherischen Systems, das Wohltätigkeit instrumentalisierte und mit Propaganda, sozialem Druck und letztlich mit der Vorbereitung des Angriffskrieges verband.