III. Reich - WHW - " Opferschiessen 1936/1937
Das vorliegende Abzeichen aus der Zeit des Dritten Reiches dokumentiert die Teilnahme an einem Opferschießen des Winterhilfswerks (WHW) in der Saison 1936/1937. Diese Steckabzeichen stellen ein faszinierendes Beispiel für die Verschmelzung von Wohltätigkeitsveranstaltungen, militärischer Tradition und nationalsozialistischer Propaganda dar.
Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes wurde im September 1933 als zentrale Wohlfahrtsorganisation des NS-Regimes gegründet. Unter der Schirmherrschaft von Joseph Goebbels und dem Reichspropagandaministerium entwickelte sich das WHW zu einer der größten Spendenorganisationen der Zeit. Offiziell sollte es bedürftigen deutschen Familien während der Wintermonate helfen, diente aber gleichzeitig als Instrument der sozialen Kontrolle und Propaganda.
Die Opferschießen waren sportliche Veranstaltungen, die mit dem traditionellen deutschen Schützenwesen verbunden waren und eine lange Tradition in Deutschland hatten. Im Kontext des WHW wurden diese Veranstaltungen zwischen 1933 und 1945 regelmäßig durchgeführt. Die Saison 1936/1937 war besonders bedeutsam, da sie unmittelbar nach den Olympischen Spielen 1936 in Berlin stattfand, bei denen das NS-Regime Deutschland als moderne, sportbegeisterte Nation präsentieren wollte.
Das beschriebene Abzeichen besteht aus Feinzink versilbert, einem typischen Material für WHW-Abzeichen dieser Periode. Die Verwendung von unedlen Metallen war charakteristisch, da wertvolle Materialien für die Rüstungsproduktion reserviert wurden. Die Versilberung verlieh dem Abzeichen dennoch ein würdiges Aussehen. Die Herstellung erfolgte meist durch spezialisierte Firmen, die im Auftrag der Reichszeugmeisterei oder lokaler WHW-Organisationen arbeiteten.
Teilnehmer an den Opferschießen entrichteten einen Spendenbeitrag und erhielten als Anerkennung solche Abzeichen. Diese dienten nicht nur als Quittung für die geleistete Spende, sondern auch als sichtbares Zeichen der Volksgemeinschaft und der Unterstützung für das Regime. Das Tragen dieser Abzeichen war zwar formal freiwillig, doch der soziale Druck zur Teilnahme an WHW-Aktivitäten war erheblich. Wer kein Abzeichen trug, konnte schnell als Volksschädling oder politisch unzuverlässig gelten.
Die Saison 1936/1937 fiel in eine Phase der wirtschaftlichen Konsolidierung und intensiven Aufrüstung im Deutschen Reich. Der Vierjahresplan unter Hermann Göring war im Oktober 1936 verkündet worden und zielte auf die wirtschaftliche Kriegsvorbereitung ab. Die WHW-Sammlungen, einschließlich der Opferschießen, trugen zur Finanzierung sozialer Programme bei, entlasteten aber auch den Staatshaushalt für militärische Zwecke.
Die Schießveranstaltungen selbst fanden typischerweise in Schützenhäusern, Schießständen oder bei organisierten Volksfesten statt. Sie wurden von lokalen Schützenvereinen, SA-Einheiten, der Wehrmacht oder anderen NS-Organisationen ausgerichtet. Die Veranstaltungen kombinierten sportlichen Wettkampf mit Kameradschaft und ideologischer Indoktrination. Oft waren sie mit Reden, Propagandafilmen oder anderen NS-Veranstaltungen verbunden.
Die Gestaltung solcher Abzeichen folgte meist traditionellen Motiven des deutschen Schützenwesens, kombiniert mit NS-Symbolik. Typische Elemente waren Gewehre, Zielscheiben, Eichenlaub oder Hakenkreuze. Die konkrete Ausführung variierte je nach Region und ausrichtender Organisation.
Die Zustandsbeschreibung “Zustand 2” entspricht der üblichen Bewertungsskala für militärische Antiquitäten, wobei dieser Zustand auf ein gut erhaltenes Stück mit geringen Gebrauchsspuren hinweist. Die gekürzte Tragenadel ist eine häufig anzutreffende Modifikation, die entweder aus praktischen Gründen oder zur Anpassung an unterschiedliche Tragevarianten vorgenommen wurde.
Nach 1945 wurden WHW-Abzeichen in der Entnazifizierung unterschiedlich behandelt. Während Objekte mit expliziter NS-Symbolik verboten wurden, galten viele WHW-Stücke als weniger problematisch. Heute sind sie Sammlerobjekte, die als Zeitdokumente den Alltag im Dritten Reich dokumentieren und die Durchdringung aller Lebensbereiche durch das NS-Regime illustrieren.