1. Weltkrieg Fliegertruppe - Originalunterschrift des Pour le Mérite Trägers Leutnant Otto Bernert
Die vorliegende Sanke-Fotokarte Nr. 521 mit der Originalunterschrift des Leutnants Otto Bernert repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Fliegertruppe des Ersten Weltkriegs und der zeitgenössischen Heldenverehrung militärischer Fliegerasse.
Die Sanke-Postkarten wurden von dem Berliner Fotografen und Verleger Gustav Liersch unter dem Handelsnamen Photochemie Sanke herausgegeben. Zwischen 1914 und 1918 produzierte das Unternehmen über 600 verschiedene Motive deutscher Flieger, U-Boot-Kommandanten und anderer Militärhelden. Diese Postkarten wurden in enormen Auflagen gedruckt und dienten der Hebung der Moral an der Heimatfront sowie der Popularisierung der neuen Waffengattung der Luftstreitkräfte.
Leutnant Otto Bernert war ein erfolgreicher deutscher Jagdflieger und Träger des Pour le Mérite, des höchsten preußischen Militärordens. Der Pour le Mérite, volkstümlich auch “Blauer Max” genannt, wurde im Ersten Weltkrieg ausschließlich an Offiziere verliehen, die außergewöhnliche militärische Leistungen erbracht hatten. Bei den Fliegertruppen war die Verleihung üblicherweise an eine bestimmte Anzahl bestätigter Luftsiege gebunden, wobei die erforderliche Zahl im Kriegsverlauf variierte.
Die deutsche Fliegertruppe entwickelte sich während des Ersten Weltkriegs von einer zunächst hauptsächlich zur Aufklärung eingesetzten Hilfswaffe zu einer eigenständigen und hochspezialisierten Waffengattung. Zu Kriegsbeginn 1914 verfügte Deutschland über etwa 230 Flugzeuge; bis Kriegsende 1918 waren es mehrere tausend in verschiedenen Verbänden organisierte Maschinen. Die Jagdflieger (Jagdstaffeln oder Jastas) gewannen dabei besondere öffentliche Aufmerksamkeit.
Die Praxis der Autogrammkarten war im Ersten Weltkrieg weit verbreitet. Erfolgreiche Flieger wurden zu Volkshelden stilisiert, deren Portraits und Unterschriften begehrt waren. Sanke-Karten mit Originalunterschriften wurden oft direkt von den Piloten signiert und dann an Bewunderer, Sammler oder Familienangehörige weitergegeben. Solche signierten Exemplare sind heute deutlich seltener als unsignierte Karten und werden von Sammlern besonders geschätzt.
Die Bezeichnung “Unser erfolgreicher Kampf-Flieger” auf der Karte spiegelt die propagandistische Funktion dieser Materialien wider. Die Luftkriegsführung war eine neue, technologisch fortschrittliche und öffentlichkeitswirksame Form der Kriegführung. Anders als die anonyme Massenvernichtung in den Schützengräben konnten einzelne Piloten identifiziert, heroisiert und zur Identifikationsfigur gemacht werden. Namen wie Manfred von Richthofen, Oswald Boelcke oder Max Immelmann wurden zu Legenden.
Die fotografische Qualität der Sanke-Karten war für ihre Zeit bemerkenswert. Die Portraits zeigen die Flieger meist in Uniform mit ihren Auszeichnungen, oft in professionellen Studioaufnahmen. Diese Bilder sollten sowohl die Tapferkeit als auch die Professionalität der deutschen Luftstreitkräfte vermitteln. Die standardisierte Nummerierung der Karten ermöglicht heute eine systematische Katalogisierung dieser historischen Dokumente.
Der Zustand 2 der vorliegenden Karte deutet auf eine sehr gute Erhaltung hin. In der militärhistorischen Sammlungspraxis bezeichnet dies ein Objekt mit minimalen Gebrauchsspuren, das seine ursprüngliche Qualität weitgehend bewahrt hat. Die Tintenunterschrift ist ein authentisches zeitgenössisches Element, das den dokumentarischen Wert erheblich steigert.
Solche Autogrammkarten sind heute wichtige Quellen für die Militärgeschichte und die Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs. Sie dokumentieren nicht nur die Personen und ihre militärischen Leistungen, sondern auch die zeitgenössische Wahrnehmung und Inszenierung von Krieg und Heldentum. Die Sanke-Sammlung als Ganzes bildet ein umfassendes visuelles Archiv der deutschen Militärelite der Jahre 1914-1918.