III.Reich Pressefoto, der neue Vorsitzende der deutschnationalen Reichstagsfraktion Schmidt 17.4.1933
Das vorliegende Pressefoto aus dem Dritten Reich dokumentiert einen bedeutsamen Moment in der frühen Phase der nationalsozialistischen Machtübernahme: die Ernennung des neuen Vorsitzenden der deutschnationalen Reichstagsfraktion am 17. April 1933. Solche Pressefotos waren in der Zeit zwischen 1933 und 1945 ein zentrales Instrument der politischen Kommunikation und Propaganda des NS-Regimes.
Die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) spielte eine entscheidende Rolle beim Aufstieg der Nationalsozialisten zur Macht. Als konservativ-nationalistische Partei der Weimarer Republik hatte die DNVP unter der Führung von Alfred Hugenberg maßgeblich zur Bildung der “Harzburger Front” im Oktober 1931 beigetragen, einem Bündnis rechter Kräfte gegen die Weimarer Republik. Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 beteiligte sich die DNVP an der “Regierung der nationalen Konzentration” und stellte mehrere Minister.
Der April 1933 markierte eine Phase intensiver politischer Umwälzungen. Nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 und der darauf folgenden Reichstagsbrandverordnung sowie dem Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 befand sich Deutschland bereits auf dem Weg in die Diktatur. Die Nationalsozialisten begannen systematisch, alle politischen Gegner auszuschalten und auch ihre konservativen Bündnispartner zu marginalisieren.
Pressefotos wie das vorliegende wurden durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels kontrolliert und verbreitet. Die fotografische Dokumentation politischer Ereignisse diente mehreren Zwecken: Sie sollte einerseits den Anschein demokratischer Normalität wahren, andererseits die neue Ordnung legitimieren und die Bevölkerung an die neuen Machthaber gewöhnen. Fotografien wurden zentral über Presseagenturen wie Scherl, Hoffmann oder das Deutsche Nachrichtenbüro (DNB) an Zeitungen und Zeitschriften verteilt.
Die technischen Merkmale des Fotos – das Format von etwa 13 x 18 cm – entsprechen dem damals üblichen Standard für Pressefotos. Diese Größe war ideal für die Reproduktion in Zeitungen und ermöglichte gleichzeitig eine ausreichende Detailschärfe. Der “gebrauchte Zustand” deutet darauf hin, dass das Foto tatsächlich in einer Redaktion verwendet wurde, möglicherweise mit Anmerkungen, Stempeln oder anderen Bearbeitungsspuren versehen.
Die Bedeutung der deutschnationalen Reichstagsfraktion schwand im Laufe des Jahres 1933 rapide. Die DNVP wurde zunehmend unter Druck gesetzt und verlor ihre Eigenständigkeit. Im Juni 1933 traten viele Mitglieder unter Druck zur NSDAP über, und am 27. Juni 1933 löste sich die Deutschnationale Kampffront, wie sich die DNVP seit Mai nannte, faktisch selbst auf. Hugenberg war bereits am 29. Juni 1933 als Wirtschaftsminister zurückgetreten.
Solche historischen Pressefotos sind heute wichtige Quellen für die Geschichtswissenschaft. Sie dokumentieren nicht nur die abgebildeten Personen und Ereignisse, sondern auch die mediale Inszenierung von Politik im Nationalsozialismus. Die Rückseiten solcher Fotos tragen häufig Stempel, handschriftliche Notizen oder gedruckte Bildunterschriften, die zusätzliche Informationen über Herkunft, Datum und Verwendungszweck liefern.
Aus sammlungs- und bewertungstechnischer Sicht sind Pressefotos aus dem Dritten Reich zwiespältige Objekte. Einerseits besitzen sie historischen Dokumentationswert, andererseits waren sie Instrumente der NS-Propaganda. Ihre Bewahrung und Erforschung dient der historischen Aufarbeitung, erfordert aber einen verantwortungsvollen Umgang. Museen, Archive und Forschungseinrichtungen sammeln solche Materialien als Primärquellen zur Geschichte des Nationalsozialismus.
Das vorliegende Foto fügt sich ein in eine größere Sammlung von visuellen Zeugnissen der Gleichschaltung – des Prozesses, durch den die Nationalsozialisten alle gesellschaftlichen Bereiche ihrer Kontrolle unterwarfen. Die Dokumentation der Veränderungen in der deutschnationalen Fraktion im April 1933 zeigt exemplarisch, wie schnell traditionelle konservative Kräfte ihre Macht verloren und in das nationalsozialistische System integriert oder verdrängt wurden.