Preußen Schirmmütze für einen Offizier im 2. Westfälischen Husaren-Regiment Nr. 11

Standort Krefeld, um 1910. Hohe elegante Schirmmütze. Grünes Tuch mit rotem Bund und weißen Vorstößen, komplett mit beiden Kokarden. Innen mit olivgrünem Schweißband mit der aufgelegten Initiale «S» und hellblauem Wachsfutter. Größe 56. Zustand 2+.
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650,00

Preußen Schirmmütze für einen Offizier im 2. Westfälischen Husaren-Regiment Nr. 11

Die Schirmmütze des 2. Westfälischen Husaren-Regiments Nr. 11 repräsentiert einen bedeutenden Teil der preußischen Militärgeschichte im späten Kaiserreich. Dieses Regiment, mit Standort in Krefeld, gehörte zu den traditionsreichen Husarenverbänden der preußischen Armee und spielte eine wichtige Rolle in der militärischen Struktur des Deutschen Reiches vor dem Ersten Weltkrieg.

Das 2. Westfälische Husaren-Regiment Nr. 11 wurde ursprünglich als Husaren-Regiment Nr. 11 aufgestellt und gehörte zur Kavallerie der preußischen Armee. Die Husaren, ursprünglich aus Ungarn stammend, hatten sich seit dem 18. Jahrhundert zu einer festen Institution in europäischen Armeen entwickelt. In Preußen wurden diese leichten Reiterverbände besonders geschätzt für ihre Beweglichkeit, ihren Aufklärungsdienst und ihre charakteristische, farbenfrohe Uniform.

Die hier beschriebene Offiziersmütze aus der Zeit um 1910 entspricht den Bekleidungsvorschriften der preußischen Armee jener Epoche. Die Schirmmütze hatte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts als praktische Alternative zur Tschapka und anderen traditionellen Kopfbedeckungen etabliert. Besonders für den Dienst außerhalb von Paraden bot sie größeren Komfort und Zweckmäßigkeit.

Die Farbgebung der Mütze ist charakteristisch für das Regiment: Das grüne Tuch mit rotem Band und weißen Vorstößen entsprach präzise den Regimentsfarben. Diese Farbkombinationen waren keineswegs willkürlich, sondern folgten strengen Vorschriften der Anzugs-Ordnung für die Offiziere des Deutschen Heeres. Jedes Regiment hatte seine spezifischen Farben, die seine Identität und Tradition widerspiegelten. Die rote Bandfarbe (der sogenannte "Bund") war typisch für verschiedene Husarenregimenter und diente der schnellen Identifikation.

Die beiden Kokarden an der Mütze hatten besondere Bedeutung: Die schwarz-weiß-rote Reichskokarde symbolisierte die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich, während die schwarz-weiße preußische Kokarde die Zugehörigkeit zum Königreich Preußen anzeigte. Diese doppelte Kokarde war charakteristisch für preußische Uniformen nach der Reichsgründung 1871.

Das innere Schweißband in Olivgrün mit der aufgelegten Initiale “S” deutet auf eine Anfertigung durch einen spezialisierten Militäreffektenhändler hin. Solche Mützen wurden häufig bei renommierten Hoflieferanten oder spezialisierten Handwerkern in Auftrag gegeben. Das hellblaue Wachsfutter war typisch für hochwertige Offiziersmützen und diente sowohl praktischen als auch ästhetischen Zwecken.

Die Größe 56 entspricht einem Kopfumfang von etwa 56 Zentimetern und war eine durchschnittliche Größe für Offiziere jener Zeit. Die hohe, elegante Form der Mütze entsprach dem modischen Ideal der wilhelminischen Ära, in der militärische Eleganz und standesgemäßes Auftreten von größter Bedeutung waren.

Der Standort Krefeld war für das Regiment von zentraler Bedeutung. Die Stadt im Rheinland bot die notwendige Infrastruktur für ein Kavallerieregiment, einschließlich Kasernen, Übungsplätze und Stallungen. Die Garnisonsstadt entwickelte eine enge Beziehung zu "ihrem" Regiment, und die Husaren prägten das gesellschaftliche Leben der Stadt.

In der Zeit um 1910 befand sich die preußische Armee in einer Phase der Modernisierung. Obwohl die Kavallerie noch immer als wichtiger Bestandteil der Streitkräfte galt, zeichneten sich bereits technologische Veränderungen ab, die ihre traditionelle Rolle in Frage stellen sollten. Dennoch behielt die Husarenuniform ihre prachtvolle Gestaltung bei, und Offiziere trugen ihre charakteristischen Mützen mit Stolz.

Die soziale Stellung eines Husarenoffiziers war beträchtlich. Der Offiziersstand gehörte zur gesellschaftlichen Elite des Kaiserreichs, und gerade bei den Husaren, die als besonders mondän galten, war die soziale Selektion ausgeprägt. Die Uniform und insbesondere die Schirmmütze waren sichtbare Zeichen dieser privilegierten Position.

Solche Uniformstücke wurden mit größter Sorgfalt behandelt und gepflegt. Ein Offizier besaß typischerweise mehrere Mützen für verschiedene Anlässe: Parademützen, Dienstmützen und Mützen für das gesellschaftliche Leben. Die erhaltene Mütze im Zustand 2+ zeugt von der hohen Qualität der Herstellung und der sorgfältigen Behandlung durch ihren Träger.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 verloren diese Uniformstücke ihre offizielle Funktion. Viele wurden zu Erinnerungsstücken oder gelangten in private Sammlungen. Heute sind sie wichtige historische Zeugnisse einer untergegangenen Epoche und dokumentieren die militärische Kultur des deutschen Kaiserreichs.