NSFK Erinnerungsplakette "NSFK Küstenflug 1939"

Feinzink getönt, Höhe 85 mm, rückseitig mit Hersteller "Brehmer, Markneukirchen".
457720
300,00

NSFK Erinnerungsplakette "NSFK Küstenflug 1939"

Die NSFK-Erinnerungsplakette "Küstenflug 1939" repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Luftfahrtgeschichte unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Diese aus getöntem Feinzink gefertigte Plakette mit einer Höhe von 85 mm wurde vom Hersteller Brehmer in Markneukirchen produziert, einer sächsischen Stadt, die für ihre metallverarbeitende Industrie und Musikinstrumentenherstellung bekannt war.

Das Nationalsozialistisches Fliegerkorps (NSFK) wurde 1937 als Nachfolgeorganisation des Deutschen Luftsportverbandes gegründet und direkt der Obersten SA-Führung unterstellt. Unter der Leitung von NSFK-Korpsführer Friedrich Christiansen, einem Ersten Weltkrieg-Fliegerass, diente die Organisation offiziell der "fliegerischen Ertüchtigung" der deutschen Jugend und der Förderung des Luftsportgedankens. In der Praxis fungierte das NSFK jedoch als paramilitärische Vorschule für die Luftwaffe, in der zukünftige Piloten und Flugzeugbesatzungen ihre Grundausbildung erhielten.

Der "Küstenflug 1939" war eine dieser organisierten Veranstaltungen, die das NSFK zur Schulung, Propaganda und Kameradschaftspflege durchführte. Solche Orientierungsflüge entlang der deutschen Küstenregionen – von der Nordsee bis zur Ostsee – dienten mehreren Zwecken: Sie trainierten die Teilnehmer in Navigation über Wasser, Wetterbeobachtung unter maritimen Bedingungen und der Orientierung anhand von Küstenmerkmalen. Gleichzeitig demonstrierten sie die vermeintliche Stärke und Organisation der deutschen Luftfahrt gegenüber der Bevölkerung und potenziellen Gegnern.

Das Jahr 1939 markierte einen entscheidenden Wendepunkt in der europäischen Geschichte. Der Küstenflug fand in einer Zeit statt, als Deutschland bereits massive militärische Vorbereitungen getroffen hatte. Die Annexion der Tschechoslowakei im März 1939 hatte die letzten Illusionen einer friedlichen Appeasement-Politik zerstört. Das NSFK intensivierte in diesem Jahr seine Ausbildungstätigkeit erheblich, da absehbar war, dass ausgebildete Flugzeugbesatzungen bald in großer Zahl benötigt würden.

Erinnerungsplaketten wie diese wurden typischerweise an Teilnehmer solcher Veranstaltungen ausgegeben und dienten als Andenken sowie als Nachweis der Teilnahme an spezifischen NSFK-Aktivitäten. Sie waren Teil eines ausgeklügelten Systems von Auszeichnungen, Abzeichen und Ehrenzeichen, das die NS-Organisationen zur Motivation und Bindung ihrer Mitglieder einsetzten. Die Plaketten wurden meist an der Kleidung getragen oder in persönlichen Sammlungen aufbewahrt.

Die Herstellung durch Brehmer in Markneukirchen weist auf die dezentralisierte Produktion solcher Erinnerungsstücke hin. Markneukirchen im Vogtland hatte eine lange Tradition in der Metallverarbeitung und Fertigung von Kleinobjekten. Verschiedene Hersteller in ganz Deutschland produzierten NSFK-Abzeichen und -Plaketten nach vorgegebenen Richtlinien, wobei Materialqualität und Ausführung variieren konnten. Feinzink war ein häufig verwendetes Material, da es kostengünstig, leicht zu verarbeiten und durch Tönung optisch aufwertbar war.

Nach Kriegsausbruch am 1. September 1939 wurde das NSFK noch stärker in die militärische Ausbildung eingebunden. Die Organisation übernahm zunehmend Aufgaben im Bereich der Segelflugausbildung, Motorflugschulung und später auch bei der Ausbildung von Lastenseglerpiloten. Viele NSFK-Mitglieder wurden direkt zur Luftwaffe eingezogen, wo ihre Vorausbildung geschätzt wurde.

Heute sind solche Erinnerungsplaketten wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Alltagskultur und Organisationsstruktur der NS-Zeit geben. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche durch nationalsozialistische Organisationen und die systematische Vorbereitung auf den Krieg. Für Militärhistoriker und Sammler bieten sie wertvolle Informationen über Veranstaltungen, Hersteller und die materielle Kultur dieser Epoche.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Objekten erfordert eine kritische Kontextualisierung. Sie sind Zeugnisse eines verbrecherischen Regimes und seiner Kriegsvorbereitungen, gleichzeitig aber auch wichtige Quellen für das Verständnis dieser dunklen Periode deutscher Geschichte. Ihre Bewahrung in Museen und Sammlungen dient der historischen Bildung und Mahnung.