SS-Porzellanmanufaktur Allach - Fahnenträger der Panduren

Farbig gefasste Porzellanfigur als Kriegsfertigung mit ockerfarbenen Details nach einem Entwurf von Richard Forster, um 1943; darstellend einen unberittenen Panduren mit Fahne während der Schlesischen Kriege. Wunderschöne Ausführung in Farbe, meisterhafte Bemalung in feinster farblich abgestimmter Qualität, im Boden mit blind gepresster Marke Runen Allach, Künstler "R. Förster, Nr. 141". Höhe ca. 25 cm, Zustand 2+ .
Extrem selten.


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Fahnenträger der Panduren – Modell Nr. 141 der SS-Porzellanmanufaktur Allach

Unter den seltensten Erzeugnissen der SS-Porzellanmanufaktur Allach nimmt die Figur des Fahnenträgers der Panduren, Modell Nr. 141, eine besondere Stellung ein. Entworfen vom Künstler Richard Förster, wurde dieses Stück zwischen 1941 und 1944 gefertigt und gehört damit zu jener Gruppe von Figurinen, die ausschließlich in den Kriegsjahren entstanden. Da von 1939 an keine offiziellen Produktionslisten der Gesamtmodelle mehr existieren, ist die genaue Auflagenhöhe unbekannt. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass diese Kriegsfertigungen nur in sehr kleinen Stückzahlen produziert wurden und daher zu den seltensten Allach-Erzeugnissen überhaupt zählen.

Die Porzellanmanufaktur Allach

Die Porzellan Manufaktur Allach wurde 1935 als privates Unternehmen in Allach bei München gegründet. Bereits 1936 wurde sie von der SS übernommen. Heinrich Himmler, der Reichsführer-SS, sah in der Akquisition einer Porzellanfabrik die Möglichkeit, Kunstwerke zu produzieren, die in seinen Augen die germanische Kultur repräsentierten. 1937 wurde die Hauptproduktion in das SS-Ausbildungs- und Schulungslager in unmittelbarer Nähe von Dachau verlegt. Ab 1940 wurden jüdische Häftlinge aus dem Konzentrationslager zur Zwangsarbeit in der Fabrik eingesetzt – ein Umstand, der die ethische Dimension dieser Sammlerstücke bis heute prägt.

Die Mehrheit der in Allach produzierten Sammelobjekte diente der Festigung der nationalsozialistischen Ideologie, indem sie idealisierte Darstellungen von Bauern, historischen Figuren und ländlichen Themen präsentierte. Die Produktion erstreckte sich über den Zeitraum von 1935 bis 1945.

Der Entwurf von Richard Förster

Richard Förster modellierte eine Serie von militärischen Fußsoldatenfigurinen als Ergänzung zu den Reiterfigurinen von Prof. Theodor Kärner. Das Modell Nr. 141 zeigt einen unberittenen Panduren mit Fahne aus der Epoche der Schlesischen Kriege. Die Figur ist somit einem historisch-militärischen Sujet gewidmet.

Die große Mehrheit der bekannten Allach-Stücke besteht aus weißem, glasiertem Porzellan. Farbig gefasste Exemplare sind deutlich seltener. Das hier besprochene Stück zeichnet sich durch seine farbige Fassung mit ockerfarbenen Details aus und gehört damit zur selteneren Variante. Im Boden trägt es die blind gepresste Allach-Marke mit SS-Runen, die Künstlerbezeichnung „R. Förster“ sowie die Modellnummer 141. Darüber hinaus wird bei diesem Modell eine seltene Variante der Pfeifenpositionierung in der Fachliteratur erwähnt.

Die historischen Panduren

Die Figur stellt einen Angehörigen der Panduren des Baron Franz von der Trenck dar. Diese leichte Infanterieeinheit der Habsburgermonarchie wurde 1741 unter einem von Maria Theresia von Österreich ausgestellten Freibrief aufgestellt. Die Einheit bestand größtenteils aus Freiwilligen aus dem Königreich Slawonien und der slawonischen Militärgrenze.

Die Panduren trugen keine Uniformen und wiesen ein insgesamt osmanisch geprägtes Erscheinungsbild auf. Ihr orientalisches Aussehen wurde durch die obligatorische Kopfrasur mit einem verbleibenden Rattenschwanz-Zopf sowie durch die Verwendung eines Rossschweif-Buntschuks anstelle einer regulären Einheitsfahne verstärkt. Die Panduren nahmen am Österreichischen Erbfolgekrieg teil, einschließlich der Schlesischen Kriege, und wurden vom Königreich Ungarn ab 1741 eingesetzt.

Das Ende der Manufaktur und Nachkriegsgeschichte

Mit dem Fall des nationalsozialistischen Deutschlands 1945 wurde die Produktion in Allach eingestellt. Die Fabrik wurde aufgegeben, und ihre Formen wurden zerstört oder von den Alliierten beschlagnahmt. In der Nachkriegszeit verwendete Theodor Kärner einige seiner Allach-Formen weiter, während er bei Eschenbach in der amerikanischen Besatzungszone Deutschlands arbeitete. Zwischen 1947 und 1953 wurden mehrere Modelle von Richard Förster bei der Porzellanmanufaktur Eschenbach nachgefertigt. Zudem hat möglicherweise Franz Nagy die Produktion in der Fabrik in Allach wieder aufgenommen, da einige Nachkriegs-Steinzeugstücke mit einer Allach-Marke gesehen wurden, bei der der Buchstabe „N“ für Nagy anstelle der SS-Insignien steht.

Heute sind Allach-Stücke selten und kontrovers. Sammler und Historiker debattieren weiterhin über die ethischen Implikationen dieser Objekte, die untrennbar mit dem System der Zwangsarbeit und der nationalsozialistischen Ideologie verbunden sind. Gerade die farbig gefassten Kriegsfertigungen wie der vorliegende Fahnenträger der Panduren gehören zu den am schwierigsten aufzufindenden Stücken und dokumentieren gleichzeitig eine der dunkelsten Epochen der deutschen Porzellangeschichte.

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