III. Reich Sturmgepäck für Parteiverbände 

privat beschafft, mit Herstellerstempel " DRGMa Hochburg" und Abnahmestempel der HJ " Hitler Jugend ... ... Bann 359", Zustand 2-3  
415823
200,00

III. Reich Sturmgepäck für Parteiverbände 

Das Sturmgepäck der nationalsozialistischen Parteiverbände stellt ein bedeutendes Ausrüstungsstück der vormilitärischen Organisationen des Dritten Reiches dar. Diese spezielle Form des Gepäcks wurde hauptsächlich von der Hitler-Jugend (HJ), dem Reichsarbeitsdienst (RAD) und anderen Parteigliederungen verwendet und unterschied sich in Material, Herstellung und Qualität deutlich von der standardisierten Wehrmacht-Ausrüstung.

Die Entwicklung des Sturmgepäcks für Parteiverbände erfolgte ab Mitte der 1930er Jahre im Kontext der zunehmenden Militarisierung der NS-Jugend- und Parteiorganisationen. Während die Wehrmacht über standardisierte Ausrüstungsgegenstände verfügte, die zentral beschafft und verteilt wurden, gestaltete sich die Versorgung der Parteiverbände weitaus dezentraler. Ein wesentliches Merkmal vieler dieser Ausrüstungsstücke war die private Beschaffung, bei der Mitglieder oder lokale Einheiten die Gegenstände selbst erwerben mussten.

Der Herstellerstempel “DRGMa Hochburg” verweist auf das Deutsches Reichsgebrauchsmuster, eine Form des gewerblichen Schutzrechts, das zwischen 1891 und 1945 in Deutschland existierte. Die Abkürzung “DRGM” oder “DRGMa” findet sich auf zahlreichen Produkten dieser Epoche und kennzeichnete geschützte Gebrauchsmuster. Die Firma “Hochburg” gehörte zu den zahlreichen mittleren und kleineren Herstellern, die Ausrüstungsgegenstände für Parteiorganisationen produzierten.

Besonders aufschlussreich ist der Abnahmestempel der Hitler-Jugend mit der Bezeichnung “Bann 359”. Die Hitler-Jugend war in eine streng hierarchische Gebietsstruktur gegliedert. Die Organisationsstruktur umfasste von unten nach oben: Kameradschaft, Schar, Gefolgschaft, Stamm, Bann, Gebiet und schließlich die Reichsjugendführung. Ein Bann war eine mittlere Verwaltungseinheit, die typischerweise mehrere tausend Mitglieder umfasste und einem Landkreis oder größeren Stadtbezirk entsprach. Der Bann 359 war für die Abnahme und Qualitätskontrolle der für seine Einheiten beschafften Ausrüstung verantwortlich.

Die private Beschaffung von Ausrüstungsgegenständen war in der Hitler-Jugend weit verbreitet, insbesondere bei Uniformteilen und Trageausrüstung. Während die Organisation theoretisch eine Vereinheitlichung anstrebte, führte die dezentrale Beschaffungspraxis zu erheblichen Qualitäts- und Materialunterschieden. Wohlhabendere Familien konnten hochwertigere Stücke erwerben, während ärmere Mitglieder oft mit minderwertigen Ausführungen auskommen mussten. Dies stand im Widerspruch zum propagierten Ideal der “Volksgemeinschaft”, spiegelte aber die wirtschaftlichen Realitäten des NS-Staates wider.

Das Sturmgepäck selbst diente zur Aufnahme persönlicher Ausrüstung bei Märschen, Geländeübungen und Lagern. Die HJ legte großen Wert auf vormilitärische Ausbildung, die Gewöhnheit an militärische Disziplin und körperliche Ertüchtigung. Mehrtägige Märsche und Zeltlager waren fester Bestandteil des HJ-Dienstes, besonders bei den älteren Jahrgängen der HJ (14-18 Jahre) und des Jungvolks (10-14 Jahre). Das Sturmgepäck musste daher praktisch und haltbar sein, auch wenn die Qualität stark variierte.

Ab 1936, mit der gesetzlichen Verpflichtung aller Jugendlichen zum HJ-Dienst durch das “Gesetz über die Hitler-Jugend” vom 1. Dezember 1936, stieg der Bedarf an Ausrüstungsgegenständen drastisch an. Die Mitgliederzahl wuchs von etwa 5,4 Millionen im Jahr 1936 auf über 8 Millionen im Jahr 1939. Diese massive Expansion stellte sowohl die Parteiorganisation als auch die Herstellerfirmen vor enorme logistische Herausforderungen.

Die Zustandsangabe 2-3 deutet nach gängiger Sammlerbewertung auf einen gut bis befriedigend erhaltenen Gegenstand hin, der Gebrauchsspuren aufweist, aber keine schweren Beschädigungen zeigt. Solche Stücke sind heute begehrte Sammlerobjekte für Militaria-Sammler und historische Institutionen, da sie authentische Zeugnisse der NS-Zeit darstellen und Einblick in die materielle Kultur der Parteiorganisationen geben.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit solchen Objekten dient dem historischen Verständnis der Durchdringung der Gesellschaft durch nationalsozialistische Organisationen und der Militarisierung der Jugend im Dritten Reich. Sie dokumentieren die umfassende Vorbereitung einer ganzen Generation auf den Kriegseinsatz und sind damit wichtige Quellen für die Erforschung der NS-Herrschaft und ihrer Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft.

r