Wehrmacht Reservistenflasche 

um 1936. Glasflasche mit Metallrahmen, beidseitig bedruckt, auf der Vorderseite ein Soldat " Zum Andenken an meine Dienstzeit ", rückseitig mit Aufschrift " Parole Heimat ". Komplett mit Schraubverschluß und mit dem originalen patriotischen Trageband. Zustand 2.
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185,00

Wehrmacht Reservistenflasche 

Die Wehrmacht-Reservistenflasche aus der Zeit um 1936 repräsentiert eine bedeutende Tradition des deutschen Militärwesens, die ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert hatte. Diese Flaschen dienten nicht nur praktischen Zwecken, sondern waren vor allem Erinnerungsstücke an die abgeleistete Dienstzeit und symbolisierten die Verbundenheit zwischen Soldat, Kameradschaft und Heimat.

Die Tradition der Reservistenflaschen entwickelte sich im Kaiserreich und erreichte ihre Blütezeit in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Soldaten, die ihre aktive Dienstzeit beendeten und in die Reserve übertraten, erhielten oder erwarben solche Erinnerungsstücke, um ihre militärische Vergangenheit zu dokumentieren. Diese Tradition wurde in der Weimarer Republik fortgeführt und fand nach 1933 unter dem NS-Regime eine Wiederbelebung, als die massive Aufrüstung und Militarisierung der Gesellschaft begann.

Das Jahr 1936, aus dem diese Flasche stammt, markiert einen bedeutenden Zeitpunkt in der deutschen Militärgeschichte. Nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht am 16. März 1935 durch das "Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht" erlebte Deutschland eine massive militärische Expansion. Die Wehrmacht, die offiziell die Reichswehr ablöste, wuchs rapide an. 1936 war auch das Jahr der Rheinlandbesetzung und der Olympischen Spiele in Berlin, eine Zeit, in der das NS-Regime seine militärische Stärke demonstrierte.

Die vorliegende Flasche zeigt charakteristische Merkmale dieser Epoche. Die Glasflasche mit Metallrahmen war eine typische Konstruktion, die Haltbarkeit mit der Möglichkeit künstlerischer Gestaltung verband. Der beidseitige Druck war Standard bei solchen Erinnerungsstücken. Die Vorderseite trägt die Darstellung eines Soldaten mit der Aufschrift "Zum Andenken an meine Dienstzeit", eine klassische Formulierung, die die persönliche Verbindung des Besitzers zu seiner Militärzeit ausdrückte.

Besonders aufschlussreich ist die rückseitige Aufschrift "Parole Heimat". Das Konzept der "Heimat" spielte in der NS-Ideologie eine zentrale Rolle und verband lokalpatriotische Gefühle mit der übergeordneten Volksgemeinschaftsideologie. Die Verwendung des Begriffs "Parole" (Losung oder Kennwort) verleiht der Heimatverbundenheit einen militärisch-disziplinierten Charakter und zeigt die Verschmelzung von militärischen und zivilen Werten, die das Regime anstrebte.

Der Schraubverschluss und das patriotische Trageband vervollständigen das Objekt als funktionales Gebrauchsgut. Solche Flaschen wurden tatsächlich verwendet, oft bei Reservistentreffen, Kameradschaftsabenden oder anderen militärischen Zusammenkünften. Das Trageband ermöglichte es, die Flasche bei Märschen oder Veranstaltungen bequem zu transportieren, während gleichzeitig die patriotische Gesinnung zur Schau gestellt wurde.

Die Herstellung solcher Reservistenflaschen war in den 1930er Jahren ein etabliertes Geschäft. Verschiedene Manufakturen und Werkstätten spezialisierten sich auf militärische Andenken. Die Drucktechniken variierten von einfachen Transfers bis zu aufwendigeren emaillierten oder geätzten Darstellungen. Die Qualität des Objekts, hier mit Zustand 2 bewertet, deutet auf eine gute Erhaltung hin, was bei über 85 Jahre alten Glasobjekten bemerkenswert ist.

Im breiteren historischen Kontext dokumentieren solche Reservistenflaschen die Militarisierung der deutschen Gesellschaft in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg. Sie zeigen, wie militärische Werte und Symbole in den Alltag integriert wurden und wie die individuelle Dienstzeit als ehrenvolle Pflicht gegenüber der Nation dargestellt wurde. Die Verbindung von persönlicher Erinnerung, Kameradschaft und ideologischer Botschaft macht diese Objekte zu wichtigen Zeugnissen ihrer Zeit.

Heute haben Reservistenflaschen aus der Wehrmacht-Ära einen komplexen Status. Als militärhistorische Objekte dokumentieren sie authentisch eine spezifische Epoche und Militärkultur. Sammler und Historiker schätzen sie als materielle Zeugnisse der Alltagskultur im Dritten Reich. Gleichzeitig erfordern sie eine kritische Kontextualisierung, da sie Teil eines Systems waren, das in einen verbrecherischen Krieg und Holocaust mündete.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit solchen Objekten ermöglicht wichtige Einblicke in die Mentalitätsgeschichte der 1930er Jahre, in die Art und Weise, wie das NS-Regime Loyalität schuf und militärische Werte propagierte. Sie zeigen auch die Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Militärtradition vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zum Nationalsozialismus.