Preußen 1. Weltkrieg feldgraue Schirmmütze für Offiziere im Kürassier-Regiment Kaiser Nikolaus I. von Rußland (Brandenburgisches) Nr. 6
Sehr selten.
Die feldgraue Schirmmütze für Offiziere des Kürassier-Regiments Kaiser Nikolaus I. von Russland (Brandenburgisches) Nr. 6 repräsentiert ein außergewöhnliches Stück preußischer Militärgeschichte aus dem Ersten Weltkrieg. Dieses Regiment, mit Heimatstandort in Brandenburg an der Havel, verkörperte die enge dynastische Verbindung zwischen dem Hause Hohenzollern und dem russischen Zarenhaus – eine Beziehung, die durch den Krieg tragisch zerrissen wurde.
Das Regiment Nr. 6 führte seinen Namen zu Ehren von Zar Nikolaus I. von Russland (1796-1855), der als Chef des Regiments fungierte. Diese Tradition der gegenseitigen Regimentschefs zwischen preußischen und russischen Herrscherhäusern war ein Symbol der engen Beziehungen im 19. Jahrhundert. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 wurde diese jahrhundertealte Verbindung abrupt beendet, als Deutschland und Russland zu Feinden wurden.
Die hier beschriebene Schirmmütze datiert um 1916 und zeigt die charakteristischen Merkmale der Übergangszeit im Ersten Weltkrieg. Zu Kriegsbeginn trugen preußische Kürassiere noch die traditionelle Pickelhaube aus Metall oder Leder, die jedoch für den modernen Grabenkrieg völlig ungeeignet war. Die feldgraue Uniform wurde bereits vor dem Krieg eingeführt, aber die vollständige Umstellung aller Ausrüstungsgegenstände erfolgte schrittweise.
Die Mütze weist die typische Sattelform auf, eine elegante, hohe Konstruktion, die bei Offiziersschirmmützen üblich war. Das feldgraue Tuch entsprach der 1910 eingeführten Felduniform, die die bunten Uniformen der Friedenszeit ersetzte. Der russisch-blaue Bund (auch als Kornblumenblau bezeichnet) war die traditionelle Waffenfarbe der brandenburgischen Kürassiere und wurde auch in der feldgrauen Uniform beibehalten, um die Regimentszugehörigkeit zu kennzeichnen.
Die weißen Vorstöße waren ein weiteres traditionelles Element, das die Kürassiere als Elite-Kavallerie kennzeichnete. In der preußischen Armee hatten Vorstöße (Paspelierungen) spezifische Bedeutungen: Weiß war typisch für Kürassierregimenter und unterschied sie von anderen Kavallerieeinheiten wie Dragonern (meist gelb) oder Husaren (verschiedene Farben).
Die beiden Kokarden auf der Mütze repräsentierten die doppelte Loyalität preußischer Offiziere: die schwarz-weiß-schwarze Reichskokarde symbolisierte die Treue zum Deutschen Reich, während die schwarz-weiße Landeskokarde für Preußen stand. Diese doppelte Symbolik war charakteristisch für das föderale System des Kaiserreichs, in dem die Einzelstaaten ihre Identität behielten.
Der schwarz lackierte Schirm aus Vulkanfiber war eine praktische Neuerung des frühen 20. Jahrhunderts. Vulkanfiber, ein gehärtetes Zellulosematerial, bot eine kostengünstige und dennoch haltbare Alternative zu Leder. Die schwarze Lackierung schützte das Material vor Feuchtigkeit und verlieh der Mütze ein elegantes Aussehen.
Das Innenfutter mit braunem Schweißband und hellgrauem Seidenfutter zeigt die Qualität einer Offiziersausrüstung. Offiziere mussten ihre Uniformen und Ausrüstung selbst beschaffen, was zu erheblichen Qualitätsunterschieden führte. Die Verwendung von Seide im Futter war ein Zeichen für eine hochwertige, vermutlich privat beschaffte Mütze.
Das Kürassier-Regiment Nr. 6 war Teil der berühmten preußischen Schweren Kavallerie. Obwohl Kürassiere traditionell Brustharnische (Kürasse) trugen, wurden diese im Ersten Weltkrieg nur noch zu Paradeuniform getragen. Im Feldkrieg kämpften die Regimenter als berittene Truppen oder zunehmend als abgesessene Infanterie. Der Stellungskrieg an der Westfront ließ kaum Raum für traditionelle Kavallerieoperationen.
Das Regiment wurde 1717 unter König Friedrich Wilhelm I. gegründet und hatte eine ruhmreiche Geschichte in den Schlesischen Kriegen, den Befreiungskriegen und dem Deutsch-Französischen Krieg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte es hauptsächlich an der Ostfront, wo die Bewegungskriegführung größere Einsatzmöglichkeiten für Kavallerie bot als im Westen.
Die Existenz von Mottenlöchern und leichten Gebrauchsspuren an dieser Mütze zeugt von ihrer authentischen Verwendung während des Krieges. Solche feldgrauen Offiziersschirmmützen von spezialisierten Einheiten wie den Kürassieren sind heute selten, da viele während und nach dem Krieg verloren gingen, vernichtet oder umgearbeitet wurden. Die Erhaltung der charakteristischen Elemente – der russisch-blaue Bund, die weißen Vorstöße und beide Kokarden – macht dieses Stück zu einem wertvollen Zeugnis der preußischen Militärgeschichte und der Uniformtradition im Ersten Weltkrieg.