Lineol - Heer General mit Stahlhelm stehend auf Säbel stützend

7,5 cm, Zustand 2.
450524
50,00

Lineol - Heer General mit Stahlhelm stehend auf Säbel stützend

Die vorliegende Lineol-Figur eines stehenden Heeresgeneral mit Stahlhelm, der sich auf einen Säbel stützt, repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Spielzeugproduktion der 1930er und frühen 1940er Jahre. Mit einer Höhe von 7,5 cm gehört diese Figur zu den klassischen Elastolin- und Lineol-Masseserien, die das Bild militärischer Sammlerfiguren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägten.

Die Firma Lineol wurde 1906 von Oskar Wiederholz in Brandenburg an der Havel gegründet und entwickelte sich schnell zu einem der führenden Hersteller von Spielzeugsoldaten in Deutschland. Der Name “Lineol” leitet sich von “Linie-Elastolin” ab, wobei die Figuren aus einer speziellen Masse hergestellt wurden, die hauptsächlich aus Sägemehl, Leim, Kasein und Kreide bestand. Diese Komposition ermöglichte detaillierte Modellierungen und war gleichzeitig kostengünstiger als die traditionellen Bleifiguren.

Die Darstellung eines Generals der Wehrmacht mit Stahlhelm und Säbel spiegelt die militärische Hierarchie und Tradition der deutschen Streitkräfte wider. Der Stahlhelm Modell 35, der ab 1935 eingeführt wurde, löste das Modell 16 ab und zeichnete sich durch eine vereinfachte Form mit kürzeren Schirmen und besserem Tragekomfort aus. Generäle trugen den Stahlhelm jedoch in der Praxis selten, bevorzugten stattdessen die Schirmmütze als Zeichen ihres Ranges. Die Darstellung mit Stahlhelm in Spielzeugfiguren diente vielmehr der heroischen Stilisierung und der militärischen Ästhetik.

Der Säbel als Attribut hatte im 20. Jahrhundert längst seine praktische militärische Bedeutung verloren, blieb aber als Rangabzeichen und Zeremonialwaffe von großer symbolischer Bedeutung. Offiziere und Generäle der Wehrmacht führten verschiedene Typen von Blankwaffen, wobei der Heeres-Offizierssäbel nach der Vorschrift HDv 419 zum Waffenrock getragen wurde. Die Pose des auf den Säbel gestützten Generals vermittelt Autorität, Würde und militärische Tradition.

Während der NS-Zeit erlebte die Produktion militärischer Spielzeugfiguren einen enormen Aufschwung. Die Lineol-Fabrik produzierte nicht nur einfache Soldatenfiguren, sondern auch detaillierte Darstellungen verschiedener Waffengattungen, Fahrzeuge und prominenter Persönlichkeiten. Die Figuren dienten sowohl als Spielzeug für Kinder als auch zunehmend als Sammlerobjekte. Die Produktion wurde stark von der staatlichen Propaganda beeinflusst und sollte die Militarisierung der Gesellschaft unterstützen.

Die Qualität der Lineol-Figuren zeichnete sich durch sorgfältige Handbemalung und relativ genaue Uniformdetails aus. Die Zustandsbezeichnung “Zustand 2” nach gängiger Sammlerskala bedeutet, dass die Figur gut erhalten ist mit leichten Gebrauchsspuren, aber ohne größere Beschädigungen oder Farbverluste. Dies ist bemerkenswert, da die Massefiguren empfindlicher waren als ihre Gegenstücke aus Blei oder später aus Kunststoff.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Lineol-Produktion zunächst eingestellt, da die sowjetische Besatzungszone die Fabrik in Brandenburg erfasste. In den 1950er Jahren erfolgte eine Neugründung in Westdeutschland, doch die Produktion konzentrierte sich nun auf unpolitische Themen wie Wildwest-Szenen und Zirkusfiguren. Die militärischen Figuren aus der Vorkriegszeit wurden zu begehrten Sammlerobjekten.

Heute werden Lineol-Figuren intensiv von Sammlern gesucht und wissenschaftlich dokumentiert. Sie dienen als kulturhistorische Quellen, die Einblicke in die Spielzeugkultur, militärische Ikonographie und gesellschaftliche Verhältnisse der 1930er und 1940er Jahre geben. Museen wie das Spielzeugmuseum Nürnberg oder das Zinnfigurenmuseum in Kulmbach bewahren umfangreiche Sammlungen dieser Objekte.

Die wissenschaftliche Betrachtung solcher Objekte erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit ihrer Entstehungszeit und ihrer Rolle in der nationalsozialistischen Erziehung und Propaganda. Gleichzeitig sind sie wertvolle Zeugnisse handwerklicher Fertigkeit und dokumentieren die Entwicklung der deutschen Spielzeugindustrie.