Nationalsozialistische Handwerks, Handels-und Gewerbeorganisation ( NS.-Hago )
Mitgliedsabzeichen der Nationalsozialistischen Handwerks-, Handels- und Gewerbeorganisation (NS-Hago)
Die Nationalsozialistische Handwerks-, Handels- und Gewerbeorganisation, allgemein als NS-Hago bekannt, stellte eine bedeutende berufsständische Organisation im nationalsozialistischen Deutschland dar. Das vorliegende Mitgliedsabzeichen mit der rückseitigen Kennzeichnung “GES.GESCH.” (gesetzlich geschützt) und “RZM 85” dokumentiert die streng regulierte Herstellung und Vergabe solcher Parteiabzeichen während des Dritten Reiches.
Die NS-Hago wurde 1933 gegründet und diente als Dachorganisation für selbstständige Gewerbetreibende, Handwerker und Einzelhändler. Sie entstand aus dem Zusammenschluss verschiedener berufsständischer Organisationen, die bereits in der Kampfzeit der NSDAP existierten. Ihr Hauptziel bestand darin, den Mittelstand in die nationalsozialistische Volksgemeinschaft zu integrieren und wirtschaftspolitische Interessen dieser Berufsgruppen im Sinne der NS-Ideologie zu vertreten.
Die Organisation unterstand der Deutschen Arbeitsfront (DAF) und fungierte als wichtiges Bindeglied zwischen der Parteihierarchie und den gewerblichen Mittelschichten. Die NS-Hago propagierte die Ideologie des “schaffenden Kapitals” im Gegensatz zum “raffenden Kapital” und versuchte, handwerkliche Traditionen mit nationalsozialistischer Weltanschauung zu verbinden.
Das Mitgliedsabzeichen selbst war ein sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zur Organisation. Die Kennzeichnung “RZM” steht für Reichszeugmeisterei, die zentrale Beschaffungs- und Prüfstelle der NSDAP, die 1929 gegründet wurde. Die RZM kontrollierte die Herstellung sämtlicher Parteiabzeichen, Uniformen und Ausrüstungsgegenstände und vergab Lizenznummern an zugelassene Hersteller. Die Nummer “85” identifiziert den spezifischen Hersteller, der zur Produktion dieser Abzeichen berechtigt war.
Die Aufschrift “GES.GESCH.” (gesetzlich geschützt) weist darauf hin, dass das Tragen und die Herstellung solcher Abzeichen gesetzlich reglementiert waren. Unbefugte Herstellung oder das Tragen ohne Mitgliedschaft waren strafbar. Diese strenge Kontrolle sollte einerseits die Exklusivität der Parteiorganisationen wahren und andererseits Fälschungen verhindern.
Die lange Nadel als Befestigungsmechanismus war typisch für Ansteckabzeichen dieser Zeit. Sie ermöglichte das sichere Befestigen an Zivilkleidung oder Uniformjacken und unterschied sich von den kürzeren Nadeln, die bei manchen anderen Abzeichen verwendet wurden.
Die NS-Hago spielte während des Dritten Reiches eine wichtige Rolle bei der Gleichschaltung des gewerblichen Mittelstandes. Sie organisierte Schulungen, Propagandaveranstaltungen und versuchte, wirtschaftliche Interessen ihrer Mitglieder mit den Zielen des Regimes in Einklang zu bringen. Besonders in der Anfangsphase des NS-Regimes genoss die Organisation erheblichen Einfluss, der jedoch im Laufe der Jahre zugunsten anderer Parteiorganisationen und der zunehmend zentralisierten Kriegswirtschaft abnahm.
Mitgliedsabzeichen wie das vorliegende wurden typischerweise bei offiziellen Anlässen, Parteiveranstaltungen oder im beruflichen Alltag getragen. Sie dienten nicht nur der Identifikation, sondern auch der öffentlichen Demonstration der Zugehörigkeit zur nationalsozialistischen Bewegung. Das Tragen solcher Abzeichen war für Mitglieder häufig obligatorisch und konnte bei beruflichen Vorteilen oder der Vergabe von Aufträgen eine Rolle spielen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die NS-Hago und alle anderen nationalsozialistischen Organisationen durch die Alliierten aufgelöst. Das Tragen ihrer Symbole wurde verboten. Heute haben solche Abzeichen ausschließlich historischen Dokumentationswert und dienen der wissenschaftlichen Forschung sowie musealen Aufarbeitung der NS-Zeit.
Die Erhaltung und Katalogisierung solcher historischen Objekte ist wichtig für das Verständnis der organisatorischen Struktur des nationalsozialistischen Systems und der Mechanismen gesellschaftlicher Kontrolle und Integration. Sie dokumentieren, wie das NS-Regime versuchte, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu durchdringen und zu kontrollieren.