Königreich Italien, Bandelier mit Kartuschkasten für Angehörige der Carabinieri
Das vorliegende Bandelier mit Kartuschkasten repräsentiert ein bedeutendes Ausrüstungsstück der Carabinieri aus der Epoche des Königreichs Italien (1861-1946). Diese militärische Gala-Ausrüstung verkörpert die stolze Tradition einer der ältesten und angesehensten Gendarmerieeinheiten Europas.
Die Carabinieri wurden ursprünglich am 13. Juli 1814 von König Viktor Emanuel I. von Sardinien-Piemont als Corpo dei Carabinieri Reali (Korps der Königlichen Carabinieri) gegründet. Nach der italienischen Einigung im Jahr 1861 unter Viktor Emanuel II. entwickelten sich die Carabinieri zur nationalen Gendarmerietruppe des neu entstandenen Königreichs Italien. Ihre Aufgaben umfassten sowohl militärische als auch polizeiliche Funktionen, wodurch sie eine einzigartige Stellung innerhalb der italienischen Sicherheitsarchitektur einnahmen.
Das beschriebene Bandelier besteht aus schwarzem Seidentuch mit Goldtressen, was typisch für die Paradeuniform höherer Chargen oder besonderer Einheiten der Carabinieri war. Die Gesamtlänge von etwa 94 Zentimetern entspricht den standardisierten Maßen, die in den militärischen Bekleidungsvorschriften des Königreichs festgelegt waren. Das schwarze Seidentuch symbolisierte die Autorität und den ernsten Charakter der polizeilichen und militärischen Pflichten, während die Goldtressen den Status und die Würde des Trägers unterstrichen.
Besonders bemerkenswert ist die Metallauflage mit den Initialen “EV” für Emanuele Vittorio (Viktor Emanuel). Dies verweist auf einen der drei Könige dieses Namens, die über Italien herrschten: Viktor Emanuel II. (1861-1878), der erste König des geeinten Italiens, Viktor Emanuel III. (1900-1946), der während des Ersten Weltkriegs und der faschistischen Ära regierte, oder theoretisch auf Viktor Emanuel I. von Sardinien-Piemont. Die Anwesenheit des königlichen Monogramms auf militärischen Ausrüstungsgegenständen war obligatorisch und unterstrich die persönliche Bindung der Truppen an die Dynastie der Savoyen.
Der italienische Adler mit Krone und dem Schild der Savoyen stellt das zentrale heraldische Element dar. Das Wappen des Hauses Savoyen zeigt traditionell ein weißes Kreuz auf rotem Grund. Der gekrönte Adler war das Symbol des Königreichs Italien und wurde nach 1861 in verschiedenen Varianten auf militärischen Abzeichen, Fahnen und Ausrüstungsgegenständen verwendet. Die Kombination dieser Symbole auf einem Carabinieri-Bandelier verdeutlichte die doppelte Loyalität der Truppe: gegenüber der Krone und dem italienischen Staat.
Der zugehörige Kartuschkasten (italienisch: giberna) mit seinen Beschlägen und dem aufgelegten Adler diente ursprünglich zur Aufbewahrung von Papierpatronen für Vorderladergewehre. Obwohl mit der Einführung von Hinterladerwaffen und modernen Munitionstypen ab den 1860er und 1870er Jahren die praktische Funktion des Kartuschkastens obsolet wurde, blieb er als traditionelles Element der Paradeuniform erhalten. Dies war bei vielen europäischen Militäreinheiten üblich, die historische Ausrüstungsstücke aus zeremoniellen und traditionellen Gründen beibehielten.
Die Carabinieri trugen solche Bandeliere und Kartuschkästen bei offiziellen Anlässen, Paraden, Wachdiensten an königlichen Residenzen und anderen zeremoniellen Pflichten. Die aufwendige Gestaltung mit Goldtressen und heraldischen Symbolen spiegelte den repräsentativen Charakter dieser Anlässe wider. Während des Königreichs Italien entwickelten die Carabinieri eine ausgeprägte Uniformtradition, die sie von anderen Militär- und Polizeieinheiten unterschied.
Die erwähnte lose Befestigung der Pfeile vom Schild ist ein typisches Alterungsmerkmal solcher historischer Objekte. Die Metallauflagen wurden üblicherweise durch Nieten, kleine Schrauben oder Lötverbindungen befestigt, die im Laufe der Jahrzehnte durch mechanische Beanspruchung, Korrosion oder unsachgemäße Lagerung gelockert werden konnten.
Nach dem Ende der Monarchie 1946 und der Gründung der Italienischen Republik wurden die königlichen Symbole aus den Uniformen und Ausrüstungsgegenständen der Carabinieri entfernt. Solche Objekte mit königlichen Insignien wurden entweder eingelagert, an Museen abgegeben oder gelangten in private Sammlungen. Heute sind sie gesuchte Sammlerstücke, die einen wichtigen Zeitabschnitt der italienischen Militär- und Staatsgeschichte dokumentieren.
Das vorliegende Bandelier ist somit nicht nur ein militärisches Ausrüstungsstück, sondern ein bedeutendes historisches Zeugnis der italienischen Monarchie und der traditionsreichen Geschichte der Carabinieri, die bis heute als Gendarmerie mit militärischem Status eine zentrale Rolle im italienischen Sicherheitssystem spielen.