Elsass-Lothringen - Deutsche Volksgemeinschaft Westmark ( Lothringen ) ( DVG )

Mitgliedsabzeichen, an Nadel, Hersteller : W. Redo Saarlautern, Zustand 2.
467522
€ 200,00

Elsass-Lothringen - Deutsche Volksgemeinschaft Westmark ( Lothringen ) ( DVG )

Deutsche Volksgemeinschaft Westmark (DVG) - Mitgliedsabzeichen aus Elsass-Lothringen

Das Mitgliedsabzeichen der Deutschen Volksgemeinschaft Westmark (DVG) aus Lothringen stellt ein bedeutendes zeithistorisches Dokument der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik in den annektierten Gebieten Elsass und Lothringen während des Zweiten Weltkriegs dar. Hergestellt von W. Redo aus Saarlauten, repräsentiert dieses Abzeichen die systematischen Bemühungen des NS-Regimes, die nach der deutschen Besetzung Frankreichs im Jahr 1940 zurückgewonnenen Gebiete ideologisch und organisatorisch in das Deutsche Reich zu integrieren.

Historischer Hintergrund der Westmark

Nach dem deutschen Sieg über Frankreich im Juni 1940 wurden Elsass und Lothringen de facto wieder dem Deutschen Reich angegliedert, ohne dass dies völkerrechtlich formalisiert wurde. Die beiden Gebiete, die Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg durch den Versailler Vertrag von 1919 hatte abtreten müssen, wurden nun administrativ mit den angrenzenden deutschen Gauen verschmolzen. Das Elsass wurde mit Baden zum Gau Oberrhein vereinigt, während Lothringen zusammen mit der Saarpfalz den Gau Westmark bildete, der von Gauleiter Josef Bürckel und später von Willy Simon geleitet wurde.

Der Begriff “Westmark” selbst war eine nationalsozialistische Wortschöpfung, die die vermeintliche germanische Grenzland-Identität dieser Region betonen sollte. Die Bezeichnung sollte historische Kontinuität suggerieren und die Annexion legitimieren.

Die Deutsche Volksgemeinschaft Westmark

Die Deutsche Volksgemeinschaft (DVG) wurde als Organisation gegründet, um die deutschstämmige Bevölkerung in Lothringen zu erfassen und nationalsozialistisch auszurichten. Im Gegensatz zur NSDAP, die zunächst in den annektierten Gebieten nicht unmittelbar ihre volle Parteistruktur etablierte, diente die DVG als Vorfeldorganisation und Sammelbecken für die als “deutschstämmig” klassifizierte Bevölkerung.

Die Organisation hatte mehrere Funktionen: Sie sollte die ideologische Schulung der Bevölkerung übernehmen, die Germanisierungspolitik unterstützen und die Bewohner auf ihre Integration in das nationalsozialistische Gesellschaftssystem vorbereiten. Mitglieder der DVG wurden nach ihrer “rassischen” Zuverlässigkeit und ihrer Deutschfreundlichkeit ausgewählt. Die Zugehörigkeit zur DVG konnte erhebliche praktische Vorteile mit sich bringen, einschließlich besserer Versorgung, Arbeitsplätze und Schutz vor Repressalien.

Das Mitgliedsabzeichen und seine Symbolik

Mitgliedsabzeichen wie das vorliegende dienten im nationalsozialistischen System mehreren Zwecken. Sie waren sichtbare Zeichen der Zugehörigkeit zur “Volksgemeinschaft”, ermöglichten die Identifikation von Mitgliedern und schufen ein Gefühl der Exklusivität und Privilegierung. Das Tragen solcher Abzeichen war oft bei offiziellen Anlässen, Versammlungen und Veranstaltungen der Organisation vorgeschrieben.

Die Herstellung durch W. Redo in Saarlauten (heute Saarlouis) ist bezeichnend, da diese Stadt im Zentrum des Gau Westmark lag und während der NS-Zeit ein wichtiger Produktionsstandort für Parteiabzeichen und Auszeichnungen war. Die professionelle Fertigung durch spezialisierte Hersteller zeigt die systematische Organisation des NS-Abzeichenwesens.

Germanisierungspolitik in Lothringen

Die Aktivitäten der DVG waren eingebettet in eine umfassende Germanisierungspolitik. Diese umfasste die Umbenennung französischer Ortsnamen, das Verbot der französischen Sprache, die Einführung deutscher Schulcurricula, die Ansiedlung deutscher Beamter und die Ausweisung als “unerwünscht” klassifizierter Personen. Etwa 70.000 bis 100.000 Menschen wurden aus Lothringen vertrieben, darunter französischsprachige Einwohner, Juden und politische Gegner.

Die Bevölkerung wurde nach der Deutschen Volksliste in vier Kategorien eingeteilt, die den Grad ihrer “deutschen Volkszugehörigkeit” bestimmen sollten. Diese Klassifizierung hatte weitreichende Konsequenzen für Bürgerrechte, Wehrpflicht und wirtschaftliche Möglichkeiten.

Ende der DVG und Nachkriegszeit

Mit dem Vorrücken der alliierten Truppen im Herbst 1944 endete die deutsche Herrschaft über Elsass und Lothringen. Die DVG wurde aufgelöst, und ihre Mitglieder sahen sich nach der Befreiung häufig Vorwürfen der Kollaboration ausgesetzt. Die Nachkriegsjustiz in Frankreich behandelte die Mitgliedschaft in solchen Organisationen unterschiedlich, abhängig vom Grad der aktiven Beteiligung und der Umstände des Beitritts.

Sammlergeschichtliche Bedeutung

Heute sind Abzeichen der DVG seltene zeithistorische Objekte, die die komplexe Geschichte der deutsch-französischen Grenzregionen dokumentieren. Sie erinnern an eine dunkelste Periode der Besatzung, Zwangsgermanisierung und ideologischen Manipulation. Für die historische Forschung bieten solche Artefakte wichtige materielle Zeugnisse der nationalsozialistischen Organisationsstrukturen in den annektierten Gebieten und der Versuche, regionale Identitäten zu unterdrücken und umzuformen.