Moritz Ruhl - Die Orden und Ehrenzeichen der deutschen Regenten,

12 Farbtafeln mit originalgetreuer Abbildungen der Orden wie z.B. Württemberg Kronen-Orden bis Verdienstkreuze, Sachsen Albrechts-Orden bis St.Heinrichs-Orden oder Preußen Eisernes Kreuz bis Roter-Adler-Orden, Leipzig, Verlag Ruhl, ca. 1914, Leporello Maß 145 x 29 cm (A4), Zustand 2 
467419
120,00

Moritz Ruhl - Die Orden und Ehrenzeichen der deutschen Regenten,

Das vorliegende Werk "Die Orden und Ehrenzeichen der deutschen Regenten" von Moritz Ruhl stellt ein bedeutendes Referenzwerk aus der späten Kaiserzeit dar, das kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs um 1914 erschien. Als Leporello-Album mit zwölf Farbtafeln konzipiert, dokumentiert es systematisch die Ordenslandschaft des Deutschen Kaiserreichs in einer Zeit, als das Ordenswesen seinen Höhepunkt erreicht hatte.

Im Deutschen Kaiserreich (1871-1918) existierte eine außerordentlich vielfältige und komplexe Ordenslandschaft. Anders als in zentralisierten Staaten behielten die deutschen Einzelstaaten – Königreiche, Großherzogtümer, Herzogtümer und Fürstentümer – ihre eigenen Orden und Ehrenzeichen bei. Diese Eigenständigkeit war ein wesentliches Merkmal des föderalen Charakters des Reiches. Jeder Regent konnte eigene Auszeichnungen stiften und verleihen, was zu einer bemerkenswerten Diversität führte.

Das Werk dokumentiert die wichtigsten Ordenskategorien der bedeutendsten deutschen Staaten. Für Württemberg werden Auszeichnungen vom Kronen-Orden bis zu verschiedenen Verdienstkreuzen präsentiert. Der württembergische Kronen-Orden wurde 1818 von König Wilhelm I. gestiftet und zählte zu den angesehensten Verdienstorden des Königreichs. Für das Königreich Sachsen umfasst die Darstellung den Bereich vom Albrechts-Orden bis zum St. Heinrichs-Orden. Der Albrechts-Orden, 1850 von König Friedrich August II. gestiftet, ehrte zivile und militärische Verdienste, während der St. Heinrichs-Orden als Hausorden der Wettiner besondere dynastische Bedeutung besaß.

Besonders ausführlich wird Preußen behandelt, dessen Ordenssystem vom Eisernen Kreuz bis zum Roten Adler-Orden reicht. Das Eiserne Kreuz, 1813 von König Friedrich Wilhelm III. während der Befreiungskriege gestiftet, entwickelte sich zur bekanntesten deutschen Kriegsauszeichnung. Der Rote Adler-Orden, ursprünglich 1705 als brandenburgischer Orden gestiftet und 1792 von Preußen übernommen, stellte eine der höchsten preußischen Auszeichnungen dar und wurde in vier Klassen verliehen.

Moritz Ruhl führte in Leipzig einen spezialisierten Verlag, der sich auf militärische Themen, insbesondere Phaleristik – die Ordenskunde – konzentrierte. Seine Publikationen richteten sich an Sammler, Militärangehörige und historisch Interessierte. Das Leporello-Format, eine zusammenhängende, faltbare Papier- oder Kartonbahn, ermöglichte die übersichtliche Präsentation der verschiedenen Ordenstypen auf zwölf Farbtafeln. Die originalgetreue farbige Wiedergabe war für Sammler und Experten von besonderem Wert, da sie die exakte Identifizierung und Klassifizierung ermöglichte.

Die Entstehungszeit um 1914 ist von besonderer Bedeutung. Das Werk erschien in einer Phase, als das Ordenswesen des Kaiserreichs seinen organisatorischen und ästhetischen Höhepunkt erreicht hatte, aber kurz vor dem Zusammenbruch der monarchischen Ordnung stand. Der Erste Weltkrieg führte zu einer massiven Ausweitung der Ordensverleihungen, insbesondere des Eisernen Kreuzes, das in Millionen Exemplaren verliehen wurde. Nach 1918 verloren die meisten deutschen Orden ihre offizielle Bedeutung, als die Monarchien durch Republiken ersetzt wurden.

Solche Referenzwerke dienten mehreren Zwecken: Sie waren Nachschlagewerke für Ordenskanzleien und Behörden, die Verleihungen bearbeiteten; sie halfen Sammlern bei der Identifizierung und Bewertung von Stücken; und sie dokumentierten für die Nachwelt ein komplexes System von Ehrenzeichen, das eng mit der politischen und militärischen Geschichte verbunden war. Die farbige Darstellung war besonders wichtig, da viele Orden sich nur durch Nuancen in Email-Farben, Bändern oder Details unterschieden.

Das Leporello-Format mit seinen Maßen von 145 x 29 cm (etwa A4-Höhe) war praktisch und dekorativ zugleich. Es konnte aufgestellt, an der Wand präsentiert oder in zusammengefaltetem Zustand aufbewahrt werden. Diese Form der Präsentation war im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert besonders für Bildungswerke und Sammlerobjekte beliebt.

Die Ordenslandschaft des Deutschen Kaiserreichs spiegelte die gesellschaftliche Hierarchie und die Werte der Zeit wider. Orden dienten der Belohnung militärischer Tapferkeit, langjähriger Dienste, wissenschaftlicher Leistungen oder dynastischer Loyalität. Sie waren sichtbare Zeichen sozialen Prestiges und spielten eine wichtige Rolle in der höfischen Kultur und im militärischen Ehrenkodex.

Heute sind solche zeitgenössischen Dokumentationen von unschätzbarem Wert für Historiker und Sammler, da sie authentische Darstellungen der Orden in ihrem historischen Kontext bieten. Sie helfen bei der Identifizierung von Museumsstücken und privaten Sammlungen und bewahren das Wissen über ein Ehrungssystem, das mit dem Ende der Monarchie 1918 weitgehend verschwand.