Knötel Uniformtafel "Schweizer-Garde" 1701-1713,

Zustand 2.
456518
15,00

Knötel Uniformtafel "Schweizer-Garde" 1701-1713,

Die Knötel Uniformtafel der Schweizer Garde aus der Periode 1701-1713 dokumentiert einen bedeutenden Abschnitt europäischer Militärgeschichte während des Spanischen Erbfolgekrieges. Diese Uniformdarstellung gehört zu dem umfassenden Werk der Familie Knötel, die über mehrere Generationen hinweg das monumentale Projekt der Dokumentation historischer Militäruniformen vorantrieb.

Richard Knötel (1857-1914) begründete zusammen mit seinem Vater eine der bedeutendsten Sammlungen militärhistorischer Uniformdarstellungen. Das Werk wurde später von seinem Sohn Herbert Knötel (1892-1964) fortgesetzt. Die Knötel-Tafeln zeichnen sich durch außergewöhnliche historische Genauigkeit und künstlerische Qualität aus und dienten lange Zeit als Standardreferenz für Militärhistoriker, Museen und Sammler.

Die Schweizer Garden bildeten im frühen 18. Jahrhundert eine besondere militärische Institution in Europa. Schweizer Söldner genossen seit dem späten Mittelalter einen legendären Ruf für ihre Zuverlässigkeit, Kampfkraft und Loyalität. Die Periode von 1701 bis 1713 fällt in die Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714), eines der größten europäischen Konflikte der Frühen Neuzeit, bei dem um die Nachfolge des letzten spanischen Habsburg-Königs Karl II. gerungen wurde.

Während dieser Epoche dienten Schweizer Regimenter in verschiedenen europäischen Armeen, insbesondere in französischen, spanischen und niederländischen Diensten. Die Schweizer Garde in französischen Diensten war dabei die bekannteste Formation. Die traditionelle Vereinbarung zwischen der französischen Krone und den Schweizer Kantonen, die sogenannte “Kapitulation”, regelte die Aufstellung und den Dienst dieser Einheiten seit dem 16. Jahrhundert.

Die Uniformierung der Schweizer Garden in dieser Periode spiegelte sowohl nationale Traditionen als auch die Anforderungen der jeweiligen Dienstherren wider. Die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts markierten eine Übergangszeit in der europäischen Militärkleidung. Die älteren, noch stark vom 17. Jahrhundert geprägten Uniformstile mit breiten Krempen, langen Röcken und aufwendigen Verzierungen begannen sich zu standardisieren und funktionaler zu werden.

Typische Elemente der Schweizer Gardeuniform dieser Zeit umfassten gewöhnlich einen Rock in den Farben des Dienstherrn, oft mit kontrastierenden Aufschlägen und Besätzen. Die Schweizer Garden behielten häufig rote Elemente bei, die an ihre nationale Herkunft erinnerten. Der Dreispitz (Tricorne) war die charakteristische Kopfbedeckung dieser Epoche. Die Bewaffnung bestand typischerweise aus Steinschlossmuskete, Bajonett und Degen.

Die Knötel-Darstellungen basieren auf umfangreichen Quellenrecherchen, darunter zeitgenössische Reglementsbestimmungen, Kriegsakten, Stiche, Gemälde und erhaltene Uniformstücke. Für die Periode 1701-1713 sind die Quellen allerdings oft fragmentarisch, da systematische Uniformvorschriften erst später im 18. Jahrhundert zur Regel wurden. Die frühen Uniformen zeigten noch erhebliche Variationen zwischen verschiedenen Kompanien und Regimentern.

Der Wert solcher Uniformtafeln für die moderne Geschichtsforschung kann nicht überschätzt werden. Sie dienen nicht nur der militärhistorischen Forschung, sondern auch der Rekonstruktion sozialer, wirtschaftlicher und technologischer Aspekte der Frühen Neuzeit. Die Textilproduktion, Farbstoffherstellung und handwerklichen Techniken, die in den Uniformen zum Ausdruck kommen, geben Aufschluss über den Stand der vorindustriellen Fertigung.

Die Authentizität und wissenschaftliche Bedeutung der Knötel-Tafeln wurde durch Generationen von Historikern bestätigt. Sie werden in bedeutenden militärhistorischen Museen und Bibliotheken aufbewahrt und häufig in wissenschaftlichen Publikationen zitiert. Für Sammler militärhistorischer Graphik stellen originale Knötel-Tafeln begehrte Objekte dar, die sowohl künstlerischen als auch dokumentarischen Wert besitzen.

Im Kontext der Schweizer Militärgeschichte repräsentiert diese Periode einen Höhepunkt des Söldnerwesens. Tausende Schweizer dienten in fremden Armeen und prägten durch ihren Ruf die schweizerische Identität. Die Tradition der Schweizer Garden sollte bis zur Französischen Revolution fortbestehen, wobei die päpstliche Schweizergarde als einzige Formation bis heute überlebt hat.

Die Uniformtafel dokumentiert somit nicht nur militärische Kleidung, sondern steht exemplarisch für ein ganzes System internationaler Militärbeziehungen, für handwerkliche Traditionen und für die visuelle Kultur der Armee im Zeitalter des Absolutismus.