Deutsches Reich 1. Weltkrieg Feldflasche M 1915/17
Die deutsche Feldflasche M 1915/17 stellt einen bedeutenden Ausrüstungsgegenstand des Ersten Weltkriegs dar und verkörpert die technologische und industrielle Entwicklung der deutschen Militärausrüstung während der Jahre 1915 bis 1918. Diese Feldflasche wurde als Reaktion auf die Erfahrungen der ersten Kriegsjahre und die Notwendigkeit einer vereinfachten, kostengünstigeren Produktion entwickelt.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs verwendete das deutsche Heer noch die traditionelle Feldflasche M 1887 und ihre Varianten, die aus Aluminium gefertigt wurden. Mit fortschreitender Kriegsdauer und der zunehmenden Rohstoffknappheit im Deutschen Reich wurden jedoch alternative Materialien notwendig. Aluminium wurde für kriegswichtigere Zwecke, insbesondere für den Flugzeugbau, benötigt. Dies führte zur Entwicklung der Stahlfeldflaschen ab 1915.
Die vorliegende Feldflasche wurde von der Firma Knecht hergestellt, einem der zahlreichen Zulieferer, die während des Krieges für die militärische Ausrüstungsproduktion herangezogen wurden. Das charakteristische Firmenlogo auf der Flasche ermöglicht die eindeutige Identifizierung des Herstellers und ist ein typisches Merkmal der Kennzeichnungspraxis jener Zeit. Die deutsche Militärverwaltung verlangte von allen Zulieferern eine klare Kennzeichnung ihrer Produkte zur Qualitätskontrolle und Nachverfolgbarkeit.
Die Konstruktion aus Stahlblech war eine pragmatische Lösung für die Materialknappheit. Das Stahlblech wurde mit einem olivfarbenen Lack versehen, der mehrere Funktionen erfüllte: Er schützte das Metall vor Korrosion, reduzierte Lichtreflexionen an der Front und entsprach den allgemeinen Tarnungsrichtlinien, die während des Krieges zunehmend an Bedeutung gewannen. Die olivgrüne Färbung wurde zum Standard für deutsche Militärausrüstung und ersetzte die auffälligeren Farben der Vorkriegszeit.
Der Stoffüberzug mit Druckknöpfen diente mehreren praktischen Zwecken. Er isolierte die Flasche, um den Inhalt bei kaltem Wetter vor dem Gefrieren zu schützen und bei warmem Wetter kühl zu halten. Zudem dämpfte er Geräusche, die durch das Aneinanderschlagen von Metallgegenständen entstehen konnten – ein wichtiger Aspekt im Grabenkrieg, wo Stille über Leben und Tod entscheiden konnte. Der Überzug bot auch zusätzlichen Schutz für das Stahlblech und verhinderte direkte Berührung mit der Haut bei extremen Temperaturen.
Die Beriemung (Tragevorrichtung) war ein essentielles Element der Feldflasche. Sie ermöglichte das Tragen der Flasche am Koppel oder über der Schulter und war so konzipiert, dass der Soldat schnellen Zugriff auf sein Trinkwasser hatte. Die Riemen waren typischerweise aus Leder oder textilem Material gefertigt. Der erwähnte Riss in der Beriemung am Pfropfen ist ein authentisches Zeugnis der tatsächlichen Feldverwendung und der Belastungen, denen diese Ausrüstungsgegenstände ausgesetzt waren.
Der Korkpfropfen war die Standardverschlusslösung für Feldflaschen dieser Ära. Kork bot eine gute Abdichtung, war leicht und relativ unempfindlich gegenüber den Strapazen des Felddienstes. Der Pfropfen war in der Regel mit einer Kette oder einem Riemen an der Flasche befestigt, um ein Verlieren zu verhindern – ein Verlust des Verschlusses hätte die Flasche unbrauchbar gemacht.
Das Fassungsvermögen dieser Feldflaschen betrug üblicherweise etwa 0,8 bis 1 Liter, was als ausreichend für den täglichen Bedarf eines Soldaten zwischen den Nachschubmöglichkeiten angesehen wurde. In den Schützengräben der Westfront, wo Soldaten oft tagelang ohne Ablösung ausharren mussten, war eine funktionierende Feldflasche überlebenswichtig.
Die Datierung um 1917/18 fällt in die letzten Kriegsjahre, eine Zeit intensiver militärischer Operationen und gleichzeitiger wirtschaftlicher Erschöpfung des Deutschen Reiches. Die Materialschlacht des Ersten Weltkriegs erforderte eine massive Produktion von Ausrüstungsgegenständen. Millionen von Feldflaschen wurden hergestellt, um die Bedürfnisse einer Armee von mehreren Millionen Soldaten zu decken.
Die Erhaltung dieser Feldflasche im Zustand 2 (eine gängige Klassifizierung in der Militaria-Sammlerszene, die einen guten bis sehr guten Erhaltungszustand mit geringen Gebrauchsspuren bezeichnet) macht sie zu einem wertvollen historischen Dokument. Sie bietet Einblicke in die alltägliche Ausrüstung des deutschen Soldaten und die industrielle Produktion des Ersten Weltkriegs.
Heute sind solche Feldflaschen wichtige Sammlerstücke und Studienobjekte für Militärhistoriker. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Geschichte, sondern auch die sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklungen einer der prägendsten Perioden des 20. Jahrhunderts. Jede erhaltene Feldflasche erzählt die Geschichte der Millionen Soldaten, die sie trugen, und der industriellen Anstrengungen einer Nation im totalen Krieg.