Baden Kleines Kabinettfoto eines Gefreiten im 7. Badischen Infanterie-Regiment Nr. 142

Standort Mühlheim i.B., um 1910. Maße ca. 6.2 x 10.2 cm. Zustand 2-
449735
20,00

Baden Kleines Kabinettfoto eines Gefreiten im 7. Badischen Infanterie-Regiment Nr. 142

Das vorliegende Kabinettfoto zeigt einen Gefreiten des 7. Badischen Infanterie-Regiments Nr. 142, aufgenommen um 1910 in Mühlheim im Breisgau. Dieses kleine fotografische Dokument repräsentiert eine wichtige Epoche der deutschen Militärgeschichte kurz vor dem Ersten Weltkrieg und gibt Einblick in die Uniformierung und Hierarchie der badischen Armee im Deutschen Kaiserreich.

Das Infanterie-Regiment Nr. 142 gehörte zur badischen Armee, die als eigenständiges Kontingent Teil der kaiserlichen deutschen Streitkräfte war. Nach der Reichsgründung 1871 behielten die süddeutschen Staaten Baden, Württemberg und Bayern ihre eigenen Armeekorps bei, die jedoch dem preußischen Generalstab unterstellt waren. Das Regiment wurde im Rahmen der Heeresreform von 1897 aufgestellt und war Teil des XIV. (Badischen) Armeekorps.

Die Garnison in Mühlheim, einer kleinen Stadt im Breisgau unweit von Freiburg, war typisch für die Stationierung badischer Truppen im südwestlichen Deutschland. Die Präsenz des Militärs prägte das gesellschaftliche Leben in solchen Garnisonsstädten erheblich und schuf eine enge Verbindung zwischen Zivilbevölkerung und Soldaten.

Der Rang eines Gefreiten stellte die unterste Beförderungsstufe für Mannschaften dar. Ein Gefreiter hatte die einjährige Dienstzeit absolviert und sich durch gute Führung, militärisches Können und Zuverlässigkeit ausgezeichnet. Diese Beförderung war oft der erste Schritt auf der Karriereleiter für Soldaten, die eine längere Militärlaufbahn anstrebten. Gefreite trugen spezielle Abzeichen an der Uniform, typischerweise Winkel oder Tressen am Ärmel, die ihren Rang kenntlich machten.

Die Kabinetfotografie war um 1910 ein etabliertes Medium für militärische Porträtaufnahmen. Diese Fotografien, benannt nach ihrem Format von etwa 10 x 15 cm (in diesem Fall etwas kleiner mit 6,2 x 10,2 cm), wurden in professionellen Atelierstudios angefertigt. Soldaten ließen sich fotografieren, um Andenken für Familie und Freunde zu schaffen oder um wichtige Meilensteine ihrer Militärkarriere zu dokumentieren. Die Aufnahmen zeigten die Soldaten meist in voller Uniform mit allen Rangabzeichen und Ausrüstungsgegenständen.

Die badische Militäruniform um 1910 folgte den allgemeinen Richtlinien der deutschen Armee, wies aber einige besondere Merkmale auf. Infanteristen trugen den charakteristischen dunkelblauen Waffenrock mit roten Aufschlägen und Kragen. Die badischen Regimenter unterschieden sich durch spezifische Farbkombinationen und Regimentsnummern auf den Schulterstücken. Der Tschako oder die Pickelhaube als Kopfbedeckung komplettierte die Paradeuniform.

Das Jahr 1910 markiert eine Zeit relativer Stabilität im Deutschen Kaiserreich, aber auch zunehmender militärischer Spannungen in Europa. Die Armee wurde kontinuierlich modernisiert und erweitert. Die Wehrpflicht, die grundsätzlich alle wehrfähigen Männer betraf, war das Fundament des deutschen Heeres. Die reguläre Dienstzeit betrug zwei Jahre bei der Infanterie, gefolgt von mehreren Jahren in der Reserve.

Das Leben eines Soldaten im 7. Badischen Infanterie-Regiment umfasste strenge militärische Ausbildung, Exerzieren, Schießübungen und regelmäßige Manöver. Die Ausbildung folgte den preußischen Drill-Traditionen, legte aber auch Wert auf moderne Gefechtstaktiken. Die badischen Regimenter hatten den Ruf, gut ausgebildete und disziplinierte Truppen zu sein.

Fotografien wie diese besitzen heute erheblichen historischen Wert. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Uniformierung und Hierarchie, sondern auch sozialgeschichtliche Aspekte. Sie zeigen junge Männer, die oft mit Stolz ihre Uniform trugen und ihre Dienstzeit als wichtigen Lebensabschnitt betrachteten. Für viele Familien waren diese Fotografien kostbare Erinnerungsstücke.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 mobilisierte auch das Infanterie-Regiment Nr. 142 und wurde an verschiedenen Fronten eingesetzt. Viele der Soldaten, die vor dem Krieg friedlich in Garnisonen wie Mühlheim dienten, sollten die folgenden Jahre an der West- und Ostfront verbringen. Die idyllische Vorkriegszeit, die solche Fotografien repräsentieren, endete abrupt mit der Kriegserklärung im August 1914.

Solche Kabinettfotos sind heute wichtige Quellen für die militärhistorische Forschung und beliebte Sammlerobjekte. Sie ermöglichen die Rekonstruktion von Uniformdetails, die Identifikation von Regimentern und geben Einblick in die Alltagskultur des kaiserlichen Heeres. Zugleich sind sie berührende persönliche Dokumente, die an die individuellen Schicksale der abgebildeten Soldaten erinnern.

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