Elastolin - Heer Pfeifer marschierend

7 cm, Zustand 2.
345323
15,00

Elastolin - Heer Pfeifer marschierend

Die Elastolin-Figur eines marschierenden Heeres-Pfeifers aus der Zeit des Dritten Reiches repräsentiert ein faszinierendes Beispiel deutscher Spielzeugherstellung und militärischer Alltagskultur der 1930er und 1940er Jahre. Diese 7 cm große Figur wurde von der Firma Hausser in Ludwigsburg hergestellt, die unter dem Markennamen Elastolin weltberühmt wurde.

Die O. & M. Hausser KG wurde 1904 gegründet und entwickelte sich zu einem der führenden Hersteller von Massefiguren in Deutschland. Der Name “Elastolin” bezeichnete das patentierte Material, eine Mischung aus Leim, Kreide, Glycerin, Öl und Kaolin, das über einen Drahtkern modelliert wurde. Diese Technik ermöglichte die Herstellung detailreicher, aber dennoch robuster Figuren, die sich ideal für Kinderspiele eigneten. Im Gegensatz zu den zerbrechlicheren Bleisoldaten waren Elastolin-Figuren widerstandsfähiger gegen die Beanspruchung des täglichen Spielens.

Der Pfeifer spielte in der militärischen Hierarchie und Tradition der Wehrmacht eine besondere Rolle. In den Infanterie-Regimentern gehörten Pfeifer und Trommler zum Musikzug, der nicht nur für die musikalische Untermalung von Paraden und Aufmärschen zuständig war, sondern auch eine wichtige Funktion bei der Signalgebung hatte. Die Marschmusik diente der Truppenführung und der Aufrechterhaltung der Moral.

Die Darstellung als marschierende Figur entspricht der typischen militärischen Haltung dieser Zeit. Die Wehrmacht legte großen Wert auf das präzise Marschieren in Formation, was durch die Heeresdienstvorschrift (H.Dv.) genau geregelt war. Die Uniform des Pfeifers entsprach grundsätzlich der regulären Heeresuniform mit feldgrauem Rock und entsprechenden Abzeichen, wobei Musiker oft zusätzliche Distinktionsmerkmale wie Schwalbennester (Flügelabzeichen) an den Schultern trugen.

Die Produktion militärischer Spielzeugfiguren durch Elastolin erreichte in den 1930er Jahren ihren Höhepunkt. Die Firma stellte umfangreiche Serien von Wehrmacht-Soldaten, aber auch Figuren aus anderen Epochen her. Diese Figuren dienten nicht nur als Spielzeug, sondern auch der Propaganda und der Militarisierung der Jugend im nationalsozialistischen Deutschland. Kinder sollten durch das Spiel mit Soldatenfiguren an militärische Werte und Gehorsam herangeführt werden.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion zunehmend eingeschränkt, da Rohstoffe und Arbeitskräfte für die Rüstungsindustrie benötigt wurden. Nach 1942 kam die zivile Spielzeugproduktion weitgehend zum Erliegen. Die Fabrik in Ludwigsburg wurde 1945 durch Luftangriffe teilweise zerstört.

Nach dem Krieg wurde die Produktion unter alliierter Kontrolle wieder aufgenommen, allerdings zunächst ohne militärische Figuren. Erst in den 1950er Jahren begann Hausser wieder mit der Herstellung von Soldatenfiguren, nun aber mit Darstellungen aus anderen historischen Epochen oder neutraleren Themen. Die Wehrmacht-Figuren aus der Vorkriegs- und Kriegszeit wurden zu gesuchten Sammlerobjekten.

Der Zustand 2 dieser Figur deutet auf eine sehr gute Erhaltung hin, wobei möglicherweise geringe Gebrauchsspuren oder minimale Farbabnutzungen vorhanden sind. In der Sammlerterminologie bezeichnet Zustand 1 eine nahezu perfekte Erhaltung, während Zustand 2 eine sehr gute Erhaltung mit nur geringfügigen Mängeln bedeutet.

Heute sind Elastolin-Figuren aus der Zeit des Dritten Reiches umstrittene Sammlerobjekte. Sie dokumentieren einerseits die Spielzeuggeschichte und das militärische Leben der Zeit, werden aber andererseits kritisch betrachtet aufgrund ihrer Verbindung zur NS-Propaganda. Sammler und Museen müssen diese Objekte im historischen Kontext präsentieren und ihre problematische Herkunft reflektieren.

Die handwerkliche Qualität und Detailtreue der Elastolin-Figuren macht sie zu wertvollen Studienobjekten für Militärhistoriker, die an der Uniformkunde und den Darstellungsweisen der Wehrmacht interessiert sind. Sie bieten Einblicke in die materielle Kultur des Dritten Reiches und die Rolle der Kindererziehung in der nationalsozialistischen Gesellschaft.