Preußen Pickelhaube für Mannschaften im Füsilier-Bataillon des Grenadier-Regiments König Wilhelm I. (2. Westpreußisches) Nr. 7 

Standort Liegnitz in Westpreußen. Kammerstück um 1910. Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen. Vorne der große Grenadieradler mit dem Bandeau «22 März 1797». Lederner Sturmriemen an Knopf 91, beide Kokarden. Innen gelaschtes Lederfutter, im Nackenschirm sehr schöne Kammerstempel «II G.R F.B. 1903» und «B.A.G. 1903» (Der Helm wurde dem Regiment vom Garde-Bekleidungsamt zur Verfügung gestellt) sowie die Größe «57». In schönem Originalzustand. Zustand 2. Sehr selten.


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Preußen Pickelhaube für Mannschaften im Füsilier-Bataillon des Grenadier-Regiments König Wilhelm I. (2. Westpreußisches) Nr. 7 

Die Pickelhaube des Grenadier-Regiments König Wilhelm I. (2. Westpreußisches) Nr. 7 repräsentiert einen der ikonischsten Helmtypen der preußischen und deutschen Militärgeschichte. Dieser spezifische Helm, der um 1910 gefertigt wurde, gehörte zum Füsilier-Bataillon des Regiments und trägt die charakteristischen Merkmale dieser Elite-Einheit.

Das Grenadier-Regiment Nr. 7 wurde am 22. März 1797 aufgestellt, ein Datum, das stolz auf dem Bandeau des Helms verewigt ist. Mit Standort in Liegnitz in der Provinz Schlesien (nicht Westpreußen, wie manchmal fälschlicherweise angegeben) gehörte das Regiment zum VI. Armeekorps der preußischen Armee. Der Name ehrte König Wilhelm I., den ersten deutschen Kaiser, der von 1861 bis 1888 regierte und die Einigung Deutschlands maßgeblich prägte.

Die Pickelhaube selbst wurde 1842 unter König Friedrich Wilhelm IV. eingeführt und sollte das preußische Militär bis zum Ersten Weltkrieg prägen. Der charakteristische Spitz oder "Pickel" diente ursprünglich dem Schutz vor Säbelhieben der Kavallerie und verlieh dem Träger eine imposante, einschüchternde Erscheinung. Der Lederhelm war praktischer und leichter als frühere Metallhelme, bot aber dennoch ausreichenden Schutz für Paraden und reguläre Dienste.

Der vorliegende Helm zeigt die typischen Merkmale eines Mannschaftshelms für Grenadiere. Der große Grenadieradler auf der Vorderplatte unterscheidet ihn von den Helmen anderer Infanterieeinheiten, die üblicherweise den kleineren Linien-Adler trugen. Grenadiere genossen seit dem 18. Jahrhundert besonderen Status als Elite-Infanterie, ursprünglich ausgewählt für ihre Größe und Stärke zum Werfen von Handgranaten. Obwohl diese Rolle im 19. Jahrhundert obsolet wurde, blieben die Grenadier-Regimenter prestigeträchtige Einheiten mit besonderen Auszeichnungen.

Die Beschläge des Helms sind aus weißem Metall gefertigt, charakteristisch für preußische Infanterie. Die beiden Kokarden – die schwarz-weiße preußische Reichskokarde und die schwarz-weiß-rote Reichskokarde – zeigen die doppelte Loyalität zum Königreich Preußen und zum Deutschen Kaiserreich. Der Sturmriemen aus Leder, befestigt an den Knöpfen der Form 91, diente dazu, den Helm bei schnellen Bewegungen oder im Sturmangriff zu sichern.

Besonders aufschlussreich sind die Kammerstempel im Inneren des Helms. Die Markierung "II G.R F.B. 1903" bezeichnet die zweite Kompanie des Füsilier-Bataillons des Grenadier-Regiments, während "B.A.G. 1903" für das Bekleidungsamt der Garde steht. Dies zeigt, dass der Helm 1903 vom zentralen Garde-Bekleidungsamt in Berlin beschafft und dem Regiment zugewiesen wurde – ein übliches Verfahren für die Versorgung preußischer Regimenter mit standardisierter Ausrüstung. Die Größenangabe "57" entspricht einem Kopfumfang von 57 Zentimetern.

Das Jahr 1903 fällt in die Regierungszeit Kaiser Wilhelms II., eine Periode intensiver militärischer Aufrüstung und wachsender Spannungen in Europa. Das preußische Militär befand sich auf dem Höhepunkt seiner organisatorischen Entwicklung, mit streng geregelten Uniformvorschriften und standardisierten Ausrüstungsgegenständen. Die Kammerstücke – Ausrüstungsgegenstände, die in den Regimentskammern aufbewahrt und nur für Dienst und Paraden ausgegeben wurden – wurden sorgfältig inventarisiert und gekennzeichnet.

Das Füsilier-Bataillon eines Grenadier-Regiments hatte eine besondere Stellung. Während die Grenadier-Kompanien traditionell die Flanken eines Regiments bildeten, bildete das Füsilier-Bataillon oft eine leichtere, beweglichere Reserve. Die Füsiliere stammten ursprünglich von den mit leichteren "Fusils" bewaffneten Soldaten des 17. Jahrhunderts ab.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 erwies sich die Pickelhaube als unpraktisch für den modernen Grabenkrieg. Der auffällige Spitz machte die Soldaten zu leichten Zielen, und der Lederhelm bot keinen ausreichenden Schutz gegen Artilleriesplitter. 1916 wurde die Pickelhaube durch den Stahlhelm ersetzt, eines der bekanntesten Symbole des Ersten Weltkriegs. Die Pickelhaube wurde jedoch für Paraden und zeremonielle Anlässe bis zum Ende der Monarchie 1918 beibehalten.

Heute sind Pickelhauben gesuchte Sammlerstücke, die ein vergangenes Zeitalter preußischer Militärtradition dokumentieren. Ein Helm wie dieser, mit vollständigen Beschlägen, originalen Stempeln und in gutem Erhaltungszustand, bietet wertvolle Einblicke in die materielle Kultur und Organisation des kaiserlichen deutschen Heeres vor dem Ersten Weltkrieg.