Sowjetunion / Russland: Uniformensemble eines Matrosen der Baltikum-flotte 

um 1989 bis 1991,Tellermütze, Koppel, Matrosenhemd mit Stempelung 05/89, schwarze Hose mit Stempelung 5/91, und Wechselkragen,  Zustand 2-.
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Sowjetunion / Russland: Uniformensemble eines Matrosen der Baltikum-flotte 

Dieses Uniformensemble eines Matrosen der Baltischen Flotte der Sowjetunion stammt aus der äußerst bedeutsamen Übergangszeit von 1989 bis 1991, den letzten Jahren der Existenz der UdSSR. Die Stempelungen auf dem Matrosenhemd (05/89) und der schwarzen Hose (5/91) dokumentieren präzise diesen historischen Wendepunkt, in dem die Sowjetunion sich aufzulösen begann.

Die Baltische Flotte (russisch: Балтийский флот) gehörte zu den ältesten und prestigeträchtigsten Flottenverbänden der sowjetischen Marine. Mit Hauptstützpunkten in Kaliningrad (ehemals Königsberg) und Kronstadt bei Leningrad (heute Sankt Petersburg) spielte sie eine zentrale Rolle in der sowjetischen Marineverteidigung der Ostsee. Während des Kalten Krieges war die Baltische Flotte direkt an der Grenze zum NATO-Gebiet stationiert und hatte strategische Bedeutung für die Kontrolle der Ostsee-Zugänge.

Die sowjetische Marinetracht für Mannschaftsdienstgrade folgte einer langen Tradition, die bis zur zaristischen Marine zurückreichte. Das charakteristische Matrosenhemd (russisch: тельняшка, Telnjashka) mit den horizontalen Streifen war nicht nur Dienstkleidung, sondern wurde zum Symbol der sowjetischen Marine schlechthin. Die Telnjashka hatte weiße und dunkelblaue Streifen und wurde sowohl als Unterwäsche als auch als sichtbarer Teil der Uniform getragen. Die Tradition dieser gestreiften Hemden geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als sie in verschiedenen europäischen Marinen eingeführt wurden.

Die Tellermütze (russisch: бескозырка, Beskosyrka - wörtlich “ohne Schirm”) war die charakteristische Kopfbedeckung der sowjetischen Matrosen. Sie bestand aus einem flachen, runden Deckel mit einem Band, das den Namen der Flotte oder des Schiffes trug. Bei der Baltischen Flotte war dies typischerweise “Балтийский флот” in goldenen kyrillischen Buchstaben auf schwarzem Band. Die Form dieser Mütze hatte sich seit der Zarenzeit kaum verändert und blieb ein unverwechselbares Merkmal der russischen Marinetradition.

Das Koppel (Gürtel mit Schnalle) vervollständigte die Uniform und diente praktischen sowie repräsentativen Zwecken. Die sowjetische Marine legte großen Wert auf die korrekte und disziplinierte Tragweise der Uniform, was in zahlreichen Vorschriften festgelegt war.

Die Wechselkragen (воротник) waren ein besonderes Merkmal der Marineuniform. Diese abnehmbaren Matrosenkragen in dunkler Farbe mit weißen Streifen konnten gewechselt und separat gereinigt werden. Sie folgten dem traditionellen Design europäischer Marineuniformen und waren praktisch sowie symbolisch bedeutsam.

Die Datierung dieses Ensembles (1989-1991) macht es zu einem besonderen zeithistorischen Zeugnis. Im Mai 1989, als das Hemd gestempelt wurde, befand sich die Sowjetunion bereits in der Perestroika-Ära unter Michail Gorbatschow. Die politischen und wirtschaftlichen Reformen hatten weitreichende Auswirkungen auf alle sowjetischen Institutionen, einschließlich der Streitkräfte. Die Stempelung der Hose im Mai 1991 erfolgte nur wenige Monate vor dem gescheiterten Augustputsch 1991 und der anschließenden Auflösung der Sowjetunion im Dezember 1991.

Für die Baltische Flotte bedeutete diese Periode erhebliche Veränderungen. Mit der Unabhängigkeit der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen im Jahr 1991 verlor die Sowjetunion bzw. das nachfolgende Russland wichtige Stützpunkte und musste seine Marinepräsenz in der Region neu organisieren. Die Flotte wurde schließlich zur russischen Baltischen Flotte und konzentrierte sich hauptsächlich auf die Exklave Kaliningrad.

Die Herstellung und Verteilung sowjetischer Militäruniformen erfolgte über ein zentralisiertes System. Die Stempelungen auf den Kleidungsstücken dokumentierten Herstellungsdatum, Größe und oft auch den Produktionsort. Diese Stempel sind heute wichtige Quellen für die Datierung und Authentifizierung historischer Uniformstücke.

Der Erhaltungszustand 2- deutet darauf hin, dass dieses Ensemble in sehr gutem bis ausgezeichnetem Zustand erhalten ist, mit möglicherweise minimalen Gebrauchsspuren. Dies ist bemerkenswert für Uniformteile aus dieser turbulenten Übergangszeit, in der viele militärische Ausrüstungsgegenstände verloren gingen, verkauft oder entsorgt wurden.

Heute sind solche vollständigen Uniformensembles aus der Endphase der Sowjetunion von erheblichem militärhistorischem und sammlerischen Wert. Sie dokumentieren nicht nur die materielle Kultur der sowjetischen Marine, sondern auch einen welthistorischen Wendepunkt - das Ende des Kalten Krieges und den Zusammenbruch einer Supermacht.