Wehrmacht Zünderbüchse 1941

Bakelit, mit Drehverschluss, Mit Herstellermarkierung "dkn" (= Geiger G.m.b.H., Wilhelm, Metallwarenfabrik). Zustand 2.
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55,00

Wehrmacht Zünderbüchse 1941

Die Wehrmacht Zünderbüchse 1941 stellt ein charakteristisches Beispiel für die deutschen Militärbehälter des Zweiten Weltkriegs dar, die zur sicheren Aufbewahrung und zum Transport von Artilleriezündern entwickelt wurden. Diese spezielle Büchse aus Bakelit mit Drehverschluss verkörpert die technologischen und materialtechnischen Herausforderungen, denen sich die deutsche Rüstungsindustrie während der Kriegsjahre gegenübersah.

Materialtechnologie und Bakelit

Die Verwendung von Bakelit, einem der ersten vollsynthetischen Kunststoffe, der 1907 von Leo Baekeland entwickelt wurde, war für militärische Anwendungen von besonderer Bedeutung. Im Kontext der deutschen Kriegswirtschaft ab 1939 gewann dieser Werkstoff erheblich an Bedeutung, da traditionelle Materialien wie Metalle für Munition und Waffenproduktion priorisiert werden mussten. Bakelit bot mehrere Vorteile: Es war elektrisch isolierend, hitzebeständig, chemisch resistent und vor allem materialsparend in Bezug auf kriegswichtige Metalle.

Die Zünderbüchse musste empfindliche Artilleriezünder vor Feuchtigkeit, mechanischen Stößen und vorzeitiger Auslösung schützen. Der Drehverschluss gewährleistete einen sicheren, aber schnell zu öffnenden Verschlussmechanismus, der auch unter Gefechtsbedingungen zuverlässig funktionierte.

Der Hersteller: Geiger G.m.b.H., Wilhelm

Die Herstellermarkierung “dkn” identifiziert die Wilhelm Geiger G.m.b.H. Metallwarenfabrik als Produzenten. Das System der verschlüsselten Herstellercodes wurde von der Wehrmacht systematisch eingesetzt, um Produktionsstandorte zu verschleiern und die Identifizierung strategischer Ziele durch feindliche Aufklärung zu erschweren. Diese Codes, die aus drei Buchstaben bestanden, wurden zentral vom Heereswaffenamt vergeben und in geheimen Verzeichnissen geführt.

Die Geiger G.m.b.H. war eine von zahlreichen mittleren und kleineren Unternehmen, die in die deutsche Rüstungsproduktion eingebunden wurden. Metallwarenfabriken wie diese wurden ab 1939 zunehmend zur Herstellung militärischer Ausrüstungsgegenstände herangezogen, wobei ihre zivile Produktion stark eingeschränkt oder ganz eingestellt wurde.

Technische Spezifikationen und Verwendung

Zünderbüchsen dieser Art wurden typischerweise zur Aufbewahrung verschiedener Zündertypen verwendet, die in der deutschen Artillerie zum Einsatz kamen. Die Wehrmacht setzte eine Vielzahl von Zündern ein, darunter Aufschlagzünder (AZ), Zeitzünder (ZZ) und Doppelzünder (Dopp.Z). Jeder Zündertyp hatte spezifische Anforderungen an Lagerung und Transport.

Die Jahreszahl 1941 in der Bezeichnung deutet auf das Entwicklungs- oder Einführungsjahr dieser speziellen Büchsenversion hin. 1941 befand sich Deutschland auf dem Höhepunkt seiner territorialen Expansion, und die logistischen Anforderungen der Wehrmacht erreichten beispiellose Dimensionen. Der Bedarf an standardisierten, zuverlässigen Transportbehältern für Munitionskomponenten war entsprechend hoch.

Kriegswirtschaftlicher Kontext

Die Produktion solcher scheinbar nebensächlicher Ausrüstungsgegenstände spiegelt die Komplexität der deutschen Kriegswirtschaft wider. Das Heereswaffenamt unter der Leitung von General Karl Becker und später Emil Leeb koordinierte die Entwicklung und Beschaffung militärischer Ausrüstung. Nach 1942 übernahm Albert Speer als Reichsminister für Bewaffnung und Munition die zentrale Kontrolle über die Rüstungsproduktion.

Die zunehmende Materialknappheit ab 1942/43 führte zu verstärkten Substitutionsbemühungen. Bakelit und andere Kunststoffe wurden noch häufiger eingesetzt, teilweise mit Qualitätseinbußen aufgrund minderwertiger Füllstoffe und beschleunigter Produktionsverfahren.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute stellen solche Zünderbüchsen wichtige Zeitzeugnisse dar, die Einblicke in die materiellen Aspekte der deutschen Kriegsführung bieten. Die Erhaltung in Zustand 2 (nach der üblichen Sammlerbewertungsskala, bei der 1 den besten Zustand bezeichnet) deutet auf ein gut erhaltenes Objekt mit möglicherweise leichten Gebrauchsspuren hin.

Für Militärhistoriker und Sammler sind solche Objekte von Interesse, da sie die industrielle Organisation, Materialtechnologie und logistische Infrastruktur der Wehrmacht dokumentieren. Die Herstellermarkierung ermöglicht zudem die Rekonstruktion von Produktionsnetzwerken und wirtschaftsgeschichtlichen Zusammenhängen.