Elsass-Lothringen - Deutsche Volksgemeinschaft Westmark ( Lothringen ) ( DVG )

Mitgliedsabzeichen, an Nadel, Hersteller : W. Redo Saarlautern, Zustand 2.
467521
€ 200,00

Elsass-Lothringen - Deutsche Volksgemeinschaft Westmark ( Lothringen ) ( DVG )

Das Mitgliedsabzeichen der Deutschen Volksgemeinschaft Westmark (DVG) stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Besatzungspolitik in Elsass-Lothringen während des Zweiten Weltkriegs dar. Dieses spezielle Abzeichen wurde vom Hersteller W. Redo aus Saarlouis produziert und dokumentiert die organisatorischen Strukturen, die das NS-Regime in den annektierten französischen Gebieten etablierte.

Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich im Juni 1940 wurden Elsass und Lothringen faktisch dem Deutschen Reich angegliedert, ohne dass dies völkerrechtlich jemals formalisiert wurde. Die Region Lothringen wurde zusammen mit der Pfalz und dem Saarland zur Westmark zusammengefasst, einem Verwaltungsbezirk unter der Leitung von Gauleiter Josef Bürckel. Nach Bürckels Tod im September 1944 übernahm Willi Stöhr diese Position.

Die Deutsche Volksgemeinschaft Westmark wurde als Instrument der Germanisierungspolitik eingesetzt. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die lokale Bevölkerung zu erfassen, zu kontrollieren und ideologisch im Sinne des Nationalsozialismus zu beeinflussen. Die Organisation sollte die “deutschstämmigen” Bewohner Lothringens in die nationalsozialistische Volksgemeinschaft integrieren und gleichzeitig französische Einflüsse systematisch zurückdrängen.

Das Mitgliedsabzeichen diente als sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zur DVG und damit zur deutschen Herrschaftsordnung. Träger solcher Abzeichen demonstrierten ihre Loyalität zum NS-Regime und ihre Akzeptanz der deutschen Annexion. Die Herstellung durch W. Redo in Saarlouis unterstreicht die wirtschaftliche Integration der Region in das Deutsche Reich, da Saarlouis selbst Teil der Westmark war und lokale Unternehmen in die Produktion von NS-Symbolik eingebunden wurden.

Die Besatzungspolitik in Lothringen war von systematischer Zwangsgermanisierung geprägt. Dies umfasste die Einführung der deutschen Sprache als alleinige Amts- und Unterrichtssprache, die Umbenennung von Orten und Straßen, die Einführung deutschen Rechts und die Eingliederung der männlichen Bevölkerung in die Wehrmacht. Zwischen 1942 und 1944 wurden etwa 100.000 Lothringer zwangsweise in die deutsche Armee eingezogen, die sogenannten “Malgré-nous” (Gegen unseren Willen).

Organisationen wie die DVG spielten eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung dieser Politik. Sie organisierten ideologische Schulungen, überwachten die Bevölkerung und meldeten “unzuverlässige” Elemente an die Gestapo. Mitglieder erhielten bestimmte Privilegien, während Nicht-Mitglieder mit Repressalien rechnen mussten. Das Tragen des Mitgliedsabzeichens konnte daher sowohl aus Überzeugung als auch aus opportunistischen Gründen oder unter Zwang erfolgen.

Die Herstellermarkierung “W. Redo Saarlautern” ermöglicht eine regionale Zuordnung. Saarlouis (zeitweise Saarlautern genannt) war ein wichtiges Zentrum der Westmark und beherbergte verschiedene Betriebe, die für die NS-Organisationen produzierten. Solche Herstellermarkierungen sind für die historische Forschung von Bedeutung, da sie Aufschluss über Produktionsnetzwerke und wirtschaftliche Strukturen im NS-Staat geben.

Nach der Befreiung durch alliierte Truppen im Jahr 1944/45 kehrte Elsass-Lothringen zu Frankreich zurück. Die Aufarbeitung der deutschen Besatzungszeit gestaltete sich schwierig. Viele Bewohner hatten unter Zwang mit den deutschen Behörden kooperiert, während andere aktiven Widerstand geleistet hatten. Das Schicksal der Zwangsrekrutierten wurde erst Jahrzehnte später angemessen gewürdigt.

Heute sind Objekte wie dieses Mitgliedsabzeichen wichtige historische Quellen, die die komplexe Geschichte der deutsch-französischen Grenzregion dokumentieren. Sie erinnern an eine Zeit der Unterdrückung, Zwangsgermanisierung und des Leidens der lokalen Bevölkerung. Museen und Gedenkstätten in der Region bewahren solche Zeugnisse, um die Erinnerung wachzuhalten und zur historischen Bildung beizutragen.

Das Abzeichen steht exemplarisch für die Instrumentalisierung von Symbolen und Organisationen durch das NS-Regime zur Durchsetzung seiner Herrschaft in besetzten Gebieten. Es dokumentiert die systematische Versuche, regionale Identitäten auszulöschen und durch eine gleichgeschaltete nationalsozialistische Volksgemeinschaft zu ersetzen.