Blechspielzeug - schwere Feldhaubitze

schwere Gussfertigung, Spreizlafette, verlängerbares Langrohr, Gummireifen, Funktion von der Amorces Kanone nicht geprüft, Zustand 2-3
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600,00

Blechspielzeug - schwere Feldhaubitze

Das vorliegende Blechspielzeug einer schweren Feldhaubitze repräsentiert eine faszinierende Kategorie militärischer Spielwaren, die besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa weit verbreitet waren. Solche Spielzeuge spiegeln nicht nur die technologische Entwicklung der Artillerie wider, sondern dokumentieren auch die gesellschaftliche Militarisierung und das Verhältnis zwischen Kindheit und militärischer Erziehung in dieser Epoche.

Die schwere Feldhaubitze war seit dem Ersten Weltkrieg eine zentrale Waffengattung der europäischen Armeen. Haubitzen unterscheiden sich von Feldkanonen durch ihre kürzeren Rohre und steilere Flugbahnen, was sie besonders effektiv für den indirekten Beschuss macht. Die deutsche Armee setzte während des Ersten Weltkriegs verschiedene Modelle ein, darunter die berühmte 15-cm-schwere Feldhaubitze 13 und später im Zweiten Weltkrieg die sFH 18. Diese Waffen prägten das Bild moderner Kriegsführung und wurden entsprechend in der Populärkultur und im Spielzeugbereich nachgebildet.

Die Konstruktionsmerkmale des beschriebenen Spielzeugs zeigen typische Charakteristika authentischer Artilleriegeschütze: Die Spreizlafette (auch Schwenklafette genannt) ermöglichte bei realen Geschützen eine stabile Positionierung und größere Schwenkbereiche. Das verlängerbare Langrohr ist ein bemerkenswertes Detail, das möglicherweise verschiedene Geschütztypen oder Transportkonfigurationen nachahmt. Die Gummireifen verweisen auf die Modernisierung der Artillerie in den 1930er Jahren, als mechanische Zugmittel die Pferdebespannung zunehmend ablösten.

Die Erwähnung der “Amorces Kanone” ist besonders interessant. Amorces (französisch für Zündplättchen) waren kleine Knallplättchen, die in Spielzeugkanonen verwendet wurden, um realistische Schussgeräusche zu erzeugen. Diese Technologie war in der französischen und deutschen Spielzeugindustrie seit den 1920er Jahren verbreitet und machte militärisches Spielzeug für Kinder besonders attraktiv. Hersteller wie JEP (Jouets de Paris), C.R. (Charles Rossignol) aus Frankreich oder deutsche Firmen wie Märklin und Lineol produzierten aufwendige Artilleriespielzeuge mit solchen Funktionen.

Die schwere Gussfertigung deutet auf ein hochwertiges Produktionsverfahren hin. Während einfachere Blechspielzeuge aus gestanztem und gebogenem Blech gefertigt wurden, verwendeten Hersteller für anspruchsvollere Modelle Druckguss oder Zinklegierungen. Diese Fertigungsmethode ermöglichte detailreichere Nachbildungen und größere Stabilität, war jedoch auch kostspieliger in der Produktion.

Der historische Kontext solcher Spielzeuge ist vielschichtig. In der Zwischenkriegszeit (1918-1939) erlebte militärisches Spielzeug trotz der Schrecken des Ersten Weltkriegs eine Blütezeit. In Deutschland, Frankreich und anderen europäischen Ländern galten militärische Tugenden und vormilitärische Erziehung als wichtiger Bestandteil der Kindererziehung, besonders für Jungen. Spielzeughersteller reagierten auf diese gesellschaftliche Nachfrage mit immer detaillierteren und mechanisch ausgefeilteren Modellen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion von Spielzeug stark eingeschränkt, da Metall für die Rüstungsindustrie benötigt wurde. Viele Spielzeugfabriken stellten auf Kriegsproduktion um. Nach 1945 änderte sich die gesellschaftliche Einstellung zu militärischem Spielzeug grundlegend, besonders in Deutschland. Dennoch blieben historische Militärspielzeuge bei Sammlern sehr gefragt.

Der Zustand 2-3 in der Sammlerbewertung (üblicherweise auf einer Skala von 1 bis 6, wobei 1 neuwertig bedeutet) deutet auf ein gut erhaltenes Objekt mit leichten Gebrauchsspuren hin. Solche Stücke sind heute gesuchte Sammlerobjekte, die sowohl spielzeughistorisch als auch kulturgeschichtlich von Bedeutung sind. Sie dokumentieren nicht nur handwerkliches Können und industrielle Fertigungstechniken, sondern auch die Mentalitätsgeschichte einer Epoche, in der militärische Symbole und Kriegsspielzeug selbstverständlicher Bestandteil der Kinderwelt waren.

Für Sammler und Historiker bieten solche Objekte wichtige Einblicke in die Alltagskultur und Erziehungspraktiken des frühen 20. Jahrhunderts. Sie illustrieren, wie technologische Entwicklungen der realen Militärtechnik zeitnah in Spielzeugform umgesetzt wurden und wie Gesellschaften ihre Kinder auf bestimmte Rollenbilder und Wertvorstellungen vorbereiteten.