Osmanisches Reich/Republik Türkei Säbel ähnlich dem Kavalleriesäbel M 1909

Um 1910/20. Blanke, leicht gekrümmte, ca. 2.95 cm breite und 84 cm lange Steckrückenklinge mit Schör, auf dem Rücken "Halbmond"-Punze. Gefäß mit einfachem Stahlbügel, der Griff mit verschraubten gewaffelten Horngriffschalen auf einer Messingplatte. Stahlscheide mit einem Ringband mit starrem Tragering und einem zweiten aufgesetzten beweglichen Tragering, die Mundblechschrauben fehlen. Zustand 2.

Gesamtlänge 101.5 cm.
452643
750,00

Osmanisches Reich/Republik Türkei Säbel ähnlich dem Kavalleriesäbel M 1909

Der hier vorliegende Säbel repräsentiert einen charakteristischen Typ der Blankwaffen, wie sie im Osmanischen Reich und der frühen Republik Türkei zwischen etwa 1910 und 1920 verwendet wurden. Mit seinen typologischen Merkmalen zeigt das Stück deutliche Parallelen zum offiziellen türkischen Kavalleriesäbel Modell 1909, auch wenn es sich möglicherweise um eine Variante oder eine für Offiziere bestimmte Ausführung handeln könnte.

Das Modell 1909 wurde in einer Zeit eingeführt, als das Osmanische Reich unter Sultan Abdülhamid II. und später unter der Regierung der Jungtürken bedeutende Militärreformen durchführte. Diese Reformen zielten darauf ab, die osmanischen Streitkräfte nach europäischem Vorbild zu modernisieren. Deutsche Militärberater spielten dabei eine wichtige Rolle, was sich auch in der Gestaltung der Blankwaffen niederschlug. Die Einführung standardisierter Waffen wie des Kavalleriesäbels M 1909 war Teil dieser Bestrebungen zur Vereinheitlichung der Ausrüstung.

Die Klinge dieses Säbels weist mit ihrer leichten Krümmung und dem Steckrücken (auch als flacher Rücken bekannt) typische Merkmale europäischer Kavallerie-Blankwaffen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf. Mit einer Länge von 84 cm und einer Breite von etwa 2,95 cm entspricht sie den Dimensionen, die für berittene Truppen als optimal galten – lang genug für effektive Hiebe aus dem Sattel, aber nicht so schwer, dass die Handhabung erschwert würde. Das Vorhandensein eines Schörs (einer verstärkten Klingenpartie nahe der Spitze) deutet auf eine Konstruktion hin, die sowohl Hieb- als auch Stichführung ermöglichte.

Besonders bemerkenswert ist die Halbmond-Punze auf dem Klingenrücken. Der Halbmond (türkisch: Hilal) ist seit Jahrhunderten ein bedeutendes Symbol des Osmanischen Reiches und wurde nach dessen Auflösung 1923 auch von der türkischen Republik übernommen. Solche Punzen dienten zur Kennzeichnung der Herkunft und oftmals auch zur Qualitätskontrolle. Sie wurden von staatlichen Waffenfabriken wie der Kırıkkale-Waffenfabrik oder von autorisierten privaten Herstellern angebracht.

Das Gefäß des Säbels zeigt eine funktionale Konstruktion mit einem einfachen Stahlbügel, wie er für Dienstwaffen charakteristisch war. Die gewaffelten Horngriffschalen, die auf einer Messingplatte verschraubt sind, boten einen sicheren Griff auch unter schwierigen Bedingungen. Horn war aufgrund seiner Strapazierfähigkeit und seiner griffigen Eigenschaften ein beliebtes Material für Blankwaffengriffe. Die Waffelung (geriffelte oder schuppenartige Strukturierung) verbesserte die Haftung zusätzlich.

Die Stahlscheide mit ihren zwei Trageringen – einem starren und einem beweglichen – entspricht der typischen Konstruktion für Kavalleriesäbel dieser Epoche. Diese Anordnung ermöglichte es, den Säbel am Wehrgehänge so zu befestigen, dass er beim Reiten nicht störte, aber dennoch schnell gezogen werden konnte. Das Fehlen der Mundblechschrauben ist bei erhaltenen Exemplaren nicht ungewöhnlich und deutet auf Feldeinsatz oder lange Lagerung hin.

Der historische Kontext dieses Säbeltyps ist von besonderer Bedeutung. Die Zeit zwischen 1910 und 1920 war für das Osmanische Reich und die entstehende türkische Republik eine Phase dramatischer Umbrüche. Das Reich beteiligte sich am Ersten Weltkrieg (1914-1918) an der Seite der Mittelmächte, was letztlich zu seinem Zusammenbruch führte. Während der Balkankriege (1912-1913) und des Weltkriegs kamen Säbel wie dieser zum Einsatz, obwohl die Bedeutung der Kavallerie bereits durch die moderne Kriegsführung mit Maschinengewehren und Artillerie zunehmend in Frage gestellt wurde.

Nach dem Krieg, während des türkischen Befreiungskrieges (1919-1923) unter Mustafa Kemal Atatürk, wurden vorhandene Waffenbestände weiterverwendet. Die neu gegründete Republik Türkei übernahm zunächst viele Ausrüstungsgegenstände der osmanischen Armee, bevor sie schrittweise eigene Standards etablierte. Säbel behielten ihren zeremoniellen und symbolischen Wert, auch als ihre praktische militärische Bedeutung schwand.

Exemplare wie der hier beschriebene Säbel sind heute wichtige historische Zeugnisse einer Übergangszeit. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Ausrüstung, sondern auch die handwerklichen Traditionen der Waffenherstellung, die jahrhundertealte Techniken mit moderneren, industriellen Fertigungsmethoden verbanden. Der Zustand 2 (nach üblicher militaria-sammlerterminologie) deutet auf ein gut erhaltenes Stück mit normalem Gebrauchsspuren hin, was seine Authentizität und historischen Wert unterstreicht.