Erinnerungplakette "Sternflug an die Saar 8.7.33"
Die Erinnerungsplakette "Sternflug an die Saar 8.7.33" ist ein bedeutendes zeithistorisches Dokument aus der hochpolitisierten Endphase der Saarabstimmung. Diese kupferne Plakette mit den Maßen 70x120mm trägt die Inschrift "Saarbrücken-Dies Land ist Deutsch" und dokumentiert einen propagandistischen Flugzeugeinsatz vom 8. Juli 1933.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Saargebiet gemäß Artikel 45-50 des Versailler Vertrages vom Deutschen Reich abgetrennt und unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt. Die wirtschaftliche Ausbeutung der Kohlegruben wurde Frankreich als Kompensation für die im Krieg zerstörten nordfranzösischen Bergwerke übertragen. Der Vertrag sah vor, dass nach 15 Jahren, also 1935, eine Volksabstimmung über die staatliche Zugehörigkeit des Gebietes stattfinden sollte.
Im Jahr 1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar, intensivierte sich die Propaganda zur "Heimholung" des Saargebietes dramatisch. Der Sternflug vom 8. Juli 1933 war eine von vielen propagandistischen Aktionen, bei denen mehrere Flugzeuge sternförmig aus verschiedenen deutschen Städten an die Saar flogen, um die Verbundenheit des Reiches mit dem abgetrennten Gebiet zu demonstrieren.
Solche Sternflüge waren in der Weimarer Republik und im frühen Nationalsozialismus beliebte Propagandamittel. Die Luftfahrt galt als modern und zukunftsweisend, und Massenflüge zu bestimmten Zielen zogen große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Die Nationalsozialisten nutzten diese Technik geschickt, um ihre politischen Botschaften zu verbreiten und nationale Emotionen zu mobilisieren.
Die Inschrift "Dies Land ist Deutsch" spiegelt die intensive nationalistische Propaganda wider, die das NS-Regime im Vorfeld der Saarabstimmung entfaltete. Dabei konkurrierten verschiedene Gruppen: die Deutsche Front, die für die Rückkehr zum Deutschen Reich eintrat, stand oppositionellen Kräften gegenüber, die entweder für den Status quo oder eine Angliederung an Frankreich plädierten. Letztere hatten angesichts der politischen Entwicklungen im Reich und der Verfolgung von Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschaftern nach 1933 jedoch kaum Chancen.
Erinnerungsplaketten dieser Art wurden typischerweise an Teilnehmer solcher Propagandaveranstaltungen ausgegeben oder als Sammlerobjekte verkauft. Sie dienten der Erinnerung an das Ereignis und gleichzeitig als politische Bekenntnisse. Die Herstellung aus Kupfer war für solche Plaketten üblich, da das Material relativ kostengünstig war und sich gut prägen ließ.
Die Volksabstimmung fand schließlich am 13. Januar 1935 statt. Mit überwältigender Mehrheit von über 90 Prozent stimmte die Bevölkerung für die Rückgliederung an das Deutsche Reich. Dieses Ergebnis war jedoch nicht nur Ausdruck nationaler Gefühle, sondern auch Resultat massiver Propaganda, wirtschaftlichen Drucks und der Angst vor den Konsequenzen einer Ablehnung. Viele Gegner des NS-Regimes hatten das Saargebiet bereits vor der Abstimmung verlassen.
Objekte wie diese Plakette sind heute wichtige museale Quellen für die Erforschung der NS-Propaganda und der komplexen Geschichte des Saargebietes. Sie dokumentieren die Instrumentalisierung von Emotionen und nationalen Symbolen für politische Zwecke. Der Zustand 2 (sehr gut) der vorliegenden Plakette deutet darauf hin, dass sie sorgfältig aufbewahrt wurde, was für viele solcher Erinnerungsstücke typisch ist.
Die Geschichte der Saar blieb auch nach 1935 bewegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet erneut von Deutschland getrennt und stand unter französischem Einfluss, bis 1957 die zweite Saarabstimmung zur endgültigen Eingliederung in die Bundesrepublik Deutschland führte. Die Erinnerung an die Abstimmung von 1935 und die vorausgehende Propagandaphase bleibt ein wichtiger Teil der regionalen Identität und der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts.