Brustadler für eine BDM-Gruppenführerin im Untergau 135

Untergau 135 =Mark, Gebiet Westphalen. Um 1938. Ausführung für das weiße Sommerjackett. Schildförmiges Brustwappen aus weißem Gabardinetuch, mit Silber Metallfaden handgesticktem Brustadler mit Nr. "135", umlaufende silberne Kordel fehlt. Deutlich getragen, Zustand 2-. Selten.
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550,00

Brustadler für eine BDM-Gruppenführerin im Untergau 135

Das vorliegende Objekt ist ein Brustadler für eine BDM-Gruppenführerin aus dem Untergau 135, der der Region Mark im Gebiet Westfalen entsprach. Dieses Abzeichen stammt aus der Zeit um 1938 und wurde speziell für das weiße Sommerjackett der Bund Deutscher Mädel (BDM)-Uniform angefertigt.

Der Bund Deutscher Mädel war die weibliche Jugendorganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und bildete den weiblichen Zweig der Hitler-Jugend. Gegründet 1930, erfuhr der BDM nach 1933 eine massive Expansion und wurde zur größten weiblichen Jugendorganisation der Geschichte, mit über vier Millionen Mitgliedern bis 1945. Die Organisation war hierarchisch nach dem Führerprinzip strukturiert und in verschiedene administrative Ebenen gegliedert.

Die territoriale Organisation des BDM folgte einem komplexen System. Die größte Einheit war das Obergau, das mehrere Untergaue umfasste. Der Untergau 135 war der Region Mark in Westfalen zugeordnet, einem historischen Gebiet in Nordwestdeutschland. Jeder Untergau war wiederum in Ringe, Gruppen und Scharen unterteilt. Eine Gruppenführerin stand einer Gruppe vor, die typischerweise 50 bis 60 Mädchen umfasste und aus mehreren Scharen bestand.

Die Uniform des BDM war streng reglementiert und diente der Vereinheitlichung und Identifikation. Die Standarduniform bestand aus einem dunkelblauen Rock, einer weißen Bluse, einem schwarzen Halstuch mit Lederknoten und einer dunklen Jacke. Für die Sommermonate war jedoch eine spezielle Ausführung vorgesehen: das weiße Sommerjackett, für das dieses Abzeichen gefertigt wurde. Diese Sommeruniformen wurden besonders bei Aufmärschen, Lagern und offiziellen Veranstaltungen in den warmen Monaten getragen.

Das vorliegende Brustabzeichen ist ein schildförmiges Wappen aus weißem Gabardinestoff, einem dicht gewebten, strapazierfähigen Material, das für Uniformen besonders geeignet war. Der Adler selbst wurde mit silbernen Metallfäden handgestickt, was auf eine qualitativ hochwertige Anfertigung hinweist. Solche handgestickten Abzeichen waren oft Zeichen höherer Ränge oder wurden von spezialisierten Werkstätten oder den Trägerinnen selbst angefertigt. Die Zahl “135” identifizierte eindeutig den Untergau der Trägerin.

Die ursprüngliche Ausführung des Abzeichens beinhaltete eine umlaufende silberne Kordel, die bei diesem Exemplar fehlt. Diese Kordel diente sowohl der Dekoration als auch der besseren Fixierung und Abgrenzung des Abzeichens auf der Uniform. Das Fehlen dieser Kordel sowie die deutlichen Tragespuren belegen die authentische Verwendung dieses Stückes während der NS-Zeit.

Die Rangstruktur im BDM war komplex und durch verschiedene Abzeichen und Uniformteile gekennzeichnet. Eine Gruppenführerin gehörte zur mittleren Führungsebene und trug Verantwortung für die ideologische Schulung, die Organisation von Aktivitäten und die Disziplin ihrer Gruppe. Sie musste mindestens 18 Jahre alt sein und hatte spezielle Führerschulungen absolviert.

Die Herstellung solcher Uniformabzeichen unterlag bestimmten Vorschriften, die in den Uniformierungsbestimmungen der Hitler-Jugend festgelegt waren. Die Verwendung spezifischer Materialien, Farben und Fertigungstechniken war genau geregelt. Die Handstickerei mit Metallfäden war arbeitsintensiv und erforderte handwerkliches Geschick, weshalb solche Abzeichen einen gewissen Wert darstellten.

Der zeitliche Rahmen um 1938 ist historisch bedeutsam. In diesem Jahr erreichte die Zwangsmitgliedschaft im BDM einen neuen Höhepunkt. Durch das Gesetz über die Hitler-Jugend vom 1. Dezember 1936 und die nachfolgende Jugenddienstverordnung vom 25. März 1939 wurde die Mitgliedschaft faktisch zur Pflicht für alle deutschen Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren.

Solche Abzeichen sind heute wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Organisation, Hierarchie und materielle Kultur der NS-Jugendorganisationen geben. Die regionale Zuordnung durch die Untergau-Nummer ermöglicht es Historikern, spezifische lokale Strukturen und Entwicklungen nachzuvollziehen. Die Seltenheit dieses Stückes unterstreicht seinen dokumentarischen Wert für die Erforschung der NS-Zeit und ihrer Jugendorganisationen.