III. Reich Fotokonvolut, Reitturnier mit SA-Führer Joachim Meyer-Quade
Diese Fotosammlung dokumentiert ein Reitturnier aus der Zeit des Dritten Reiches unter Beteiligung von SA-Führer Joachim Meyer-Quade. Die etwa 18 Fotografien bieten einen Einblick in die Verbindung zwischen traditionellem Reitsport und nationalsozialistischer Organisationskultur während der 1930er und frühen 1940er Jahre.
Die Sturmabteilung (SA), gegründet 1921, war die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP. Nach der Machtübernahme 1933 und besonders nach dem sogenannten Röhm-Putsch vom 30. Juni 1934 verlor die SA zwar ihre ursprüngliche politische Bedeutung, blieb aber als Massenorganisation mit mehreren Millionen Mitgliedern bestehen. Die SA-Führung pflegte ein militärisches Selbstverständnis und orientierte sich in ihren gesellschaftlichen Aktivitäten an traditionellen Werten des deutschen Offizierskorps, wozu auch der Reitsport gehörte.
Der Pferdesport hatte in Deutschland eine lange Tradition und galt als Domäne des Adels und des Offizierskorps. Im Dritten Reich wurde der Reitsport systematisch gefördert und in die nationalsozialistische Gesellschaftsordnung integriert. Reitturniere dienten nicht nur sportlichen Zwecken, sondern auch der Repräsentation und der Pflege eines elitären Selbstverständnisses innerhalb der NS-Organisationen. Die SA, aber auch die SS und die Wehrmacht, unterhielten eigene Reiterstaffeln und Reitschulen.
Fotografische Dokumentationen von Reitturnieren mit SA-Beteiligung waren in der Zeit zwischen 1933 und 1945 nicht ungewöhnlich. Sie zeigen häufig SA-Führer in Uniform bei Dressur- oder Springwettbewerben, oftmals im Rahmen von lokalen oder regionalen Veranstaltungen. Diese Ereignisse wurden genutzt, um die Verbundenheit der NS-Organisationen mit traditionellen deutschen Werten zu demonstrieren und gleichzeitig die physische Ertüchtigung und militärische Disziplin zu betonen.
Die SA-Uniform auf solchen Veranstaltungen war ein wichtiges Erkennungsmerkmal. SA-Führer trugen typischerweise das braune Hemd mit entsprechenden Rangabzeichen, Koppelschloss mit der Aufschrift “Alles für Deutschland”, Schulterklappen und bei besonderen Anlässen auch Stiefel und Reithosen. Bei Reitturnieren wurde oft eine spezielle Reituniform getragen, die militärische Elemente mit traditioneller Reitkleidung kombinierte.
Fotografien aus dieser Zeit haben einen besonderen dokumentarischen Wert. Die Fotografie spielte im Dritten Reich eine zentrale Rolle in der Propaganda und Selbstdarstellung. Private Fotosammlungen von SA-Angehörigen dokumentieren sowohl offizielle Veranstaltungen als auch den Alltag in den NS-Organisationen. Solche Konvolute bieten heute wichtige Einblicke in die soziale Geschichte der NS-Zeit, zeigen aber auch die Normalisierung und gesellschaftliche Integration von paramilitärischen Organisationen in den deutschen Alltag.
Die Qualität und der Erhaltungszustand solcher historischen Fotografien variieren stark. Der angegebene Zustand 2 deutet nach gängiger Sammlerbewertung auf einen guten bis sehr guten Erhaltungszustand hin, wobei möglicherweise leichte altersbedingte Gebrauchsspuren vorhanden sind. Originalfotografien aus der NS-Zeit sind heute wichtige zeithistorische Dokumente, die von Museen, Archiven und privaten Sammlern für Forschungs- und Dokumentationszwecke bewahrt werden.
Die historische Einordnung solcher Objekte erfordert eine kritische Betrachtung. Sie dokumentieren die gesellschaftliche Realität des Dritten Reiches, einschließlich der Durchdringung aller Lebensbereiche durch nationalsozialistische Organisationen. Reitturniere mit SA-Beteiligung waren Teil der Strategie, die NS-Ideologie in traditionelle gesellschaftliche Strukturen zu integrieren und die Akzeptanz der Bewegung in bürgerlichen Kreisen zu erhöhen.
Für die zeitgeschichtliche Forschung sind solche Fotografien wertvolle Quellen, die Aufschluss über Uniformierung, gesellschaftliche Praktiken, regionale Veranstaltungen und die soziale Zusammensetzung der SA-Führung geben. Sie ergänzen die schriftliche Überlieferung und ermöglichen einen visuellen Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus jenseits der bekannten Propagandaaufnahmen.