Diese prachtvolle vergoldete Bronzestatuette gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der königlich-hannoverschen Hofkunst des 19. Jahrhunderts. Sie zeigt König Georg V. von Hannover (1819–1878), den letzten Monarchen des Königreichs Hannover, in der Uniform des Garde-Husaren-Regiments auf einem schreitenden Hengst. Das Werk vereint höchste handwerkliche Qualität mit tiefer historischer Symbolik und bietet dem Sammler einen einzigartigen Einblick in die Repräsentationskultur eines deutschen Königshofes.
Der König und sein Regiment
Georg V. wurde am 27. Mai 1819 in Berlin als einziger Sohn König Ernst Augusts I. geboren. Ein tragisches Schicksal ereilte ihn bereits in jungen Jahren: Im Alter von dreizehn Jahren erblindete er vollständig, nachdem er ein Auge durch Krankheit und das andere durch einen Unfall im Jahr 1833 verloren hatte. Trotz dieser schweren Beeinträchtigung übernahm er 1851 die Regierung des Königreichs Hannover.
Die Statuette zeigt Georg V. als Oberst des Hannoverschen Garde-Husaren-Regiments. Dieses Regiment war während der Regierungszeit seines Vaters Ernst August im Jahr 1838 neu aufgestellt worden und gehörte zu den prestigeträchtigsten Einheiten der hannoverschen Armee. Die Darstellung in dieser Uniform unterstreicht die enge Verbindung des Königs zu seinen Elitetruppen.
Künstlerische Gestaltung und Details
Die Statuette ist als mehrteiliger vergoldeter Bronzeguss ausgeführt und ruht auf einem schwarz polierten Marmorsockel. Die außerordentliche Feinheit der Ausarbeitung zeigt sich in zahlreichen Details: Der Ornat der Pelzjacke, die Schabracke (Satteldecke) und die Säbeltasche sind mit großer Präzision wiedergegeben. Auf der Säbeltasche und der Schabracke ist die Chiffre “GR” (Georg Rex) erkennbar. Der König trägt den Bruststern des Hannoverschen St.-Georgsordens, was seine Darstellung als Souverän dieses Ordens unterstreicht.
Auf der Vorderseite des Marmorsockels ist das Wappen des Königreichs Hannover in vergoldetem Messing appliziert. Es zeigt die Krone auf dem Hauptschild, flankiert vom Löwen auf der linken und dem Einhorn auf der rechten Seite. Darunter findet sich der Wahlspruch des St.-Georgsordens: “Nunquam retrorsum” – “Niemals zurück”.
Der St.-Georgsorden und seine Bedeutung
Der Hannoversche St.-Georgsorden wurde am 23. April 1839 von König Ernst August I., dem Vater Georgs V., als Hausorden der Krone von Hannover gestiftet. Sein Wahlspruch “Nunquam retrorsum” verkörperte den Anspruch der welfischen Dynastie auf Standhaftigkeit und Vorwärtsbewegung. Die prominente Darstellung dieses Mottos auf dem Sockel der Statuette verbindet das Porträt des Königs mit dem dynastischen Selbstverständnis des Hauses Hannover.
Der Bildhauer Heinrich Hesemann
Eine dokumentierte Version dieser Reiterstatuette stammt vom Bildhauer Heinrich Hesemann (1814–1856), der als Hofbildhauer sowohl für König Ernst August als auch für König Georg V. tätig war. Hesemanns signierte und datierte Fassung von 1855 wurde in der Gießerei Bernstorff und Eichwede in Hannover gegossen und trägt die Inschrift “H. Hesemann fec. 1855. Bernstorff u. Eichwede fud.” Diese Version befindet sich heute in den Sammlungen des National Trust in Osterley Park, London. Eine weitere ähnliche Version ist durch The Armoury St James's dokumentiert. Es wird angenommen, dass Hesemanns Statuette von 1855 als Maquette im Zusammenhang mit dem monumentalen Reiterstandbild König Ernst Augusts steht, das 1861 vollendet wurde und bis heute vor dem Hauptbahnhof Hannover steht.
Das Ende des Königreichs Hannover
Die historische Bedeutung dieser Statuette wird durch das dramatische Schicksal ihres Dargestellten noch verstärkt. Im Deutschen Krieg von 1866 unterstützte Georg V. Österreich gegen Preußen und führte seine Truppen persönlich in die Schlacht bei Langensalza. Obwohl die hannoversche Armee einen anfänglichen Sieg errang, wurde Georg V. zur Kapitulation gezwungen. Im September 1866 annektierte Preußen das Königreich Hannover, und Georg V. ging ins Exil – zunächst nach Österreich, später nach Frankreich. Er starb am 12. Juni 1878 in Paris, wo er noch zuletzt Unterstützung für die Wiederherstellung seines Königreichs gesucht hatte. Seine letzte Ruhestätte fand er in der St George's Chapel in Windsor Castle.
Bedeutung für Sammler
Diese Reiterstatuette vereint in sich mehrere Aspekte, die sie zu einem herausragenden Sammlerstück machen: die exquisite Handwerkskunst der vergoldeten Bronze, die detailreiche Darstellung einer historischen Husarenuniform, die dynastische Symbolik des Wappens und Ordenswahlspruchs sowie die unmittelbare Verbindung zum letzten Herrscher eines bedeutenden deutschen Königreichs. Als Zeugnis einer untergegangenen Monarchie und als Beispiel höchster Bronzekunst besitzt dieses Werk sowohl museale als auch historische Bedeutung von außerordentlichem Rang.