Elastolin - Heer Pfeifer marschierend
Die Elastolin-Figur eines marschierenden Heeres-Pfeifers mit einer Höhe von 7 cm repräsentiert ein faszinierendes Beispiel deutscher Spielzeugproduktion aus der Zeit zwischen den 1930er und 1940er Jahren. Die Firma O. & M. Hausser, Hersteller der berühmten Elastolin-Figuren, war einer der führenden Produzenten von Massefiguren in Deutschland und prägte die Spielzeugkultur dieser Epoche nachhaltig.
Die Firma Hausser wurde 1904 von den Brüdern Otto und Max Hausser in Ludwigsburg gegründet. Der Name “Elastolin” bezeichnete das patentierte Material, aus dem die Figuren hergestellt wurden - eine Masse aus Kasein, Leim, Kreide und verschiedenen Füllstoffen, die sowohl formbar als auch relativ widerstandsfähig war. Dieses Material ermöglichte die Herstellung detaillierter Figuren zu erschwinglichen Preisen und machte Elastolin zu einem der beliebtesten Spielzeuge seiner Zeit.
Die dargestellte Figur eines marschierenden Pfeifers verkörpert einen wichtigen Aspekt militärischer Tradition. Der Spielmannszug hatte in der deutschen Militärgeschichte eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht. In der Wehrmacht der 1930er und 1940er Jahre waren Pfeifer und Trommler wesentliche Bestandteile der militärischen Musikkorps. Sie dienten nicht nur zeremoniellen Zwecken, sondern spielten auch bei Märschen und offiziellen Anlässen eine wichtige Rolle für die Moral und den Zusammenhalt der Truppe.
Die Uniform des Heeres-Pfeifers entsprach grundsätzlich der regulären Felduniform der Wehrmacht, ergänzt durch spezifische Abzeichen und Attribute der Spielleute. Die Heeresdienstvorschrift (H.Dv.) regelte genau die Uniformierung und die Ausrüstung der verschiedenen Truppengattungen. Spielleute trugen oft zusätzliche Auszeichnungen wie Schwalbennester (Schulterstücke) oder besondere Tressen, die ihre Funktion kennzeichneten.
Die Produktion von Elastolin-Figuren erreichte in den 1930er Jahren ihren Höhepunkt. Die Firma Hausser beschäftigte zeitweise über 400 Mitarbeiter und produzierte Millionen von Figuren, die in ganz Europa und darüber hinaus verkauft wurden. Die Figuren wurden in verschiedenen Größen hergestellt, wobei die 7-cm-Serie (tatsächlich etwa 7,5 cm) die beliebteste und am weitesten verbreitete war. Diese Größe bot einen guten Kompromiss zwischen Detail und Handhabbarkeit.
Der Herstellungsprozess war aufwendig und erforderte spezialisierte Handwerker. Zunächst wurden Metallformen angefertigt, in die die Elastolin-Masse gepresst wurde. Nach dem Trocknen wurden die Figuren von Hand bemalt, wobei jede Figur mehrere Farbschichten erhielt. Die Bemalung erfolgte meist durch Heimarbeiterinnen, die nach Stückzahl bezahlt wurden. Die Qualität der Bemalung und der Erhaltungszustand bestimmen heute maßgeblich den Sammlerwert dieser Figuren.
Der angegebene Zustand 2 entspricht in der Sammlerhierarchie einem sehr guten Erhaltungszustand mit nur minimalen Gebrauchsspuren. Dies ist bemerkenswert für ein Spielzeug, das oft intensiv bespielt wurde. Die Zustandsbewertung reicht üblicherweise von 1 (neuwertig) bis 5 (stark beschädigt).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion zunächst unter französischer Militärverwaltung fortgesetzt, wobei die Firma keine militärischen Figuren mehr herstellen durfte. Erst in den 1950er Jahren konnte die Produktion wieder aufgenommen werden, allerdings nie mehr im gleichen Umfang wie in der Vorkriegszeit. Die Firma wurde mehrfach verkauft und die Produktion schließlich in den 1980er Jahren eingestellt.
Heute sind Elastolin-Figuren begehrte Sammlerobjekte, die sowohl kulturhistorisch als auch spielzeuggeschichtlich von großer Bedeutung sind. Sie dokumentieren nicht nur die Spielzeugproduktion ihrer Zeit, sondern auch die militärische Uniformierung und die gesellschaftliche Realität der damaligen Epoche. Sammler und Historiker schätzen diese Figuren als dreidimensionale historische Quellen, die Einblick in die materielle Kultur und die Darstellung militärischer Traditionen geben.