Preußen Waffenrock für Mannschaften im Garde-Kürassier-Regiment

Standort Berlin. Eigentumsstück um 1910. Der Rock aus blauem Stoff mit blauem Stehkragen und hellblauen "schwedischen" Ärmelumschlägen, die Ärmel und der Stehkragen mit der weiß-blauen Borte, am Kragen weiße Gardelitzen auf hellblauem Grund, die Brustleisten mit roten Vorstößen, silberfarbene Knöpfe, auf den Schultern eingenäht die weißen Schulterklappen mit hellblauen Vorstößen, Knöpfe der 2. Eskadron, am rechten Ärmel mit Winkel für gutes Lanzenfechten. Innen mit schwarzem Seidenfutter. Auf der rechten Brust ein Mottenloch, sonst gut erhalten. Zustand 2.
462919
1.850,00

Preußen Waffenrock für Mannschaften im Garde-Kürassier-Regiment

Der vorliegende Waffenrock für Mannschaften des Garde-Kürassier-Regiments aus der Zeit um 1910 repräsentiert einen der bedeutendsten Uniformtypen der preußischen Kavallerie im späten Kaiserreich. Das Garde-Kürassier-Regiment, stationiert in Berlin, gehörte zu den elitärsten Einheiten der preußischen Armee und stand in besonders enger Verbindung zum Königshaus.

Das Regiment wurde 1691 ursprünglich als Kürassier-Regiment zu Pferde gegründet und erhielt 1740 unter Friedrich dem Großen den prestigeträchtigen Status einer Gardeeinheit. Als Teil der Garde-Kavallerie-Division war das Regiment direkt dem Kaiser unterstellt und erfüllte sowohl zeremonielle als auch militärische Aufgaben in der Reichshauptstadt Berlin.

Die charakteristische blaue Grundfarbe des Waffenrocks war typisch für preußische Kürassiere und unterschied sie von anderen Kavallerie-Gattungen. Der Schnitt mit Stehkragen und den sogenannten schwedischen Ärmelaufschlägen in Hellblau folgte der preußischen Uniformierung, die ihre Wurzeln in den Reformen des 18. Jahrhunderts hatte. Diese Ärmelform, benannt nach schwedischen Vorbildern, war besonders charakteristisch für die schwere Kavallerie.

Die weiß-blaue Borte an Ärmeln und Kragen sowie die weißen Gardelitzen auf hellblauem Grund am Kragen kennzeichneten den Gardecharakter des Regiments. Diese Gardelitzen waren ein exklusives Distinktionsmerkmal, das nur Garderegimenter tragen durften und ihre besondere Stellung in der militärischen Hierarchie unterstrich. Die silberfarbenen Knöpfe entsprachen der Metallfarbe des Regiments, die durch die Bekleidungsvorschriften genau festgelegt war.

Besonders interessant sind die weißen Schulterklappen mit hellblauen Vorstößen, auf denen die Knöpfe der 2. Eskadron angebracht sind. Die Eskadronnummer wurde durch die Anzahl und Anordnung der Knöpfe auf den Schulterklappen codiert, was eine schnelle Identifizierung der Zugehörigkeit ermöglichte. Ein Garde-Kürassier-Regiment bestand typischerweise aus vier Eskadronen zu je etwa 150 Mann.

Der Winkel am rechten Ärmel für gutes Lanzenfechten stellt ein seltenes Detail dar. Obwohl Kürassiere traditionell als schwere Reiterei mit Pallasch und Karabiner ausgerüstet waren, übten alle Kavalleristen auch das Fechten mit der Lanze. Der Winkel – ein Abzeichen in Form eines nach oben geöffneten Winkels – wurde für besondere Leistungen in dieser Disziplin verliehen und am rechten Oberarm getragen. Solche Leistungsabzeichen waren Teil des preußischen Systems zur Förderung militärischer Fertigkeiten.

Das schwarze Seidenfutter im Inneren des Rocks zeugt von der hohen Qualität der Gardeuniform. Während Linienregimenter oft einfachere Futterstoffe erhielten, waren Gardeuniformen aufwendiger gearbeitet. Die roten Vorstöße an den Brustleisten fügten einen zusätzlichen Farbakzent hinzu und folgten der traditionellen preußischen Farbgebung.

Um 1910, der Entstehungszeit dieses Waffenrocks, befand sich die preußische Armee in einer Übergangsphase. Während für den Felddienst bereits feldgraue Uniformen eingeführt wurden, blieben die traditionellen bunten Waffenröcke für den Garnisonsdienst, Paraden und feierliche Anlässe in Gebrauch. Die Uniformierung der Mannschaften wurde durch die Allerhöchste Kabinetts-Order (AKO) geregelt, die detaillierte Vorschriften zu Schnitt, Farbe und Ausstattung enthielt.

Das Garde-Kürassier-Regiment nahm an zahlreichen historischen Ereignissen teil, von den Schlachten der Befreiungskriege bis zu Paraden vor dem Kaiser. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 rückte das Regiment ins Feld, wo die traditionellen Waffenröcke schnell durch feldgraue Uniformen ersetzt wurden. Die schwere Kavallerie, einst die Elite der Schlachtfelder, fand im industrialisierten Krieg des 20. Jahrhunderts nur noch begrenzte Verwendung.

Der erhaltene Zustand dieses Waffenrocks mit nur einem Mottenloch auf der rechten Brust ist bemerkenswert gut und ermöglicht es, die handwerkliche Qualität und die Details der preußischen Militärschneiderei zu studieren. Solche Uniformstücke wurden von spezialisierten Militärschneidern gefertigt, die streng nach Vorschrift arbeiteten. Jeder Rock musste den exakten Maßen und Standards entsprechen, die in den Bekleidungsvorschriften festgelegt waren.

Heute sind solche Waffenröcke wichtige Zeugnisse der preußisch-deutschen Militärgeschichte und dokumentieren nicht nur die Uniformierungspraxis, sondern auch soziale Hierarchien, handwerkliche Traditionen und die visuelle Kultur des Kaiserreichs.