Großherzogtum Hessen Artillerie Faschinenmesser um 1855 .

Saubere und ungekürzte Klinge, mit mittiger Spitze und breiter Hohlkehle, auf der Fehlschärfe der hessische Löwen und Waffennummer "972." gestempelt, einteiliges Messinggefäß, die Parierstange gerade und in eckig endend, gestempelt "GH" und "E.4.II.12, mit Scheide, diese nicht markiert, etwas geschrumpft, sonst sehr gut erhalten. Zustand 2
464928
1.600,00

Großherzogtum Hessen Artillerie Faschinenmesser um 1855 .

Das Faschinenmesser der Großherzogtum Hessen Artillerie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts repräsentiert einen wichtigen Übergangstyp in der Entwicklung militärischer Blankwaffen. Diese Waffen, die um 1855 eingeführt wurden, dienten der Artillerie nicht primär als Kampfwaffe, sondern als vielseitiges Werkzeug für technische und logistische Aufgaben.

Das Großherzogtum Hessen, offiziell Großherzogtum Hessen und bei Rhein, war nach dem Wiener Kongress von 1815 ein bedeutender deutscher Mittelstaat. Die militärische Organisation des Großherzogtums wurde im 19. Jahrhundert mehrfach reformiert, wobei die Artillerie als technische Waffengattung besondere Bedeutung erlangte. Die hessische Armee unterhielt mehrere Artillerieregimenter, die nach den militärischen Standards der Zeit ausgerüstet wurden.

Der Begriff “Faschinenmesser” leitet sich von den Faschinen ab, Reisig- oder Rutenbündeln, die im Festungsbau und bei der Feldarbeit verwendet wurden. Diese Messer dienten zum Schneiden von Ästen, Zurichten von Holz für Schanzbauarbeiten, zur Herstellung von Palisaden und anderen technischen Arbeiten. In der Artillerie waren solche Werkzeuge besonders wichtig für die Vorbereitung von Geschützstellungen und den Wegebau.

Die Kennzeichnung auf der Fehlschärfe mit dem hessischen Löwen ist charakteristisch für Waffen aus dem Großherzogtum. Der hessische Löwe, ein rotgoldener gekrönter Löwe mit roten Krallen auf silbernem Grund, war das Wappentier der Ludowinger und später der hessischen Fürstenhäuser. Diese Markierung diente der eindeutigen Identifizierung als Staatseigentum und Militärausrüstung.

Die Stempelung “GH” steht für “Großherzogtum Hessen” und war eine übliche Kennzeichnung für militärisches Eigentum. Die zusätzliche Markierung “E.4.II.12” deutet auf eine spezifische militärische Organisationsstruktur hin, wobei solche Codes typischerweise die Zuordnung zu Kompanien, Batterien oder Ausrüstungschargen dokumentierten. Die Waffennummer “972” ermöglichte die Nachverfolgung einzelner Stücke in den militärischen Registern.

Die Konstruktion mit einteiligem Messinggefäß war in dieser Epoche weit verbreitet. Messing bot mehrere Vorteile: Es war korrosionsbeständiger als Eisen, leichter zu bearbeiten und verlieh der Waffe ein repräsentatives Aussehen. Die gerade Parierstange mit eckigen Enden entsprach dem funktionalen Design der Zeit, das auf Praktikabilität und Robustheit ausgerichtet war.

Die breite Hohlkehle auf der Klinge diente der Gewichtsreduzierung ohne wesentliche Einbuße an Stabilität. Diese konstruktive Lösung war bei Hiebwaffen und großen Messern des 19. Jahrhunderts Standard. Die mittige Spitze ermöglichte vielseitige Einsatzmöglichkeiten, sowohl für Stich- als auch für Schneidarbeiten.

Die Periode um 1855 war eine Zeit grundlegender Veränderungen im europäischen Militärwesen. Der Krimkrieg (1853-1856) demonstrierte die Bedeutung moderner Artillerie und technischer Ausrüstung. Die deutschen Staaten, einschließlich Hessens, modernisierten ihre Armeen und standardisierten die Ausrüstung nach zeitgenössischen Erkenntnissen.

Die Artillerie des Großherzogtums Hessen wurde später in die Strukturen des Norddeutschen Bundes (1866) und schließlich des Deutschen Kaiserreichs (1871) integriert. Nach der Reichsgründung wurden die hessischen Truppenteile als XXV. Armeekorps in die Reichsarmee eingegliedert, behielten aber zunächst ihre traditionellen Uniformen und teilweise auch Ausrüstungsgegenstände.

Faschinenmesser dieser Art blieben bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Verwendung, wurden dann aber zunehmend durch spezialisierte Werkzeuge und Pionierausrüstung ersetzt. Sie repräsentieren eine Epoche, in der die Grenze zwischen Waffe und Werkzeug bei militärischen Blankwaffen noch fließend war.

Für Sammler und Militärhistoriker sind hessische Militaria dieser Periode von besonderem Interesse, da sie die militärische Kultur eines deutschen Mittelstaates vor der Reichsgründung dokumentieren. Die Erhaltung mit originaler Scheide, auch wenn diese Gebrauchsspuren aufweist, erhöht den historischen Wert erheblich, da Scheiden häufig verloren gingen oder ersetzt wurden.

r