SS-Porzellanmanufaktur Allach - junger Dackel liegend
Der junge Dackel liegend mit der Modellnummer 1 gehört zu den frühesten und bekanntesten Entwürfen der Porzellan-Manufaktur Allach (PMA). Diese Figur wurde von Professor Theodor Kärner (1884-1966) geschaffen, einem der renommiertesten deutschen Porzellankünstler seiner Zeit, der von 1934 bis 1945 als künstlerischer Leiter der Manufaktur tätig war.
Die Porzellan-Manufaktur Allach wurde 1935 in München-Allach vom Industriellen Franz Nagy und dem Porzellankünstler Karl Diebitsch gegründet. Im Jahr 1936 übernahm die SS unter Heinrich Himmler die Fabrik, der sie als Instrument zur Produktion von Kunst betrachtete, die die germanische Kultur repräsentierte und die “nationalsozialistische Erziehung” unterstützte. Im Oktober 1937 wurde die Produktion in das SS-Ausbildungslager in der Nähe des Konzentrationslagers Dachau verlegt.
Theodor Kärner brachte beachtliche Expertise in die Manufaktur ein. Er hatte zuvor bei Nymphenburg (1905-1918) und Rosenthal (1918-1934) gearbeitet und zählte zu den bedeutendsten Porzellangestaltern Deutschlands. Für Allach schuf er mehrere Dackelmodelle: Modell Nr. 1 (liegender junger Dackel), Modell Nr. 2 (sitzender junger Dackel) und Modell Nr. 13 (liegender Dackel in größerer, erwachsener Ausführung). Alle Modelle wurden sowohl in weißer glasierter als auch in farbig bemalter Version hergestellt, wobei die farbigen Varianten seltener sind und höhere Preise erzielen.
Ab 1940 setzte die Manufaktur Zwangsarbeiter aus dem Konzentrationslager Dachau ein. Zunächst waren es zehn Häftlinge im Jahr 1940, bis 1943 stieg diese Zahl auf über 90 an. Während der Kriegsjahre beschäftigte die Fabrik etwa 25-30 zivile Arbeiter und rund 50 KZ-Häftlinge, die sowohl dekorative Porzellane wie Tierfiguren und politische Figuren als auch Gebrauchsgegenstände wie Salbentöpfe und Kantinengeschirr herstellten.
Die Allach-Produktion richtete sich primär an SS, Polizei und Wehrmacht, die zwei Drittel der Gesamtproduktion mit erheblichen Rabatten für SS-Mitglieder erhielten. Der Vertrieb erfolgte hauptsächlich über Ausstellungsräume in Städten wie Berlin, Posen, Warschau und Lemberg, nicht über den regulären Einzelhandel. Die Stücke dienten auch als Stadt- und Staatsgeschenke für Würdenträger. Heinrich Himmler kontrollierte 45 Prozent der Produktion und verschenkte Allach-Porzellan häufig an SS-Offiziere und Freunde.
Die Manufaktur produzierte während ihrer neunjährigen Existenz (1936-1945) über 240 verschiedene Keramik- und Porzellanmodelle. Konkrete Produktionszahlen für Modell Nr. 1 sind in verfügbaren Quellen nicht dokumentiert. Produktionslisten ab 1939 sind nicht bekannt. Aufgrund der begrenzten Produktionszahlen und der kurzen Betriebszeit sind Allach-Stücke heute selten.
Die Produktion in der Allach-Fabrik endete mit dem Fall Nazi-Deutschlands 1945. Die Fabrik wurde aufgegeben, ihre Formen wurden von den alliierten Streitkräften zerstört oder beschlagnahmt. Theodor Kärner wurde im Rahmen der Entnazifizierung von 1945 bis 1947 im Lager Moosbach interniert. Nach seiner Freilassung arbeitete er als Leiter der Kunstabteilung der Porzellanfabrik Eschenbach (1947-1953) und kehrte 1954 zur freiberuflichen Arbeit für Rosenthal zurück, bis er am 6. September 1966 in München verstarb. Franz Nagy könnte versucht haben, nach dem Krieg eine begrenzte Produktion am Allach-Standort wieder aufzunehmen, da einige Nachkriegs-Steinzeugobjekte mit einer Allach-Marke gefunden wurden, die den Buchstaben “N” (für Nagy) anstelle der SS-Runen trägt.
Heute sind Allach-Porzellanstücke seltene, kontroverse Sammlerstücke, die aufgrund ihrer begrenzten Produktionszahlen, der kurzen Betriebszeit und ihrer historischen Bedeutung hohe Preise erzielen. Museen und Sammler bewahren sie als historische Zeugnisse der NS-Zeit auf, nicht als verherrlichte Erinnerungsstücke.