XI. Olympischen Spiele 1936 Berlin: offizielles Abzeichen für die Angehörigen der Presse
Das offizielle Presseabzeichen der XI. Olympischen Spiele 1936 in Berlin stellt ein bedeutendes zeithistorisches Dokument dar, das die umfassende Organisation und Medienpräsenz der nationalsozialistischen Propagandamaschinerie während dieser Großveranstaltung widerspiegelt. Die von L.Chr.Lauer Nürnberg-Berlin hergestellten Abzeichen waren Teil eines ausgeklügelten Akkreditierungssystems, das der Kontrolle und Steuerung der internationalen Berichterstattung diente.
Die Olympischen Spiele 1936 fanden vom 1. bis 16. August in Berlin statt und waren die ersten Sommerspiele, die im Deutschen Reich unter nationalsozialistischer Herrschaft ausgetragen wurden. Das Regime unter Adolf Hitler nutzte diese Veranstaltung als einmalige Gelegenheit zur Selbstdarstellung auf der Weltbühne. Mit einem beispiellosen Aufwand wurden die Spiele inszeniert, wobei modernste Technik und mediale Verbreitung eine zentrale Rolle spielten.
Die Firma Christian Lauer, gegründet 1862 in Nürnberg, gehörte zu den führenden Herstellern von Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen im Deutschen Reich. Das Unternehmen hatte sich bereits in der Kaiserzeit und der Weimarer Republik einen Namen gemacht und produzierte während der NS-Zeit zahlreiche offizielle Abzeichen und Auszeichnungen. Die doppelte Standortangabe Nürnberg-Berlin auf diesem Abzeichen unterstreicht die Bedeutung des Auftrags und die nationale Dimension der Veranstaltung.
Das Presseabzeichen war aus getöntem Buntmetall gefertigt, einer kostengünstigen Alternative zu Edelmetallen, die dennoch eine ansprechende Optik bot. Die Gestaltung folgte den strengen ästhetischen Vorgaben der nationalsozialistischen Formsprache, die Monumentalität und klassische Elemente bevorzugte. Das charakteristische rot-gelbe Band in den Farben der Olympischen Flamme war an einer Quernadel befestigt und ermöglichte das sichtbare Tragen am Revers.
Zur Berichterstattung über die Olympischen Spiele 1936 waren über 3.000 Journalisten aus aller Welt akkreditiert – eine bis dahin beispiellose Zahl. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels hatte ein ausgeklügeltes System zur Betreuung und gleichzeitigen Kontrolle der ausländischen Presse entwickelt. Die verschiedenen Presseabzeichen dienten der Zugangskontrolle zu den Wettkampfstätten, Pressekonferenzen und offiziellen Veranstaltungen.
Die Spiele waren ein propagandistischer Triumph für das NS-Regime, trotz der sportlichen Erfolge des afroamerikanischen Athleten Jesse Owens, der vier Goldmedaillen gewann und damit die nationalsozialistische Rassenideologie bloßstellte. Die umfassende mediale Berichterstattung, für die diese Presseabzeichen unerlässlich waren, trug zur weltweiten Wahrnehmung bei. Leni Riefenstahls Film “Olympia” und die erste Fernsehübertragung olympischer Wettkämpfe machten die Spiele zu einem Medienereignis neuer Dimension.
Die Authentifizierung solcher Abzeichen erfolgt heute durch mehrere Merkmale: die korrekte Herstellermarkierung, die Materialbeschaffenheit, die Verarbeitungsqualität entsprechend der damaligen Standards und die Übereinstimmung mit dokumentierten Originalstücken in Museumssammlungen. Das vorliegende Exemplar mit seiner Herstellermarkierung von L.Chr.Lauer und dem originalen Band entspricht den bekannten Charakteristika.
Aus sammlungshistorischer Perspektive sind diese Abzeichen bedeutende Zeugnisse der Olympiageschichte und der NS-Propaganda. Sie befinden sich in zahlreichen Museumssammlungen, darunter das Deutsche Historische Museum in Berlin und das Olympische Museum in Lausanne. Der Erhaltungszustand “leicht getragen” deutet darauf hin, dass dieses Exemplar tatsächlich während der Spiele verwendet wurde, was seinen dokumentarischen Wert erhöht.
Die historische Bewertung solcher Objekte erfordert eine differenzierte Betrachtung: Sie sind einerseits Zeugnisse einer bedeutenden Sportveranstaltung, andererseits untrennbar mit dem verbrecherischen NS-Regime verbunden. Ihre Aufbewahrung und wissenschaftliche Dokumentation dient der historischen Forschung und Bildung, nicht der Glorifizierung.