Unter den militärischen Auszeichnungen des Dritten Reiches nimmt das Spanienkreuz in Gold mit Schwertern und Brillanten eine besondere Stellung ein. Als höchste Stufe einer Dekoration, die nur 28 Mal verliehen wurde, zählt es zu den seltensten und begehrtesten Ordenszeichen jener Epoche. Es vereint in sich die Funktionen eines Tapferkeitsauszeichnung und einer Kampagnenmedaille und steht exemplarisch für das deutsche militärische Engagement im Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939).
Historischer Hintergrund: Die Legion Condor
Mit dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs im Juli 1936 entsandte Deutschland die Legion Condor, die sich aus Angehörigen der deutschen Luftwaffe und des Heeres zusammensetzte, um die nationalistischen Streitkräfte unter General Franco zu unterstützen. Die Legion Condor, die zumindest offiziell aus Freiwilligen bestand, verfügte während des Krieges über keine eigens gestifteten Auszeichnungen. Diese Lücke wurde erst nach Kriegsende geschlossen: Am 14. April 1939 stiftete Deutschland das Spanienkreuz als Dekoration für die deutschen Flieger und Soldaten, die in der Legion Condor gedient hatten. Das Spanienkreuz erfüllte damit die doppelte Funktion einer Tapferkeitsauszeichnung und einer Kampagnenmedaille.
Klassifikation und Verleihungsstufen
Das Spanienkreuz wurde in einem abgestuften System verliehen, das verschiedene Grade der Verdienste widerspiegelte. Die Gesamtstruktur umfasste sechs Stufen: Bronze ohne Schwerter, Bronze mit Schwertern, Silber ohne Schwerter, Silber mit Schwertern, Gold mit Schwertern und schließlich Gold mit Schwertern und Brillanten. Während die Silber- und Bronzestufen sowohl mit als auch ohne Schwerter verliehen wurden, existierte die Goldstufe ausschließlich mit Schwertern. Die höchste Stufe – Gold mit Brillanten – war streng jenen vorbehalten, die sich durch herausragende Leistungen oder außergewöhnliche Führungsqualitäten im Einsatz ausgezeichnet hatten.
Das Spanienkreuz in Gold mit Schwertern und Brillanten
Die höchste Verleihungsstufe wurde für wiederholte Handlungen, die weit über die Pflichterfüllung hinausgingen, während des Spanischen Bürgerkriegs verliehen. Sie war Ausdruck großer Führungsfähigkeit im Kampf oder besonderer Verdienste. Mit nur 28 Verleihungen, überwiegend an Angehörige der Luftwaffe, steht sie in krassem Gegensatz zur Goldstufe mit Schwertern ohne Brillanten, die 1.126 Mal vergeben wurde.
Die Form des Spanienkreuzes basiert auf einem Malteserkreuz mit einem zentralen Medaillon, das ein Hakenkreuz auf einem Rundfeld zeigt. Zwischen den Kreuzarmen befinden sich jeweils der Luftwaffenadler und zwei gekreuzte Schwerter, die hinter den Adlersymbolen platziert sind. Die Brillantenstufe zeichnete sich durch einen zusätzlichen Ring um das Medaillon aus, der 14 Steine in Krallenfassungen trug.
Die Verleihungszeremonie
Während die meisten Spanienkreuze am 31. Mai 1939 in Hamburg überreicht wurden, erhielten die Empfänger der Goldstufe mit Brillanten ihre Auszeichnungen gesondert am 6. Juni 1939 in Berlin. Diese separate Zeremonie in der Reichshauptstadt unterstrich den besonderen Rang dieser höchsten Verleihungsstufe.
Herstellung durch J. Godet & Sohn
Das vorliegende Stück trägt die Herstellerbezeichnung “J. Godet & Sohn, Unter den Linden 53”. Die Firma Gebrüder Godet & Co. in Berlin gehörte zu den ältesten Ordensjuwelieren Deutschlands. 1761 gegründet, wurde das Unternehmen 1911 zum Königlichen Hofjuwelier ernannt. Der Standort Unter den Linden 53 befand sich im Herzen der preußischen und später reichsdeutschen Hauptstadt und stand für höchste handwerkliche Qualität in der Fertigung von Orden und Ehrenzeichen. Das Stück ist aus vergoldetem Silber (Silber vergoldet) gefertigt.
Bekannte Empfänger
Unter den 28 Empfängern des Spanienkreuzes in Gold mit Schwertern und Brillanten befanden sich einige der bekanntesten Militärfiguren des Zweiten Weltkriegs. Die Fliegerasse Adolf Galland und Werner Mölders, die beide bereits im Spanischen Bürgerkrieg ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten unter Beweis gestellt hatten, gehörten ebenso zu den Ausgezeichneten wie der spätere Generalfeldmarschall Hugo Sperrle. Die drei Kommandeure der Legion Condor – Hugo Sperrle, Hellmuth Volkmann und Wolfram von Richthofen – erhielten neben dem Spanienkreuz auch die spanische Medalla Militar mit Brillanten. Ebenso erhielt Wilhelm Ritter von Thoma, der während des Spanischen Bürgerkriegs die Panzereinheit der Legion Condor kommandierte, diese Auszeichnung. Von Thoma empfing sein Spanienkreuz in Gold mit Schwertern und Brillanten am 6. Juni 1939 in Berlin, unterzeichnet von A. Hitler.
Nachkriegsgeschichte
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Tragen von Auszeichnungen aus der Zeit des Nationalsozialismus 1945 verboten. Während die Bundesrepublik Deutschland 1957 bestimmte Auszeichnungen in entnazifizierter Form zum offiziellen Tragen wieder zuließ, gehörte das Spanienkreuz nicht zu den reaktivierten Dekorationen. Es bleibt somit ein reines Sammlerstück und historisches Zeugnis einer turbulenten Epoche europäischer Geschichte.
Das vorliegende Exemplar dokumentiert in seiner handwerklichen Ausführung durch eines der traditionsreichsten deutschen Ordensjuwelierunternehmen und in seiner historischen Bedeutung als eine von nur 28 verliehenen Auszeichnungen höchsten Grades ein außergewöhnliches Stück militärischer Ordensgeschichte des 20. Jahrhunderts.