Baden Pickelhaube für einen Offizier im 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109

Standort Karlsruhe, um 1914. Eleganter Helm aus Vulkanfiber, komplett mit allen Beschlägen in versilberter Ausführung. Vorne als Helmemblem der Badische Greif mit hoch gewölbtem Stern des Hausordens der Treue, fein emailliert und vergoldet. Flache vergoldete Schuppenketten an silbernen Rosetten, beide Kokarden. Silberner Teller mit goldenen Sternschrauben. Komplett mit hoher eleganter Dienstspitze. Innen mit braunem Schweißleder, seitlich mit gold gedrucktem Hersteller "Depaheg Patent", grünes Seidenfutter, Größe 55 1/2. Nur leicht getragen in wunderschönem Zustand.

Dazu der original Helmkoffer mit der kompletten Beriemung.
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Baden Pickelhaube für einen Offizier im 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109

Die Pickelhaube des 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiments Nr. 109 verkörpert die militärische Pracht und den zeremoniellen Glanz des Großherzogtums Baden im deutschen Kaiserreich. Dieser elegante Offiziershelm aus dem Jahr 1914 repräsentiert nicht nur die herausragende Stellung des Regiments als senior Infanterieverband Badens, sondern auch die komplexe Materialgeschichte des Ersten Weltkriegs.

Das 1. Badische Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109 wurde am 23. März 1803 während der Napoleonischen Kriege gegründet. Nach seiner Verlegung nach Karlsruhe im Jahr 1851 erhob Großherzog Friedrich I. das Regiment 1856 in den Status eines Leib-Regiments – einer Leibgarde mit zeremonieller Schutzfunktion für den Großherzog. Diese Erhebung verlieh dem Regiment einen Status, der dem preußischen 1. Garde-Regiment zu Fuß gleichkam. Als Leib-Formation bestand die erste Pflicht des Regiments im zeremoniellen Schutz des Großherzogs, obwohl es in Kriegszeiten als voll aktiver Infanterieverband diente.

Die Offiziere des 109. Regiments stammten häufig aus Badens Adel und dem professionellen Offizierskorps. Ihre Helme, die als private Anschaffungen bei Herstellern in Karlsruhe und Berlin erworben wurden, spiegelten die höchsten Standards handwerklicher Kunstfertigkeit wider. Die Verwendung von silbernen Beschlägen anstelle von vollständig vergoldeten Elementen bildete ein charakteristisches Merkmal der badischen Leib-Grenadiere und unterstrich ihren Gardestatus. Die Kombination zweifarbiger Metalle – Silber und Gold – mit vergoldeten Schuppenketten und dem Garde-Stern machte die Offiziershelme des 109. Regiments zu den visuell eindrucksvollsten unter allen deutschen Staatsmusterhelmen.

Das Helmemblem zeigt den Badischen Greifen mit dem hoch gewölbten, emaillierten und vergoldeten Stern des Hausordens der Treue auf seiner Brust. Dieser Hausorden wurde am 17. Juni 1715 von Karl III. Wilhelm, Markgraf von Baden-Durlach, gestiftet und am 17. Januar 1840 zum höchsten Orden Badens erhoben. Der Stern besteht aus einem achtspitzigen Malteserkreuz mit kleinen goldenen Kugeln an den Spitzen, goldenen C in den Ecken und dem Motto FIDELITAS. Die Präsenz dieses Sterns auf der Brust des Greifen verkündete den direkten Dienst am Souverän – ein Privileg, das den Gardestatus des Regiments symbolisierte.

Besonders bemerkenswert ist das Material dieses Helms: Vulkanfiber, ein aus Zellulose gefertigtes laminiertes Kunststoffmaterial. Während die meisten Pickelhauben aus gekochtem Leder hergestellt wurden, war Vulkanfiber ein Ersatzmaterial, das während des Ersten Weltkriegs eingeführt wurde, als Deutschlands Ledervorräte schwanden. Alle für die Infanterie vor und während 1914 produzierten Helme wurden zunächst aus Leder gefertigt, doch als Kriegsmaterial knapp wurde, kamen Ersatzstoffe wie Vulkanfiber, Filz, Stahl, Kork und gepresstes Papier zum Einsatz. Vulkanfiber war leichter als Aluminium, robuster als Leder und steifer als die meisten Thermoplaste. Der Hersteller Depaheg Patent, dessen goldgeprägter Name sich im Inneren des Helms findet, produzierte während der Ära des Ersten Weltkriegs Vulkanfiber-Helme in Karlsruhe.

Das Regiment war Teil des XIV. Armeekorps mit Hauptquartier in Karlsruhe, das fast ausschließlich aus badischen Truppen bestand. Gemäß der Militärkonvention von 1870 wurden Badens Streitkräfte in die von Preußen geführte kaiserliche Struktur integriert, behielten jedoch ihre eigenständige Identität. Das XIV. Armeekorps wurde am 1. Juli 1871 fast ausschließlich mit Truppen aus Baden wiedererrichtet.

Während des Ersten Weltkriegs diente die 28. Infanterie-Division, zu der das 109. Regiment gehörte, hauptsächlich an der Westfront. Die Division nahm an der Grenzschlacht, dem Wettlauf zum Meer, der Schlacht an der Somme 1916, späteren Phasen von Verdun, Cambrai 1917, der deutschen Frühjahrsoffensive 1918, der dritten Schlacht an der Aisne, der Schlacht von Belleau Wood, der zweiten Schlacht an der Marne und der Schlacht von Soissons teil. Nach der Demobilisierung der deutschen Armee 1919 wurde die 28. Division aufgelöst. Die Traditionen, Uniformen und Regimentsmusik des Regiments wurden unter der Kontrolle des Landes Baden bis zur Demobilisierung 1919 bewahrt. Seit 2000 besteht der Traditionsverein 1. Badisches Leibgrenadier-Regiment No. 109, Karlsruhe zur Bewahrung der Regimentstraditionen.

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