Preußen 1. Weltkrieg Seesack für den Soldaten "König" im 2. Hannoverschen Feldartillerie-Regiment Nr. 26

Friedensstandort Verden, um 1916. Robuster, rotbraun gefärbter Leinensack, oben mit metallenen Ösen, vorne mit Aufschrift "König. Feld-Art. Reg.26.". Getragen, mit diversen Ausbesserungen. Zustand 2.
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120,00

Preußen 1. Weltkrieg Seesack für den Soldaten "König" im 2. Hannoverschen Feldartillerie-Regiment Nr. 26

Der vorliegende Seesack aus dem 2. Hannoverschen Feldartillerie-Regiment Nr. 26 repräsentiert ein authentisches Ausrüstungsstück der kaiserlichen deutschen Armee während des Ersten Weltkriegs. Diese praktischen Transportbehältnisse waren ein unverzichtbarer Bestandteil der persönlichen Ausrüstung jedes Soldaten und spiegeln die materielle Kultur des Kriegsalltags wider.

Das 2. Hannoversche Feldartillerie-Regiment Nr. 26 hatte seinen Friedensstandort in Verden an der Aller, einer Stadt in Niedersachsen. Das Regiment wurde 1867 aufgestellt und gehörte zum X. Armee-Korps. Während des Ersten Weltkriegs kämpfte das Regiment an verschiedenen Fronten und war an zahlreichen bedeutenden Schlachten beteiligt. Die Aufschrift “König. Feld-Art. Reg.26.” weist auf die Bezeichnung als Königlich Preußisches Regiment hin, eine Ehrenbezeichnung, die die Verbindung zur preußischen Monarchie betonte.

Der Seesack selbst war gemäß den Bekleidungsvorschriften der preußischen Armee ein standardisiertes Ausrüstungsstück. Diese robusten Säcke wurden aus strapazierfähigem Leinen gefertigt und dienten dem Transport persönlicher Gegenstände des Soldaten. Die rotbraune Färbung war typisch für militärische Ausrüstungsgegenstände dieser Zeit und diente sowohl praktischen als auch tarnenden Zwecken. Die metallenen Ösen am oberen Rand ermöglichten das Verschließen und Tragen des Sacks mit einer Kordel oder einem Riemen.

Die persönliche Ausrüstung eines deutschen Artilleristen im Ersten Weltkrieg umfasste neben dem Seesack zahlreiche weitere Gegenstände. Im Seesack wurden typischerweise Reserve-Uniformteile, Wäsche, persönliche Gegenstände, Waschzeug und eventuell private Briefe und Fotografien transportiert. Während eines Marsches oder bei Truppenverlegungen wurde der Seesack üblicherweise auf dem Traßwagen der Einheit transportiert, da er zu sperrig war, um von den Soldaten zusätzlich zur Gefechtsausrüstung getragen zu werden.

Die Datierung “um 1916” platziert diesen Seesack in eine kritische Phase des Krieges. 1916 war das Jahr der Schlacht von Verdun und der Somme-Schlacht, zwei der blutigsten Auseinandersetzungen des gesamten Krieges. Die deutsche Feldartillerie spielte in der Kriegsführung dieser Zeit eine entscheidende Rolle. Das Feldartillerie-Regiment Nr. 26 war mit Feldkanonen und leichten Feldhaubitzen ausgerüstet, typischerweise dem 7,7-cm-FK 96 n.A. (Feldkanone 96 neuer Art) und der 10,5-cm-leFH 98/09 (leichte Feldhaubitze).

Die sichtbaren Ausbesserungen am Seesack sind von besonderem historischem Interesse. Sie zeugen von der intensiven Nutzung und der Materialknappheit, die ab 1916 zunehmend das Deutsche Reich erfasste. Die britische Seeblockade führte zu erheblichen Versorgungsengpässen, die sich auch auf militärische Ausrüstung auswirkten. Soldaten und ihre Familien waren gezwungen, Ausrüstungsgegenstände so lange wie möglich zu nutzen und zu reparieren. Diese Flickstellen erzählen somit eine stille Geschichte von Entbehrung und Durchhaltewillen.

Die Beschriftung des Seesacks folgte den militärischen Vorschriften zur Kennzeichnung von Ausrüstungsgegenständen. Die Angabe der Einheit diente der Identifikation und sollte verhindern, dass Ausrüstungsstücke verloren gingen oder verwechselt wurden. In den chaotischen Umständen von Truppenverlegungen, Stellungskämpfen und Rückzügen war eine klare Kennzeichnung persönlicher Gegenstände von großer praktischer Bedeutung.

Als militärhistorisches Objekt bietet dieser Seesack einen authentischen Einblick in die materielle Welt des deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Anders als Waffen oder Uniformen, die oft die repräsentative Seite des Militärs zeigen, repräsentiert der Seesack den Alltag und die praktischen Bedürfnisse des Soldatenlebens. Er ist ein Zeugnis der Sozialgeschichte des Krieges, das über die rein militärische Geschichte hinausweist.

Die Erhaltung solcher Objekte ist für die Geschichtswissenschaft von unschätzbarem Wert. Sie ermöglichen es nachfolgenden Generationen, eine Verbindung zu den Menschen herzustellen, die diese Gegenstände nutzten, und die materiellen Realitäten des Krieges zu verstehen. Der Seesack des 2. Hannoverschen Feldartillerie-Regiments Nr. 26 steht stellvertretend für Millionen ähnlicher Objekte, die das tägliche Leben der Soldaten prägten und die heute größtenteils verloren sind.