Erster Weltkrieg Brotbeutel für Mannschaften B.A. XV 1916 

Fertigung aus hellbraunem Leinen. Einige Knöpfe fehlen. mit Abnahmestempel. Stark getragen. Zustand 3-.





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175,00

Erster Weltkrieg Brotbeutel für Mannschaften B.A. XV 1916 

Der Brotbeutel war während des Ersten Weltkriegs ein unverzichtbarer Bestandteil der Ausrüstung deutscher Soldaten. Das vorliegende Exemplar aus dem Jahr 1916, gefertigt für die Bayerische Armee (gekennzeichnet durch B.A. XV), repräsentiert ein typisches Ausrüstungsstück der Mannschaften während der intensivsten Phase des Krieges.

Die Bezeichnung “Brotbeutel” ist historisch gewachsen und etwas irreführend, da dieser Ausrüstungsgegenstand weit mehr als nur Brot transportierte. Er diente als universelle Tragetasche für persönliche Gegenstände, Verpflegung, Essgeschirr und kleine Ausrüstungsteile. Die Fertigung aus hellbraunem Leinen entspricht den Materialvorschriften der Zeit, als Baumwollgewebe und Leinen die Standardmaterialien für textile Ausrüstung darstellten.

Das Jahr 1916 markiert einen kritischen Wendepunkt im Ersten Weltkrieg. Die Schlacht von Verdun und die Schlacht an der Somme forderten hunderttausende Opfer und stellten enorme Anforderungen an die militärische Logistik. Die Materialknappheit begann sich bemerkbar zu machen, und die Qualität der Ausrüstung litt zunehmend unter dem Ressourcenmangel. Der vorliegende Brotbeutel stammt aus dieser Phase intensiver Kriegsführung.

Die Kennzeichnung B.A. XV verweist auf das XV. (Königlich Bayerisches) Armeekorps, eine der bedeutenden bayerischen Einheiten im deutschen Heer. Bayern unterhielt im Rahmen des deutschen Kaiserreichs eine teilautonome Militärorganisation mit eigenen Ausrüstungsvorschriften und Beschaffungsstellen. Das bayerische Kriegsministerium in München war für die Ausstattung der bayerischen Truppen verantwortlich, wobei gewisse Standardisierungen mit dem preußischen System bestanden.

Der Abnahmestempel auf dem Brotbeutel dokumentiert die militärische Qualitätskontrolle. Jedes Ausrüstungsstück musste vor der Ausgabe an die Truppen durch einen Abnahmebeamten geprüft und gestempelt werden. Diese Stempel enthielten üblicherweise Informationen über die prüfende Stelle, das Herstellungsjahr und manchmal die Fabriknummer. Sie dienten der Nachverfolgbarkeit und Qualitätssicherung in der militärischen Lieferkette.

Die Konstruktion des Brotbeutels folgte standardisierten Vorgaben. Er verfügte über mehrere Knöpfe zur Verschließung und wurde mittels Trageriemen am Koppel befestigt. Das Koppelsystem der deutschen Armee war so konzipiert, dass verschiedene Ausrüstungsgegenstände – Brotbeutel, Feldflasche, Patronentaschen, Seitengewehr – rational verteilt werden konnten. Der Brotbeutel wurde typischerweise auf der rechten Hüfte getragen.

Der Zustand “stark getragen” und die fehlenden Knöpfe erzählen ihre eigene Geschichte. Soldaten im Feld nutzten ihre Ausrüstung unter härtesten Bedingungen – in Schützengräben, bei Märschen, unter Beschuss. Reparaturen wurden oft notdürftig mit verfügbaren Mitteln durchgeführt. Fehlende Knöpfe wurden durch Schnüre, Draht oder andere Befestigungsmittel ersetzt. Die starke Abnutzung deutet auf intensiven Gebrauch über einen längeren Zeitraum hin.

Im Inneren trugen Soldaten typischerweise ihre Eiserne Ration – eine Notreserve an Nahrungsmitteln, die nur auf Befehl angebrochen werden durfte. Diese bestand aus Konserven, Zwieback und oft einem kleinen Paket Kaffee-Ersatz. Darüber hinaus enthielt der Brotbeutel persönliche Gegenstände wie Besteck, einen Rasierer, Nähzeug, Briefe von zu Hause und manchmal Tabak oder kleine Andenken.

Die Materialwahl des hellbraunen Leinens hatte praktische Gründe. Leinen war robust, relativ wasserabweisend und in ausreichenden Mengen verfügbar. Die helle Färbung entsprach noch nicht vollständig den späteren Tarnungskonzepten, obwohl man bereits 1916 begann, die Sichtbarkeit der Ausrüstung zu reduzieren. Frühere Modelle waren oft noch in dunkleren Tönen gehalten.

Nach dem Krieg wurden viele Brotbeutel weiterverwendet – von Veteranen im zivilen Leben, von paramilitärischen Organisationen oder in der Reichswehr. Einige fanden ihren Weg in private Sammlungen, wo sie als materielle Zeugnisse einer der prägendsten Epochen des 20. Jahrhunderts bewahrt wurden. Heute sind solche Ausrüstungsstücke wichtige Studienobjekte für Militärhistoriker und Museen, die das tägliche Leben der Soldaten dokumentieren möchten – jenseits der großen Schlachten und strategischen Entscheidungen.