Preußen 1. Weltkrieg Patriotika Lesezeichen "Winterschlacht in Masuren 8-17 Febr. 1915"

Um 1915. Seide, Länge ca. 40 cm. Zustand 2+.

Die Vivat-Bänder wurden im 1. Weltkrieg zu vielen militärischen Siegen hergestellt, der Erlös aus dem Verkauf ging an das Rote Kreuz.
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45,00

Preußen 1. Weltkrieg Patriotika Lesezeichen "Winterschlacht in Masuren 8-17 Febr. 1915"

Das vorliegende seidene Lesezeichen stellt ein faszinierendes Zeugnis der patriotischen Erinnerungskultur während des Ersten Weltkriegs dar. Es wurde anlässlich der Winterschlacht in Masuren hergestellt, die vom 8. bis 17. Februar 1915 stattfand und einen bedeutenden militärischen Erfolg der deutschen Streitkräfte an der Ostfront markierte.

Die Winterschlacht in Masuren, auch als Zweite Schlacht an den Masurischen Seen bekannt, war Teil der Kämpfe zwischen dem Deutschen Reich und dem Russischen Kaiserreich im ostpreußischen Grenzgebiet. Nach der erfolgreichen Abwehr der russischen Invasion bei Tannenberg im August 1914 und der Ersten Masurischen Schlacht im September desselben Jahres versuchte Russland erneut, nach Ostpreußen vorzustoßen. Unter der Führung von Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und dessen Stabschef General Erich Ludendorff gelang es den deutschen Truppen, die russische 10. Armee einzukesseln und ihr schwere Verluste zuzufügen. Die Schlacht fand unter extremen Winterbedingungen statt, mit Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt.

Die sogenannten Vivat-Bänder oder Vivat-Seide entwickelten sich während des Ersten Weltkriegs zu einem weit verbreiteten Phänomen der Heimatfront. Diese meist aus Seide gefertigten Bänder, die als Lesezeichen oder dekorative Wandbehänge dienten, wurden zu Ehren militärischer Siege, bedeutender Persönlichkeiten oder wichtiger Ereignisse des Krieges hergestellt. Der Begriff “Vivat” stammt aus dem Lateinischen und bedeutet “es lebe” – ein Ausruf der Huldigung und des Jubels.

Die Produktion dieser patriotischen Artikel erfüllte mehrere Zwecke: Sie dienten der Propaganda und der Aufrechterhaltung der Moral an der Heimatfront, dokumentierten militärische Erfolge und – besonders wichtig – der Erlös aus ihrem Verkauf kam häufig dem Roten Kreuz und anderen Wohlfahrtsorganisationen zugute, die verwundete Soldaten versorgten. Dies machte den Kauf solcher Artikel zu einer patriotischen Pflicht, die gleichzeitig praktischen Nutzen und wohltätige Zwecke vereinte.

Die Gestaltung der Vivat-Bänder folgte typischen Mustern: Sie zeigten oft militärische Symbole wie den Adler, das Eiserne Kreuz, Portraits von Kaiser Wilhelm II., Hindenburg oder anderen Militärführern, sowie Darstellungen von Schlachten, Fahnen und patriotische Inschriften. Die Verwendung von Seide als Material verlieh den Objekten einen gewissen Wert und machte sie zu begehrten Sammelobjekten. Die Länge von etwa 40 Zentimetern, wie bei diesem Exemplar, war typisch für Lesezeichen dieser Art.

Die massenhafte Produktion solcher Patriotika während des Ersten Weltkriegs spiegelt die totale Mobilisierung der Gesellschaft wider. Im Gegensatz zu früheren Kriegen war der Erste Weltkrieg ein totaler Krieg, der nicht nur die kämpfende Truppe, sondern die gesamte Zivilbevölkerung einbezog. Durch den Kauf und das Zur-Schau-Stellen solcher Gegenstände konnten Zivilisten ihre Unterstützung für die Kriegsanstrengungen demonstrieren und sich mit den Soldaten an der Front verbunden fühlen.

Die Tatsache, dass dieses Band speziell der Winterschlacht in Masuren gewidmet ist, unterstreicht die Bedeutung, die diesem Sieg in der deutschen Öffentlichkeit beigemessen wurde. Die Ostfront und besonders die Verteidigung Ostpreußens nahmen einen wichtigen Platz im deutschen Kriegsnarrativ ein. Hindenburg und Ludendorff wurden nach ihren Erfolgen in Masuren zu Nationalhelden stilisiert, deren Ruhm bis zum Ende des Kaiserreichs und darüber hinaus anhielt.

Heute sind solche Vivat-Bänder wichtige zeitgeschichtliche Dokumente, die Einblick in die Mentalität, Propaganda und materielle Kultur des Ersten Weltkriegs geben. Sie dokumentieren, wie militärische Ereignisse kommuniziert und gefeiert wurden, und zeigen die Verflechtung von Kommerz, Patriotismus und Wohltätigkeit in der Kriegsgesellschaft. Der angegebene Zustand 2+ deutet auf eine gute Erhaltung hin, was bei über hundert Jahre alten Textilien bemerkenswert ist und das Objekt zu einem wertvollen Sammlerstück macht.

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